Briefmarkensammler 46 Jahre gemeinsam aktiv / Gemeinde erhält Unterlagen / Guthaben geht an Kindergarten

Von Christel Börsig-Kienzler Schonach. Er war klein, aber fein: Der Briefmarken-Sammlerverein Schonach. Zum Jahresende 2010 löste er sich nun nach 46 Jahren seit seiner Gründung aus Altersgründen und wegen Nachwuchsmangel auf. Dem langjährigen Vorsitzendem Wilhelm Knöpfle und seinen Vereinskollegen fiel der Schritt nicht leicht. Doch keiner wollte Knöpfles Amt übernehmen. Bereits 2008 hatte der Schonacher angekündigt, dass er den Vorsitz 2011 abgibt, da er im Juni 80 Jahre alt wird.

Nachdem kein Nachfolger für Knöpfle in Sicht war und auch das Amt des im August vergangenen Jahres verstorbenen Kassiers Hermann Hipp niemand übernehmen wollte, hat sich der Vorstand entschlossen, den Verein zum Jahresende 2010 aufzulösen.

"Zuletzt waren wir nur noch rund 20 Mitglieder, die meisten davon passiv", erzählt Knöpfle auf Anfrage des Schwarzwälder Boten mit etwas Wehmut in der Stimme. "Bis auf einen Aktiven sind alle im Rentenalter, viele wohnen auswärts und Nachwuchs ist nicht in Sicht", so der 79-Jährige. Stets am ersten Donnerstag im Monat trafen sich die aktiven Mitglieder, meistens sechs, zu Tauschabenden im Gasthof "Schwanen". Die Vereinsauflösung fällt dem leidenschaftlichen Sammler schwer. Hatte er doch 15 Jahre dessen Vorsitz inne.

Kurt Wernet und Norbert Feiss gründeten einst am 14. April 1964 den sogenannten "Klub der Briefmarkenfreunde Schonach". 1975 wurde er zum Briefmarken-Sammlerverein umgetauft. Gründungsmitglieder waren auch Ingeborg und Ernst Rommel, Brunhilde und Klaus Kopp, Winfried Pankonin, Erich Heitzmann, Alfred Burger, Peter Röhnspeck. Vorsitzender wurde Kurt Wernet. Das Amt übte er bis zu seinem Tod 1995 aus, danach übernahm es Wilhelm Knöpfle.

"Wir sind zwar ein kleiner Verein, aber man kann viel lernen, wenn man Briefmarken sammelt", hatte der Vorsitzende unserer Zeitung im Jubiläumsjahr 2004, als der Verein stolz auf sein 40-jähriges Bestehen blickte, erzählt. Knöpfle sprach damit die ständig neuen Sondermarken an, die bekannte Personen, Ereignisse oder Erfindungen abbilden. Doch gerade diese zu sammeln, sei nicht ganz billig, betonte Knöpfle damals und auch heute. Die Post gebe einfach zu viele Sorten von einer Marke heraus, wodurch das Ganze teuer werde. Auch habe die Jugend kein Interesse mehr, Briefmarken und Sonderstempel zu sammeln.

Ein Höhepunkt in der langjährigen Vereinsgeschichte war der Kontakt eines Mitgliedes zu einem amerikanischen General, der als Diplomat im Jemen stationiert war. Dadurch kam der Schonacher Verein in den Genuss eines 2,30 Meter langen Briefes mit 350 Briefmarken aus dem arabischen Staat. Dieser war bei mehreren Ausstellungen zu sehen. Mit Kamelen, Auto und Flugzeug kam dieser Brief einst nach Schonach. Auf den Briefmarken ist auch der ehemalige amerikanische Präsident John F. Kennedy zu erkennen.

Viel Mühe kosteten den Verein einst die Anträge für Sonderstempel. Heutzutage benötigt es einer Anfrage beim Bundesfinanzministerium, hieß es schon im Jubiläumsjahr. Bei der zweiten Junioren-WM und der Deutschlandtour 2002 in Schonach ging es gerade noch gut. Bereits bei der ersten Junioren-WM 1981 und bei "Jugend trainiert für Olympia" 1978 hatte der Verein gelungene Sonderstempel kreiert, genauso für die deutsche nordische Skimeisterschaft der Jugend 1971 und für die 700-Jahr-Feier der Gemeinde 1975.

Die Postkarten und Briefumschläge mit den Sonderstempeln wurden in die ganze Welt verschickt.

Sämtliche Unterlagen, also Ordner mit den Originalstempeln mit Belegen, Postkarten, Protokolle und so weiter, sichtet Knöpfle derzeit. Er will sie möglichst noch diesen Monat der Gemeinde für ihr Archiv übergeben. Denn wie Bürgermeister Jörg Frey bei der Jubiläumsfeier Ende 2004 betonte, erhalte der BriefmarkenSammlerverein ein Stück Kultur, indem er Zeitzeugnisse sammle, die man später den Enkelkindern zeigen könne. Frey hob damals auch die Bedeutung für die Gemeinde hervor. Durch die Sonderstempel habe der Verein sehr ausdrucksstarke Werbung für die Gemeinde betrieben.

Hat Ihnen der Artikel gefallen? Jetzt teilen: