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Schömberg Wenn Retter aufs Übelste beschimpft werden

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Die Diskussionsrunde um Landesbranddirektor Volker Velten (rechts) Foto: Wallburg Foto: Schwarzwälder Bote

In gewohnt hochkarätiger Besetzung fanden bereits die 20. Schömberger Feuerwehrgespräche im Kurhaus Schömberg statt. Ein zentrales Thema des Abends: die Beschimpfung von Rettungskräften.

Schömberg. Sie kommen, wenn andere in Not sind und stehen rund um die Uhr bereit, um anderen zu helfen. Leider wird diese Hilfe nicht immer gebührend honoriert, sondern auch kritisiert und sogar zum Teil auf das Übelste beschimpft. Diese negativen Entwicklungen wie auch andere, für die Einsatzkräfte der ersten Stunde wichtigen und sensiblen Punkte, wurden bei den 20. Schömberger Feuerwehrgesprächen in einem Gesprächsforum vor einem voll besetzten Kursaal thematisiert.

An der Diskussionsrunde nahmen der Landesbranddirektor von Baden-Württemberg, Volker Velten, der innenpolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Stuttgarter Landtag, Thomas Blenke, Kreisbrandmeister Hans-Georg Heide, Schömbergs Bürgermeister, Matthias Leyn sowie Rainer Zollinger, Kommandant der Schömberger Freiwilligen Feuerwehr und Organisator des Abends, teil.

Leyn führte gleich zu Beginn der Diskussionsrunde als Negativbeispiel die Nordschwarzwald Trophy Biker und Läufer Tour im vergangenen August an, bei der die Feuerwehr Schömberg im Auftrag der Gemeinde und des Ordnungsamtes Straßen kurzzeitig sperrte, um den Besuchern deren sichere Überquerung zu ermöglichen. Die Folge waren Hupkonzerte, üble Beschimpfungen und rechtswidriges Durchfahren der abgesperrten Zonen und damit lebensgefährliche Situationen.

Wie geht man mit solchen Entwicklungen zukünftig um? Velten argumentierte in unterschiedlichen Richtungen. Einerseits nehme die Verrohung eindeutig zu. Tiefgreifende Umbrüche erfassen die Medienwelt. Das macht sich auch bei den verbalen Entgleisungen am Ort des Geschehens bemerkbar. Eine Entwicklung, welcher entschieden und in aller Härte entgegenzuwirken sei.

Andererseits müsse man sich schon fragen, so Velten, ob es die primäre Aufgabe der Feuerwehren sei, Veranstaltungen abzusichern und Straßensperrungen zu organisieren. Dafür gebe es auch private Sicherheitsdienste, welche die Feuerwehren personell entlasten könnten. Die Thematik der Verrohung werde dadurch natürlich nicht gemindert. Hier müssten die Verursacher künftig noch schärfer zur Verantwortung gezogen werden. Die entsprechenden Gesetze seien vorhanden und gezielt umzusetzen.

Ein weiteres Thema war die effektive Tagesverfügbarkeit gemessen an den Empfehlungen der gewünschten Leistungsfähigkeit einer Feuerwehr, speziell im ländlichen Raum. Volker Renz, Kommandant der Feuerwehr Haiterbach und stellvertretender Kreisbrandmeister, wies darauf hin, dass es Abteilungen gebe, welche tagsüber allein heute nicht mehr einsatzfähig seien. Zeitverzögerungen und tropfenweises Eintreffen an den diversen Einsatzstellen seien die Folge. Velten argumentierte, dass das Ehrenamt dringend von sinnlosem Verwaltungsaufwand weiter zu entlasten sei und Mut zu Veränderungen wichtig seien. Zuviel Fahrzeugpflege, Weihnachtsmärkte und Maibaum stellen gehörten kritisch hinterfragt. Aber das alleine reiche nicht. Die Prävention zur Unfall- und Brandvermeidung wie auch weitere Modelle der verbesserten Kooperation im Hause selbst wie auch zusammen mit den Nachbarkreisen seien weiter zu entwickeln. Die Vereinheitlichung der Ausbildungen, um multifunktional und grenzüberschreitend austauschbar und einsatzfähig zu werden, sind für ihn die richtigen Ansätze. Aber auch die Lockerung und Reduzierung der Auswüchse baulicher Brandschutzverordnungsvorschriften und die Verbesserung und Vereinheitlichung der verfügbaren Informationstechniken sparten Zeit und personellen Aufwand. Gelder sind mehr als bisher hierfür zu verwenden, nicht in immer noch modernere und schönere Fahrzeuge und Gebäude, so Velten.

Die Unfallversicherer werden zukünftig verstärkt, je nach Einsatz, Gefährdungsanalysen fordern. Joachim Theurer, Kommandant der Feuerwehr Altensteig und stellvertretender Verbandsvorsitzender, verwies darauf, dass diese im Ehrenamt bei größeren Einheiten nicht mehr darstellbar seien.

Hier sagten Velten wie auch Heide uneingeschränkte Unterstützung zu. Die Landratsämter als auch die Gemeindeämter müssten hier allerdings auch verstärkt ins Boot, obgleich, so Velten, das Feuerwehrwesen in Baden- Württemberg allgemein in hervorragendem Zustand sei und die Versicherer, speziell die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung, abgekürzt DGUV, auch bisher immer sehr wohlwollend bei Unfällen argumentiert und gehandelt hätten.

Kein Grund zur unnötigen Verunsicherung

Die Themen Feuerkrebs und Einsatzhygiene werden überall heiß und kontrovers diskutiert. Es mangelt hier an klaren Aussagen und landeseinheitlichen Vorgaben. Ein wenig Licht ins Dunkel brachte in einem kurzen Statement Branddirektor a.D. Roland Goertz, Sachverständiger und Professor für Chemische Sicherheit und Abwehrenden Brandschutz an der Bergischen Universität Wuppertal.

Aktuell laufen umfangreiche Studien in der gesamten Bundesrepublik Deutschland. Die Sensibilität und die Belastbarkeit der bisherigen Testreihen selbst und damit die einzelnen Erkenntnisse führen zu der vorläufigen Aussage, dass Vorsorge zwar wichtig, aber auch weiterhin maßvoll betrieben werden sollte und kein Grund zur unnötigen Verunsicherung gegeben sei. Studien aus den USA seien nicht direkt auf unsere Verhältnisse in Europa zu übertragen.

Daher sei es wichtig, zwar alle extremen Belastungen zu vermeiden, Hygiene wie seither auch zu sichern und stark kontaminierte Kleidung fachgerecht zu reinigen oder auch zu entsorgen. Grund zur starken Verunsicherung oder gar Panik sehe er nicht.

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Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

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