Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schonach Auch Schonach blieb von Gräueltaten nicht verschont

Von
Ein Gedenkstein erinnert an die grausige Tat am 23. April 1945.Foto: Eberl Foto: Schwarzwälder Bote

Schonach. Am 8. Mai 1945 war der Zweite Weltkrieg in Europa beendet. Das Nazi-Regime kapitulierte bedienungslos vor der Übermacht der Alliierten. Doch bis es endlich soweit war, herrschte die Gewalt in Deutschland, bis zum letzten Tag. Auch Schonach blieb von Gräueltaten nicht verschont. So ereignete sich am 23. April 1945 eine grausige Tat.

Wandert man den Höhenweg Pforzheim – Basel, entdeckt man zwischen Absetze und Gasthaus Karlstein einen Gedenkstein am Wegesrand. Dieser erinnert an Karl Schwab, der dort am 23. April auf dem Weg nach Hause von einem SS-Mann als Fahnenflüchtiger und Vaterlandsverräter erschossen worden war, nur wenige Tage vor Kriegsende und vor allem in einer Lage, in der der Krieg für das Deutsche Reich schon lange als verloren gegolten hatte.

Der Schonacher Bruno Bender erinner seinem Buch "Geschichten aus dem alten Uhrmacherdorf" an die Ereignisse. Er selbst hatte die Ereignisse des Apriltages 1945 von Theresia Kaltenbach erzählt bekommen. So wurde am 24. April 1945 die Ortskommandantur der Wehrmacht, die sich im Hotel Lamm eingerichtet hatte, geschlossen, das vorhandene Aktenmaterial vor dem Hotel verbrannt. Offiziere und Soldaten flüchteten danach Richtung Schweizer Grenze. Das nun führerlose letzte Aufgebot aus Volkssturm und Hitlerjugend löste sich auf, jeder versuchte auf eigene Faust wieder in die Heimat zu kommen, der Krieg war in dieser Region im Prinzip ja beendet.

Auch Karl Schwab gehörte zum letzten Aufgebot. Der 45-Jährige stammte aus Oberkirch, wollte zurück zu Frau und Kindern zurück. Am 23. April, um die Mittagszeit, kam er auf der Absetze bei Theresia Kaltenbach, im Volksmund Absetze-Theres genannt, an. Diese bot ihm, wie schon vielen Soldaten in den letzten Tagen ein Quartier zum Übernachten auf dem Heuboden an, was der Oberkircher gerne annahm und sich in Form von Holzspalten dankbar zeige.

Gegen 16 Uhr tauchte plötzlich ein SS-Mann auf und bat ihn zwecks Personalüberprüfung in die Wohnstube. Dort wurde der Volkssturm-Mann als Fahnenflüchtiger und Vaterlandsverräter ausgeschimpft und getreten. Therese Kaltenbach wollte ihrem Übernachtungsgast beistehen, bat den SS-Mann darum, ihn doch gehen zu lassen. Doch der meinte seine Pflicht tun zu müssen und Schwab an die Ortskommandantur in Schonach zu überstellen – die sich im Übrigen mittlerweile ja aufgelöst hatte.

Mit der Pistole im Anschlag führte der SS-Mann den Verhafteten ab. Theresia Kaltenbach schaute den beiden noch nach, hörte dann wenige Minuten später zwei Schüsse: der SS-Mann hatte den Volkssturm-Mann ohne Anklage erschossen und verscharrte ihn unter Tannenreisig. Die Leiche fand man erst am 15. September desselben Jahres. Edmund Kaltenbach vom ­Schneckenloch machte den grausigen Fund.

Die Gemeinden Schonach und Oberkirch leiteten die Überführung des letzten Kriegsopfers auf Schonacher Boden ein. Schwab wurde auf dem Friedhof seiner Heimatgemeinde beigesetzt. Den SS-Mann der das Verbrechen beging fand man indes nie.

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.