Nach 66 Jahren schließt Lederwaren Enz in Schopfheim. Letzte Taschen und mehr gehen bei Birgit Hoffmann und Dieter Enz nun über die Ladentheke. Foto: Verena Wehrle

Lederwaren Enz in Schopfheim schließt nach 66 Jahren zum 31. Dezember. Orthopädie-Schuhmacher Dieter Enz wechselt in den Ruhestand. Sein Handwerk wird rar.

Von weither sichtbar sind die auffälligen Rabattschilder zum „totalen Räumungsverkauf“, und im Innern des Ladengeschäfts merkt man, wie es in den Regalen immer leerer wird. Die letzten Trolleys, Handtaschen, Rucksäcke, Geldbeutel und mehr gehen in diesen Wochen über die Ladentheke von Lederwaren Enz. Das Traditionsgeschäft in der Hauptstraße schließt nach 66 Jahren zum 31. Dezember. Denn Dieter Enz wechselt in den wohlverdienten Ruhestand. Und damit hört der letzte Schuhmacher in Schopfheim und Umgebung auf.

 

„Das ist schon ein komisches Gefühl“, sagen Dieter Enz und seine Schwester Birgit Hoffmann. Trubel herrscht kurz vor der Mittagspause im Laden. „Mit diesem Ansturm kurz vor unserer Schließung hätten wir nicht gerechnet“, sagt Hoffmann etwas wehmütig. „Darf ich noch meine Schuhe bringen?“, fragt eine Kundin. Viele würden ihr Bedauern ausdrücken und seien überrascht. 66 Jahre seien eben auch eine lange Zeit gewesen, da habe es Stammkunden über mehrere Generationen gegeben, erzählt Enz.

Ein Geschäft mit Tradition

Alles begann, als sein Vater Paul Enz mit Ehefrau Sonja 1961 in der Friedrichstraße die Schuhmacherei eröffnete. Zwei Jahre später zog diese dann in die Hauptstraße 72. Nach und nach wurden auch Lederwaren ins Sortiment aufgenommen. Denn auch am neuen Standort war zuvor ein Lederwarengeschäft – das von „Räubers“. Nach seiner Ausbildung zum Orthopädie-Schuhmacher stieg auch Dieter Enz ins Geschäft seines Vaters mit ein und übernahm dieses zehn Jahre später im Jahr 1992. Und auch seine Frau Elke unterstützte seither das Team.

Handwerk wird immer seltener

Dass nun in diesem Jahr auch die Schuhmacher in Lörrach und Weil aufgehört haben, sei unglücklich. Für diese Dienstleistung müssten die Kunden künftig also weit fahren. Sicher werde es Kunden geben, denen das immer seltener werdende Handwerk fehlen wird. Enz weiß aber aus eigener Erfahrung, es werde auch immer weniger gebraucht. „Es gibt immer mehr zu kleben und weniger zu reparieren an den Schuhen von heute.“ Und: „Schuhe werden immer günstiger, so dass sich oft eine Reparatur nicht mehr lohnt.“ So werde eben einfach ein neuer Schuh gekauft. Fast ausschließlich mit teuren Schuhen wären die Kunden noch zu ihm gekommen. Und auch im Verkauf seien die Kundenzahlen immer mehr gesunken.

Und dennoch habe Lederwaren Enz im Schopfheimer Warenangebot eine Lücke geschlossen, sind sich Enz und Hoffmann einig. Vor allem Handtaschen und Wanderrucksäcke seien in letzter Zeit die Verkaufsschlager gewesen. Birgit Hoffmann ist seit 1992 im Betrieb, hat die Näharbeiten bei den Reparaturen übernommen und war im Verkauf tätig. Sie schaut sich nun nach einer neuen Aufgabe um.

Und wie geht es mit dem Geschäft weiter?

Ursprünglich sei der Plan gewesen, dass jemand Lederwaren Enz übernimmt, so wie es ist. Doch von diesem Gedanken habe sich Dieter Enz mittlerweile verabschiedet. Nun sei klar, dass ein anderes Angebot in den Laden einziehen wird. Näheres wolle er nicht verraten, da es noch nicht offiziell ist.