Kreisarchivar Andreas Zekorn zeigt einige der alten Aufnahmen vom Bau des Staudamms in Schömberg. Foto: Visel Foto: Schwarzwälder-Bote

Jubiläum: Ausstellung in Schömberg angeregt / Im Kreisarchiv besitzt viele Schwarz-Weiß-Fotos vom Bau

Von Bernd Visel

Vor 75 Jahren ist mit dem Bau der Schlichemtalsperre begonnen worden. Anlässlich dieses Jubiläums hat Immo Opfermann eine Ausstellung in Schömberg angeregt. Das Kreisarchiv in Balingen ist im Besitz zahlreicher Fotos vom Bau des Staudamms aus den 1940er-Jahren.

Schömberg. Bürgermeister Karl-Josef Sprenger ist nicht abgeneigt, anlässlich des Jubiläums im Städtle eine Ausstellung über die Schlichemtalsperre zu zeigen. Diese, sagte Sprenger jüngst in einer Sitzung des Gemeinderats, könnte aber frühestens im Herbst stattfinden.

Schwarz-Weiß-Fotos im Kleinformat sowie einige im DIN A 5-Format sind im Besitz des Kreisarchivs, die für die Ausstellung aufgearbeitet werden könnten.

Kreisarchivar Andreas Zekorn weiß genau, wo die Mappe mit den zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotos vom Bau der Schlichemtalsperre im riesigen Archiv im Kellergeschoss des Landratsamts aufbewahrt ist. Zielsicher steuert er den Stahlschrank an: zwei Griffe, und schon hält er die alten Dokumente in Händen.

Die Aufnahmen stammen von Stadtoberbaurat Erwin Krauß aus Kornwestheim. Seine Tochter Margret Zimmerstädt hat die Fotos dem Landkreis überlassen.

In der Schrift "100 Jahre Schwäbischer Albverein Schömberg: 1893 – 1993" hat Berthold Schuß den Bau der Schlichemtalsperre dargestellt, der für Schömberg große Veränderungen mit sich gebracht hat. Bereits 1937 seien erste Überlegung zum Bau einer Talsperre für die Brauchwassernutzung angestellt worden. Das Portlandzementwerk in Dotternhausen hat 1940 den Antrag gestellt, aus der Schlichemtalsperre Wasser entnehmen zu können. Der Spatenstich fand im August 1941 statt. Drei Jahre lang wurde gebaut, 1944 war die Sperre mit einer Dammhöhe von 21 Metern fertig. Der Inhalt des Sees betrug 800 000 Kubikmeter Wasser, die Kosten lagen bei zwei Millionen Reichsmark. Zum Bau, so Schuß, seien viele Kriegsgefangene, vor allem Russen, eingesetzt worden.

Weil an der Schlichemtalsperre öffentliche Interesse bestand, hat Land diese 1948 dem Zementwerk für 300 000 D-Mark abgekauft.

In den Jahren 1978 bis 1982 standen große Reparaturarbeiten an. Die Kosten werden mit 18,4 Millionen D-Mark beziffert. Für den Damm, schreibt Schuß, seien 130 000 Kubikmeter Material verbaut worden. Der Normalstau betrage 266 Millionen Liter Wasser, der See könne bei Hochwasser weitere 844 Millionen Liter Wasser aufnehmen. "Bis das Wasser ins Überreich gelangt, sind eine Milliarde 160 Millionen Liter Wassser aufgestaut." Dann, so Schuß weiter, stünden 19,4 Hektar Land unter Wasser, beim Normalstau seien es 7,8 Hektar.

Die Schlichemtalsperre dient so verschiedenen Nutzungen. In einer Broschüre des Regierungspräsidiums Tübingen werden diese genau benannt. Für den Hochwasserschutz könnten 900 000 Kubikmeter Wasser aufgestaut werden. Dabei erhöhe sich der Wasserspiegel um 6,50 Meter. Das Zementwerk in Dotternhausen entnehme dem See pro Tag rund 1000 Kubikmeter Wasser. Die Turbinen im Betriebshaus der Sperre produzieren überdies etwa 180 000 Kilowattstunden umweltfreundlicher Strom aus Wasserkraft gewonnen. Und natürlich dient die Schlichemtalsperre auch der Naherholung. Teile der Seefläche, insbesondere der Vorsee, heißt es in der Broschüre, hätten sich zu einem wertvollen Biotop für Amphibien und Wasservögel entwickelt. Zuweilen werden dort auch Biber gesichtet.

Neben der Schlichemtalsperre gehört dem Land Baden-Württemberg noch die Nagoldtalsperre bei Erzgrube.

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