Geburtstag: Fest mit großer Familie und vielen Freunden
Schönwald. Der "Rote Bur" Lukas Duffner aus Schonach feiert heute, Freitag, mit vielen Freunden seinen 90. Geburtstag. Wie es sich für ihn gehört, gratulieren auch Größen aus der Politik. Schließlich wurde er erst in diesem Jahr für seine 70 Jahre als Sozialdemokrat geehrt, 2008 erhielt er für sein politisches Engagement das Bundesverdienstkreuz am Bande.
Am 6. September 1929 erblickte Lukas Duffner in der Barockstadt Ettenheim als jüngstes von drei Kindern das Licht der Welt. Vater Anton war Landwirt und Blechner, Mutter Karoline erzog die Kinder in der Zeit der Weltwirtschaftskrise. Bruder und Schwester wurden 1939 zum Wehrdienst eingezogen, der Vater wurde in der Rüstungsindustrie eingesetzt. Lukas war alt genug, um der Mutter in der Landwirtschaft mit Obst- und Weinbau zu helfen. Allerdings entging auch er nicht dem Aufruf zum "Schanzen" im Elsass. Nach dem Krieg kehrte der Vater heim, sein Bruder aber war beim Rückzug der Armee gefallen. Dem jungen Burschen fiel es schwer, sich den französischen Besatzern unterzuordnen – ein Wesenszug, den er sich bis heute bewahrte.
1947 folgte er einem Schonacher in den Schwarzwald und lernte seine spätere Frau Alma Dold vom Schneiderjockenhof im Schwarzenbach kennen. Schon 1950 heiratete er sie – und wurde erstmals Vater. Der junge Mann lernte von seiner Frau in den langen Wintern das Skifahren und gewöhnte sich langsam an die Kälte in Schönwald. Beide lieben Kinder, und so haben sie 1965 fünf Söhne und eine Tochter. Lukas Duffner hatte den Hof 1953 gepachtet, nachdem sein Schwiegervater ein Leibgedinghaus gebaut hatte. 1954 kaufte er seinen ersten Unimog, mit dem er im Winter gutes Geld verdiente beim Schneeräumen. 1958 übernahm er die Landwirtschaft, 1970 bezog die große Familie den neuen Hof, der mit viel Eigenleistung entstanden war – und schon damals baute er einen separaten Rinderstall. Schon früh stellte er seinen Viehbestand auf Angus-Fleischrinder und Mutterkuhhaltung um, zugleich bot er Gästezimmer an. Er hielt Ponys für den Reitbetrieb, wofür er zunächst mit Spott überschüttet wurde. 1971 wurde das siebte Kind geboren, wie damals üblich, wurde Bundespräsident Gustav Heinemann Pate. Dann folgte ein Schock: 1974 verstarb völlig unterwartet seine Frau Alma. Der Zusammenhalt der Familie sorgte dafür, dass dennoch alles seinen Gang ging.
Bei Kutschfahrten, die Duffner zu jener Zeit anbot, lernte er den Kurgast Marianne kennen. Was folgte, bezeichnete die ehemalige Bundestagsabgeordnete Christa Lörcher als "eine der schönsten Liebesgeschichten, die ich kenne". 1979 heirateten die beiden – die Familie vergrößerte sich um zwei Kinder aus Düsseldorf. Der Zusammenhalt in der Patchworkfamilie war groß. Später kam Mariannes Nichte Susanna dazu, die heute auf dem Dreierheinerhof lebt. Auch der einzige gemeinsame Sohn, Marc-Anton, erweitert die Familie. Ute, Mariannes Tochter, zog es zunächst vom Hof weg, sie kam aber zurück und heiratete Siegfried, den Jungbauern. 1980 kaufte die Familie den fast nebenan liegenden, 1619 erbauten Reinertonishof, der mit viel Eigenleistungen und mithilfe des Landesdenkmalsamts und des Landkreises von 1983 bis 1986 renoviert wurde. Sohn Siegfried baute nebenan einen Imbiss, 1989 wurde das Vesperstüble eröffnet, das 1997 erweitert wurde. Zwei Jahre zuvor hatte Lukas Duffner den Schneiderjockenhof an Siegfried und Ute Duffner überschrieben.
Lukas Duffner engagierte sich auch im Austausch mit der Partnerstadt Bourg-Achard, 1985 wurde er dort Ehrenbürger. 2002 übernahm er Rebland in seiner Heimat Ettenheim, das er noch heute mit einigen Freunden betreut, den "Roten Brüdern". 2006 brannte durch Brandstiftung der Reinertonishof ab, der von 2008 an wieder aufgebaut wurde Im selben Jahr wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet.
Schon in den frühen 60er- Jahren wehte den Bauern zuweilen politisch-bürokratischer Widerstand entgegen, wenn es um wichtige Vorhaben ging – was Duffner in die Kommunalpolitik trieb. 1965 stellte sich der aufrechte Sozialdemokrat erstmals dem Wähler, um in den Kreistag zu kommen, was auf Anhieb gelang. Konsequent setzte er sich für den Straßenbau ein. Nicht immer diplomatisch, zumeist aber erfolgreich. 1966 gründete er mit Alois Kaiser den SPD-Ortsverein, er übernahm den Vorsitz, den er erst dieses Jahr an einen seiner Enkel abgab. 26 Jahre lang war er, mit einer Unterbrechung, auch im Gemeinderat Schönwald tätig. Sein vielfältiges Engagement sorgte dafür, dass er weit über die Landesgrenzen hinaus als "de Rote Bur" bekannt wurde. Erst vor wenigen Monaten erhielt er die höchste Ehrung seiner Genossen, die Willy-Brandt-Medaille.
Heute wird sein Geburtstag mit vielen Freunden gefeiert, erwartet werden auch aktuelle und ehemalige Abgeordnete.