Schömberg im 19. Jahrhundert: Kaum zu glauben, aber das Schömberger Rathaus (zweites Gebäude von links) stand bereits zu einer Zeit, in der noch Kutschen im Städtle unterwegs waren. Foto: Ingrid Butz

Das alte Gebäude ist abgerissen; die Details für den Neubau stehen noch nicht vollends fest. Ein Blick in die Geschichte verrät mehr über die Historie um Schömbergs Rathaus.

„‘s Türmle g‘hört aufs Rathaus wie der Leuchtturm in den Hafen“, postulierte Stadtrat Marc-Oliver Schwarz in der jüngsten Gemeinderatssitzung. Unter dem siebten Tagesordnungspunkt diskutierte das Schömberger Gremium darüber, ob der beim Abbruch gerettete Rathausturm für den Neubau saniert werden soll oder nicht.

 

„Ich fühle eine gewisse Bringschuld gegenüber der Bevölkerung“, plädierte auch Bürgermeister Karl-Josef Sprenger. „Es ist eine emotionale Geschichte, aber ich denke, hier können wir wirklich einige Bürger enttäuschen.“

Gefahrenmeldung zum Gebäudezustand

Im Jahr 2020 fertigte Zimmermeister Hans-Jürgen Klose von der Werkstatt für Baudenkmalpflege aus Rot eine Gefahrenmeldung angesichts des Gebäudezustands. Diesem zufolge seien die Holzbauteile des Rathauses durch Feuchte, holzzerstörende Pilze, aktive Nagekäfer sowie inaktive Hausbockkäfer stark beschädigt.

Zudem zeigten sich die Dach- sowie Glockenreiter als geschwächt. „Sie besitzen nicht mehr ihre ursprüngliche Tragfähigkeit“, heißt es in dem Gutachten.

Im August rollten die Bagger an und machten das Rathaus dem Erdboden gleich. Foto: Jennifer Dillmann

Demnach neigte sich der Südgiebel bereits über drei Dachgeschosse um circa 17 Zentimeter gegen Norden sowie der Dachreiter um circa 15 Zentimeter. In Absprache mit einem Statiker sowie der Denkmalbehörde wurde dringend dazu geraten, Notsicherungs- sowie Reparaturmaßnahmen vorzunehmen.

Die Gefahrenmeldung war mitunter der Startschuss dafür, dass die Stadt Schömberg sich mit der Zukunft ihres Rathauses auseinandersetzen musste. Der Gemeinderat entschied sich nach langem Hin und Her für einen Neubau.

Die Ergebnisse des Architektenwettbewerbs wurden im Mai 2024 ausgestellt, im darauffolgenden Juli entschied sich der Gemeinderat schließlich für einen der zwei erstplatzierten Entwürfe.

Eine grundlegende Sanierung erfolgte 1976

In einer Vorlage des Gemeinderats aus dem Jahr 1991 ist festgehalten, dass eine grundlegende Sanierung des Gebäudes 1976 vorgenommen wurde. Damals war dem Gremium bereits klar: „Das Rathaus stellt sicherlich keine längerfristige Lösung dar.“

Daher wurden die vorgesehenen Maßnahmen im Wesentlichen auf Schönheitsreparaturen beschränkt, wie etwa Beleuchtung und Mobiliar.

Ferner ist in der Vorlage festgehalten: „Es braucht nicht besonders erwähnt zu werden, dass das Rathaus in erster Linie ein Dienstleistungsobjekt für den Bürger darstellt. In zweiter Linie ist es jedoch ein Repräsentationsobjekt und hier steht die Stadt Schömberg im Gegensatz zum weiten Umkreis nicht mehr besonders günstig da.“

Verwaltung und Schule in einem Gebäude

Am 9. Dezember 1750 ereilte Schömberg ein schreckliches Schicksal: Innerhalb von sechs Stunden lag wegen eines wütenden Feuers die gesamte Stadt in Schutt und Asche. Lediglich vier Häuser und die Kirche blieben stehen, wie drei Wochen später im Stadtgerichtsprotokoll notiert wurde.

900 Einwohner waren von heute auf morgen obdachlos. Sie kamen in den Nachbarorten unter und in den wenigen Häusern, die unversehrt außerhalb der Ringmauer lagen. Sofort begann der Wiederaufbau. Ein Jahr später war man so weit, an die Stelle der „alten Schulhoffstatt“ ein neues Rats- und Schulhaus zu bauen.

„Besonders hilfreich war hier die Spende der Gemeinde Spaichingen, die über 60 ‚Stammen‘ Holz zur Verfügung stellte. Der Rest des benötigten Holzes sollte in Fronarbeit von den Bürgern ‚ohnentgeltlich‘ gefällt werden“, heißt es in der 2005 zusammengestellten „Geschichte der Stadt Schömberg“.

Einige Bürger halfen bei den Fuhrarbeiten mit, die anderen wurden beim Fällen und Auf- beziehungsweise Abladen gebraucht.

Seit 1825 in der Alten Hauptstraße 7

Das alte Schulhaus hatte im Erdgeschoss rechts eine Wohnung für den Schuldiener. Auf der linken Seite befand sich ein größerer und höherer Raum, der für den Turnunterricht genutzt wurde.

Im ersten und zweiten Stockwerk waren Schulsäle und Räume für die Stadtverwaltung untergebracht. Auch der „Stadtschultheiß“ lebte zeitweise in dem Gebäude. 1816 wurde wegen wachsender Schülerzahlen eine dritte Klasse nötig.

Auch wenn das Foto des Rathauses alt ist, ist darauf bereits das „Türmle“ abgebildet, das in der jüngsten Gemeinderatssitzung Thema war. Foto: Ingrid Butz

Aufgrund von Platzmangel musste man auf einen ausgegliederten Schulsaal im Kaplaneihaus St. Johannes ausweichen, etwa dort, wo 1838 der Turm für die neue Kirche errichtete wurde. Erstmals wird in den Dokumenten 1501 ein Rathaus erwähnt. Es ist zudem die Rede vom vorderen und vom hinteren Rathaus – beide brannten jedoch 1644 und 1750 ab.

„Gelegentlich waren die Ratszimmer auch behelfsmäßig in anderen Gebäuden untergebracht, die dann auch Rathaus genannt wurden“, ist der Bauakte der Alten Hauptstraße 7 zu entnehmen. Eine der früheren Versionen war mit einem Kaufhaus, das 1784 umgebaut wurde, verbunden. Seit 1825 ist das Rathaus an der heutigen Stelle.

Schömberger Rathaus wird breiter und größer

Zurück in der Gegenwart obliegt nun dem Gemeinderat die mühselige Aufgabe zu entscheiden, welches geschichtliche Artefakt es wert ist, gerettet und in die moderne Zeitrechnung des Neubaus überführt zu werden.

„Der Architekt hat sich sicher Gedanken gemacht. Das neue Rathaus ist breiter und größer“, gab Stadtrat Daniel Saffrin zu bedenken. „Nicht, dass das Türmle aussieht wie ein kleiner Schornstein.“

Ob vielleicht eine neue Konstruktion, die aussieht wie der alte Turm, günstiger wäre? Dieser Überlegung brachte der Schultes klar entgegen: „Kitsch, der dann anders aussieht, brauchen wir nicht.“

„Kitsch brauchen wir nicht“

Stadtrat Heiko Gerstenberger brachte seine Verwirrung zum Ausdruck: „Wir haben uns für einen Entwurf entschieden, da ist kein Turm drauf. Ich verstehe nicht, warum wir wieder darüber diskutieren.“ Woraufhin Sprenger in Erinnerung rief: „Wir haben ein gewisses Bekenntnis abgegeben, diese Dinge wiederzuverwenden.“

Rund 35 200 Euro müsste die Stadt Schömberg hinblättern, um den Rathausturm ansehnlich zu sanieren. Einen Entschluss fasste das Gremium noch nicht. Es soll zunächst eine Zeichnung vorliegen, die veranschaulicht, wie der historische Turm auf dem Neubau-Rathaus aussehen würde.