"Wie feiert man zehn Jahre Gartenschau?" Die Frage des Nagolder OBs stand am Anfang der Jubiläums-Veranstaltung. Rund 300 Gäste waren dafür in die Stadthalle gekommen – und schwelgten in Erinnerungen.
Nagold - Nagolds Humor-Promi Klaus Birk übernahm die Moderation des Abends. Klar, dass bei ihm die anlässlich der Gartenschau nie gebaute Treppe auf den Schlossberg ein "Running Gag" wurde. Aber auch dem ließen sich noch gute Seiten abgewinnen – schließlich konnte der seinerzeitige, negative Bürgerentscheid gegen diese Treppe "den Spirit", den "Nagolder Geist" nicht brechen.
Über eine Million Besucher, 171 Tage, 20 000 Dauerkarten. Es machte Oberbürgermeister Jürgen Großmann sichtlich Spaß, an die Superlativen dieser einmaligen Zäsur in der Stadtgeschichte zu erinnern.
Tosender Applaus für Alt-OB Prewo
Aber der tosende, donnernde Applaus gehörte an diesem Abend vor allem Alt-OB Rainer Prewo, aus dessen Rathaus seinerzeit die Idee, die Initiative und die Bewerbung um die Landesgartenschau kamen. Und lustvoll ließ Prewo die Schlitzohrigkeit seines Hauses Revue passieren, mit der "das kleine Nagold" auch "die in Stuttgart" davon überzeugte, diese Großveranstaltung samt der zugehörigen Fördermillionen für die Stadtentwicklung hierher zu vergeben. Beispiel: Prewo ließ die seinerzeitigen – von fleißigen Bürgern gesammelten – Unterschriftenliste pro Nagolder Gartenschau gezielt "beim Pförtner" des Landeshauses abgeben. Damit die Listen für alle sichtbar durchs ganze Haus getragen werden mussten.
Die kleinen Gesten. Die kleinen Geschichten. Auch Klaus Birk wusste solch eine magische Geschichte zu erzählen. Von einem seiner eigenen Auftritte auf der großen Bühne der Gartenschau. Einer der wenigen eher regnerischen Tage. Plötzlich reißt die Wolkendecke auf, die Sonne scheint – nur auf die Bühne, auf Klaus Birk. Ein Schmetterling fliegt vorbei – und Birk wird bewusst, dass an diesem Tag sein Vater 100 Jahre alt geworden wäre. Man spürt den Kloß im Hals des plötzlich sehr ergriffenen Comedians. Es war halt eine ganz besondere Landesgartenschau – damals in Nagold. Voll unfassbarer Erlebnisse.
Kuon als "erster Reiter"
Das wird auch deutlich, als Birk eine Talkrunde der Gartenschau-Verantwortlichen auf die Bühne ruft. Richard Kuon, damals Geschäftsführer der Gartenschau-Gesellschaft, etwa. Sein schönstes Erlebnis damals? "Der Pferdetag", als er als erster Reiter beim Pferdeumzug in der Marktstraße einreiten durfte. Das Staunen der Passanten, das Leuchten ihrer Gesichter. Für Ralf Fuhrländer, Leiter des Planungsamtes, war’s neben dem Bürgerfest der "Tag vor der Eröffnung", als alle Beteiligten durch das Gelände liefen. Und ihm bewusst geworden sei, "was wir alles geleistet haben!"
Bei Rainer Prewo war es noch so eine Schlitzohrigkeit – mit der er damals die Deutsche Bahn trickreich überzeugen konnte, nicht nur am Nagolder Bahnhof einen Halt der Kulturbahn einzurichten – sondern auch die Haltepunkte Stadtmitte und Iselshausen.
Für den amtierenden OB Jürgen Großmann, der die unter seinem Vorgänger entwickelte Idee der Gartenschau dann ab 2008 umsetzen durfte, war die Eröffnung das absolute Highlight - "bei Bilderbuchwetter", das Nagold seitdem irgendwie zu besonderen Anlässen in der Stadt nicht mehr wieder verlassen sollte. Und seitdem deshalb "Nagoldwetter" heißt.
Wachsende Kirche als besonderer Ort
Und dann rief sich Klaus Birk noch einen anderen, besonderen Gast des Abends auf die Bühne: Ralf Albrecht – jetzt Prälat in Heilbronn, lange Jahre Dekan hier in Nagold. Auch zur Gartenschau. Die auch die "Wachsende Kirche" hervorbringen sollte. "Ein provokantes Symbol", so Albrecht – wo Kirchen doch heuer eher schrumpfen. Von Anfang an "ein besonderer Ort, in dem es vibriert, Gott erlebbar wird". Und das "für alle Konfessionen" zusammen.
Es gebe mittlerweile nach Nagolder Modell andere Wachsende Kirchen, beantwortet Albrecht eine entsprechende Frage von Klaus Birk. "Aber das beste Team ist hier!"