Warum sehe ich diesen Hinweis?

Sie sehen diesen Hinweis, weil Sie einen Adblocker eingeschaltet haben oder im privaten Modus surfen. Deaktivieren Sie diesen bitte für schwarzwaelder-bote.de, um unsere Artikel ohne diesen Hinweis lesen zu können.

Mehr zum Thema Adblocker / Privater Modus und wie Sie diesen deaktivieren, finden Sie, indem Sie auf deaktivieren klicken.

Deaktivieren

Schömberg Von einer Notlösung kann nicht die Rede sein

Von
Im Modehaus Bertsch waren der Geiger Gerd-Uwe Klein und Tobias Schabenberger am Klavier zu hören.Fotos (2): Krokauer Foto: Schwarzwälder Bote

"Es ist höchste Zeit, dass wieder Kultur stattfinden kann." Mit dieser Meinung steht Gerd-Uwe Klein, künstlerischer Leiter des Vereins "Musik auf der Höhe" in Schömberg nicht allein.

Schömberg. Rund 60 Gäste kamen zum Höhepunkt des Kulting-Rettungspakets, dem Beethoven-plus-Triokonzert, in die zur Eventlocation ausgebaute Dorfscheune in der Bieselsberger Ortsmitte. Die Äußerungen der Besucher nach dem hochkarätigen Konzert in ungewöhnlichem Rahmen zeigten, wie sehr den Menschen solche Erlebnisse gefehlt haben in den vergangenen Monaten.

Mit Hochdruck

Ohne das anhaltende Engagement Kleins und vor allem eines jungen Teams des Vereins wären dieser zauberhafte Abend und die weiteren Programmpunkte des Kulting-Rettungspakets nicht zustande gekommen, wie im Pressegespräch vor dem Konzert zu erfahren war. Als im März klar war, dass das sechste Kulting-Festival – eine mehrtägige Veranstaltung in der Glücksgemeinde, das Shopping mit Musik verbindet – nicht wie geplant stattfinden kann, wurde mit Hochdruck nach Alternativen gesucht. Ein "Kulting light" sollte die Lösung sein. Was sich jedoch auch zerschlagen hat, nachdem sich die Gemeinde komplett aus dem Projekt zurückgezogen hat. "Wer weiß, was dann nächstes Jahr ist, wenn wir die Reihe jetzt unterbrechen?" – der Gefahr, dass das erfolgreiche Projekt einschläft, waren sich die Macher des Vereins sehr bewusst und setzten deshalb mit ganz viel Herzblut alles daran, die Fahne des "Kulting" hoch zu halten. Theresa von Bibra, Johanna Dall’Asta und Valentin Stolz haben mit weiteren Jugendlichen für das Programm der drei Tage "unglaublich malocht", wie Klein deutlich macht, weil sie alle "endlich wieder Seele in die Welt bringen wollen." Und wünschen sich natürlich, dass im nächsten, dann hoffentlich Corona-freien Jahr, die Gemeinde wieder mit von der Partie ist.

"Wir sind sehr dankbar, dass wir nach dreieinhalb Monaten wieder vor Publikum musizieren dürfen", begrüßte Klein die Gäste, die mit dem geforderten Abstand in der Scheune und vor dem großen Tor derselben gespannt auf den Beginn des Konzerts warteten. Das rustikale Ambiente erinnere ihn an die Anfänge des Schleswig-Holstein-Festivals, "und das wurde berühmt, wir Schömberger tun heute auch was dafür, wer weiß, was daraus wird?"

Klein (Violine), Alexandre Foster (Violoncello) und Tobias Schabenberger (Hammerflügel) spielten auf Instrumenten historischer Bauart. Das Klaviertrio in d-Moll von Joseph Haydn eröffnete das Konzert. Beethovens 1. Satz der Frühlingssonate Nr. 5 in F-Dur für Violine und Hammerflügel passe nicht ganz ins Programm, so Klein, "aber wir haben heute auch so etwas wie Frühlingsgefühle".

Sieben Variationen über "Bei Männern, welche Liebe fühlen" aus Mozarts Oper "Die Zauberflöte" für Violoncello und Hammerflügel hat Beethoven geschrieben. Sie wurden mit "Bravo"-Rufen quittiert für die aus Basel angereisten Musiker, den gebürtigen Kanadier Alexandre Fostner und den in Bad Liebenzell aufgewachsenen Thomas Schabenberger. "Beethoven macht erst mal alles kaputt, er schreibt eine unglaubliche Einleitung in g-Moll für die weiteren Varianten in G-Dur", leitet Klein über zum Finale mit Variationen für Klaviertrio über den Gassenhauer "Ich bin der Schneider Kakadu", im Original aus einer Oper von Wenzel Müller. Auch dafür wie fürs gesamte Konzert und fürs Dranbleiben am Projekt "Kulting" erhielten die Künstler begeisterten Applaus.

"Wir sind als Tiger gestartet und als Bettvorleger gelandet." Christoph Seilacher, Vorsitzender des Vereins "Musik auf der Höhe", meinte dies beim Dank an die Musiker eher augenzwinkernd, denn die Qualität des Dorfscheunen-Konzerts wie der anderen Programmpunkte während der drei Tage hatte nichts von Notlösung. Sein Dank galt auch Catherina Haessler und Benjamin Sixt für die Überlassung der Dorfscheune. "Wer weiß, wie es mit der Kultur insgesamt weitergeht, vielleicht wird alles kleinteiliger", sagt Seilacher weiter, "dann sind wir als kleiner Verein im Vorteil". Was nicht heißen muss, dass man klein bleiben müsse, warb er für eine Mitgliedschaft.

Ein Konzert der Barockband mit dem Cellisten Alexandre Foster und Kontrabassist Georg Noeldeke unter der künstlerischen Leitung von Gerd-Uwe Klein bot am Freitag Wiener und Berliner Schmankerl und Tangos in einem Bieselsberger Privatgarten.

Das traditionelle Kulting-Erlebnis "Shoppen bei Livemusik" gab es, etwas reduziert, auch, nämlich am Samstag unter freiem Himmel die Unterhaltungsmusik auf dem Edeka-Parkplatz sowie im Modehaus Bertsch, wo Klein mit der Violine und Tobias Schabenberger am Klavier zu hören waren.

Fotostrecke
Artikel bewerten
0
loading

Ihre Redaktion vor Ort Calw

Ralf Klormann

Fax: 07051 1308-91

Flirts & Singles

 
 

Top 5

0

Kommentare

Artikel kommentieren

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.

Bitte beachten Sie: Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach sieben Tagen geschlossen.