Die Schopfheimer Chirurgen Andreas Rudolph und Sascha Löhr im Operationssaal. Foto: zVg/Tim Delbeck

Das Schopfheimer Interplast-Team operiert zum fünften Mal am Victoriasee – und trauert um ein kleines Mädchen, dem leider nicht zu helfen war.

Insgesamt 40 Patienten und 60 Operationen in acht Tagen: Der mittlerweile schon fünfte Hilfseinsatz am Victoriasee in Uganda stellte das Schopfheimer Interplast-Team unter Leitung von Chefarzt Andreas Rudolph erneut vor große Herausforderungen. Doch er hatte vor allem auch eine tragische Note, der dem achtköpfigen Team schwer zu schaffen machte.

 

Insgesamt 130 Patienten hatten sich in der Sprechstunde am ersten Tag im LAMU-Hospital in Linjia an der Quelle des Nils vorgestellt, 40 von ihnen wählte das Ärzteteam aus. „Wir wollen sicher gehen, dass sie in unser Programm passen und dass sie wirklich bedürftig sind“, schildert Andreas Rudolph das Vorauswahlverfahren.

Wie immer waren die meisten Patienten noch im Kindesalter, sie alle litten an Verbrennungsfolgen an Händen und Füßen (Fehlbildungen, Narben, Entzündungen, Bewegungseinschränkungen durch Kontrakturen, offene Wunden) sowie Brandwunden im Gesicht, denen die Plastischen Chirurgen mit ihren Operationen nicht nur das Leid mindern, sondern auch die Chance auf ein zumindest ansatzweise normales Leben verschaffen können.

Das Interplast-Team: Markus Rapp, Wolfgang Bachbauer, Tim Delbeck, Andreas Rudolph (hintere Reihe von links), Annalena Schneider, Iris Oswald, Sascha Löhr und Marita Steinebrunner (vorne von links). Foto: Tim Delbeck

Unter diese ausgewählten Patienten war auch ein Mädchen im Alter von zweieinhalb Jahren. Was die Ärzte aber nicht ahnen und (wegen fehlender diagnostischer Geräte im LAMU-Hospital) im Rahmen der Vorauswahl auch gar nicht feststellen konnten – das Mädchen litt an unerkanntem und unbehandeltem Diabetes. Der enorm hohe Blutzuckerspiegel verursachte bei der Narkose so große Komplikationen, dass die Ärzte das Mädchen trotz zweistündigen Kampfs auf der Intensivstation nicht mehr retten konnten.

„Das war der traurigste Moment aller bisherigen Einsätze“, gesteht Andreas Rudolph sichtlich angefasst. Dem Team sei durchaus bewusst, dass es in Anbetracht der speziellen Umstände bei solchen Einsätzen mitunter „auf dünnem Eis“ wandele und die knappe Vorbereitungszeit bei der Auswahl der Patienten die Arbeit „durchaus riskant“ mache. Dennoch habe dieses tragische Erlebnis die Mannschaft zutiefst erschüttert – und zugleich noch enger zusammengeschweißt. „Ich habe großem Respekt vor dem Team“, sagt Rudolph.

„Wir haben stundenlang gekämpft, um das Mädchen zu retten“, erinnert sich auch Anästhesie-Pflegerin Iris Oswald unter Tränen, „aber wir hatten keine Chance.“ Dass die Menschen am Tag nach dem traurigen Zwischenfall ihre Kinder trotzdem wieder zur Behandlung brachten, habe sie sehr berührt: „Die haben so ein Grundvertrauen in uns“.

Für ihren Kollegen Wolfgang Bachbauer gib es denn auch keine Zweifel, dass das Interplast-Team trotz dieser traumatischen Erfahrung mit seinen Einsätzen weitermachen sollte. „Wir haben schon so vielen Menschen geholfen, deshalb ist es auch zukünftig sinnvoll“, betont er und bezeichnet Andreas Rudolph als „großartigen Teamleiter“.

Den freut es denn auch, dass alle acht Mitstreiter (die Chirurgen Christian Hausding sowie Sascha Löhr, Anästhesist Tim Delbeck sowie die Pflegekräften Wolfgang Bachbauer (Intensiv), Iris Oswald (Anästhesie) und die Schwestern Marita Steinebrunner und Annalena Schneider sowie Markus Rapp von der Firma Aesculap) auch künftig an Bord bleiben – und mit ihm nächstes Jahr wieder einmal nach Kamerun aufbrechen wollen. Allerdings geht es aufgrund des immer noch schwelenden Bürgerkriegs nicht an die alte Wirkungsstätte in Manyemen, sondern nach Douala. Das dortige Krankenhaus hat explizites Interesse an einem Besuch der Ärzte von Interplast signalisiert. Die Vorbereitungen seien bereits im Gange, berichtet Rudolph und bedankt sich im gleichen Atemzug bei den Arbeitgebern der Teammitglieder für die Unterstützung.

Interplast

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