„Mehr Wasserfläche, bessere Ausstattung, langfristige Perspektive“: Mit diesen Schlagworten tritt die Stadt Schopfheim den kritischen Stimmen in Sachen Naturbad entgegen.
Der Gemeinderat der Stadt Schopfheim hat sich bekanntlich in einer bewegten Sitzung am 14. Juli für die Sanierung des Schopfheimer Freibads als Naturbad entschieden. Dies sei „nach intensiver Abwägung der Argumente“ geschehen, betont die Stadt in ihrem Schreiben.
Die erstellten Studien als Entscheidungsgrundlage „haben deutlich aufgezeigt, dass nur als Naturbad der Erhalt des Schopfheimer Schwimmbads finanziell stemmbar ist“, schreibt die Stadt. Der Umbau ermögliche es, den Bürgern langfristig ein attraktives, modernes und zukunftsfähiges Bad zu bieten.
„Sachliche Darstellung“
„Für Bürgermeister Dirk Harscher hat bei diesem zukunftsweisenden Projekt eine transparente und sachliche Darstellung der Fakten oberste Priorität“, heißt es in der Mitteilung. Ziel sei es, „Missverständnisse auszuräumen und den Bürgern eine verlässliche Grundlage zur Meinungsbildung zu bieten.“ In diesem Sinne bemüht sich die Stadt in ihrer Mitteilung, die Argumente für ein Naturbad aufzufächern und Fehlinformationen entgegenzutreten.
„Mehr Wasserfläche“
„Bei einer Sanierung als Naturbad kann die Wasserfläche von derzeit 1500 auf 2000 Quadratmeter vergrößert werden“, schreibt die Stadt. Bei einer Sanierung als konventionelles Bad mit chemisch-technischer Wasseraufbereitung müsste die Fläche aufgrund des vom Gemeinderat festgelegten Kostendeckels von sieben Millionen Euro auf 1000 Quadratmeter reduziert werden – mit deutlichen Einschränkungen für die Besucherzahl.
Getrennte Bereiche
Unterm Stichwort „bessere Nutzung für Schwimmer und Springer“ verweist die Stadt darauf, dass im Naturbad Schwimmer- und Springerbereich getrennt werden. So könne auch bei Springbetrieb ohne Einschränkungen geschwommen werden. Zudem: „Alle Schwimmerbahnen bleiben dauerhaft in voller 50-Meter-Länge erhalten“, verspricht die Stadt.
Bei der konventionellen Technik müssten dagegen – Stichwort Verkleinerung der Wasserfläche – drei der aktuell sechs 50-Meter-Bahnen dauerhaft auf 25 Meter verkürzt werden. Da es bei einer Sanierung in der konventionellen Variante eben kein eigenes Springerbecken gibt, würden während des Springbetriebs zusätzlich auch die verbliebenen drei 50-Meter-Bahnen auf 25 Meter verkürzt, führt die Stadt aus – „ein deutlicher Verlust an Schwimmqualität“.
Innenbecken und Gebäude
„Durch die Naturbad-Variante bleiben finanzielle Mittel für die Sanierung des Innenbeckens erhalten, in dem Schwimmkurse für Kinder stattfinden“, führt die Stadt weiter aus. Auch für das sanierungsbedürftige Schwimmbadgebäude (Stichworte: undichtes Dach, veraltete Sanitäranlagen) wären Mittel verfügbar.
Beim konventionellen Bad „müssten diese Mittel für die Wasseraufbereitungsanlage (Chlor-Anlage) aufgewendet werden und wären nicht mehr vorhanden“. „Daher würde in der konventionellen Variante das Innenbecken entfallen“, stellt die Stadt klar.
Unter der Schlagzeile „Faktencheck und Mythen“ nimmt die Stadt zu einigen Hauptargumenten der Naturbad-Gegner Stellung.
Technik funktioniert nicht?
Die Fundamentalkritik „Naturbäder funktionieren nicht“ sei schlicht falsch: In Deutschland gebe es etwa 200 erfolgreich betriebene Naturbäder – Tendenz steigend. „Sie erfüllen strenge hygienische Vorgaben und sind bei Jung und Alt beliebt“, so die Stadt.
Schließung wegen Keimen?
Weitere große Befürchtung ist, dass „Naturbäder ständig wegen Keimen schließen müssen“. Auch das sei falsch: „Bei fachgerechter Planung und Pflege ist dies nicht der Fall“, erklärte die Stadt. Sicherlich: „Bei einem Ausfall der technischen Anlage sind Schließungen möglich“ – in konventionellen Bädern allerdings ebenso wie in Bädern mit natürlicher Wasseraufbereitung. „Beispiele hierfür finden sich in beiden Varianten“, schreibt die Stadt und verweist auf das (chemisch-technische) Freibad Steinen: Dieses musste im Sommer aufgrund mangelhafter Wasserqualität drei Wochen lang schließen.
Das Wasser ist zu kalt?
Weiterhin kursiere die Fehlinfo, dass die Wassertemperatur im Naturbad nicht wärmer sein dürfe als 22 Grad Celsius. Wiederum „falsch“, so die Stadt: Die Temperatur hänge von Witterung und Sonneneinstrahlung ab, „und ein hygienisch einwandfreier Betrieb ist bis 25 Grad Celsius möglich.“
Kinder und ältere Menschen fühlen sich nicht wohl?
Vor diesem Hintergrund bezeichnet die Stadt denn auch die von Kritikern vorgebrachte Befürchtung als unbegründet, Kinder und ältere Menschen fühlten sich wegen der Temperaturen in einem Naturbad nicht wohl: „Naturbäder werden von allen Altersgruppen genutzt und sind bei Jung und Alt beliebt. Umliegende Naturbäder erfreuen sich stetiger und hoher Besucherzahlen“, schreibt die Stadt dazu.
„Zahlreiche Vorteile“
Abschließend fasst die Stadt die Vorteile zusammen, die die Naturbad-Variante mit sich bringe: Ein Plus von 500 Quadratmetern Wasserfläche gegenüber dem aktuellen Stand, und gar 1000 Quadratmetern mehr als nach einer konventionellen Sanierung, weiterhin sechs 50-Meter-Bahnen ohne Einschränkungen, getrennte Bereiche für Schwimmer und Springer, Erhalt des Innenbeckens, Sanierungen im Schwimmbadgebäude möglich, eine nachhaltige, chemiefreie Wasseraufbereitung und hohe Attraktivität für alle Altersgruppen.