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Schömberg Kosten für Schul-Erweiterung explodieren

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Die Ludwig-Uhland-Schule soll saniert werden. Foto: sb/Archiv

Schömberg - "Dem Ingenieur ist nichts zu schwer"? Der Schömberger Gemeinderat kam zu einem anderen Schluss. Das Gremium stellte dem für die Erweiterung der Uhland-Schule zuständigen Architekturbüro ein verheerendes Zeugnis aus. Denn dieses lag bei seinem Kostenvoranschlag kräftig daneben, wie sich nun herausstellte.

Die Ludwig-Uhland-Schule soll saniert werden sowie einen Neubau mit drei Klassenzimmern bekommen. Das ist beschlossene Sache. Der Gemeinderat beschäftigte sich nun mit der Kostenentwicklung des Projekts, denn die Vergabe der Bauarbeiten stand an. Knapp 102 .000 Euro Mehrkosten standen zur Debatte. Das Gremium hatte deshalb einige Fragen an das beauftragte Architekturbüro "Dorner + Partner" aus Altensteig.

459.500 Euro teuer sollte die Erweiterung laut Kostenberechnung eigentlich werden. Der Kostenanschlag kommt nun auf etwa 561 100 Euro, wie Rainer Benz von "Dorner + Partner" dem Gemeinderat erklärte. Diese Preissteigerung habe viele Gründe, wie etwa die Marktlage oder kurzfristig aufgetretene Änderungen in der Planung. Er ging im Detail auf viele der 14 Posten ein.

Die prozentual größte Preissteigerung gibt es beim Baugerüst. Statt der geplanten 8900 Euro fallen nun gut 36.000 Euro an. Dies liege daran, dass bei dem Gerüst nun eine Feuertreppe mit aufgebaut werden müsse, erklärte Benz. So bleibe der zweite Rettungsweg auch während der Bauarbeiten gewährleistet. Diese Notwendigkeit habe sich erst aus den weiteren Planungen ergeben.

Der Außenputz wird rund 45 Prozent teurer und kostet jetzt knapp 62.000 Euro. Dies liege vor allem an höheren Materialkosten so Benz. Gleiches gelte für die Metallbauarbeiten. Hier gibt es eine Teuerung um 37 Prozent auf gut 17.200 Euro. Bei den 35 Prozent mehr für die jetzt knapp 32.000 Euro teure Flachdachabdichtung spielten zudem Lohnerhöhungen mit rein, erläuterte der Diplomingenieur.

Nach Übersicht besteht bei den Räten Redebedarf

Ebenfalls 35 Prozent mehr kosten die Anstricharbeiten, also jetzt knapp 15.900 Euro. Hier habe man sich schlicht verrechnet, gestand Benz. Der Innenputz wird um den gleichen Faktor teurer und kostet knapp 22 400 Euro. Benz begründete dies mit Anpassungsarbeiten am Bestand. Die Fluchttreppenanlage hätte eigentlich mit 12 000 Euro mehr zu Buche geschlagen, so Benz. Allerdings werde eine geplante Überdachung nun doch nicht realisiert. Dadurch bewege man sich im Rahmen der Berechnung von knapp 50 000 Euro.

Die Klempnerarbeiten werden wegen Arbeiten am Bestand 24 Prozent teurer und kosten gut 12.400 Euro. Die Trockenbauarbeiten schlagen mit einer Steigerung von 18 Prozent auf knapp 30 800 Euro zu Buche. Dies sei den Akustikdecken geschuldet, so Benz. Bei den Rohbauarbeiten entstehen Mehrkosten von etwa 13 Prozent. Gut 200 000 Euro werden diese Arbeiten jetzt kosten. Benz begründete dies mit neuen statischen Berechnungen. Die Sonnenschutzanlage kostet mit knapp 9400 Euro etwa vier Prozent mehr als geplant.

Bei den Fliesen- (Kosten: 1500 Euro) und Tischlerarbeiten (4500 Euro) gibt es keine Kostenverändeung. Die Estricharbeiten werden sogar etwa 15 Prozent billiger (knapp 12.000 Euro). Bei den Kunstofffenstern wird es etwa 30 Prozent günstiger (knapp 29.000 Euro). Gleich verhält es sich mit den Bodenbelagsarbeiten. Hier ist das ausgwählte Angebot 16 Prozent billiger (gut 14.700 Euro).

Man habe die Kostenberechnung 2018 angestellt, erklärte Benz, und mit einer Kostensteigerung von acht Prozent kalkuliert. Der jetzt entstandene Mehrbetrag sei auf höhere Material- und Lohnkosten sowie auf Planungsänderungen zurückzuführen.

Nach dieser Kostenübersicht bestand bei den Gemeinderäten einiges an Redebedarf. Insgesamt liege man 20 Prozent über der Berechnung, analysierte Andreas Ehnis (CDU). Er frage sich, wie so etwas bei einem renommierten Architekturbüro wie "Dorner + Partner" passieren könne. Besonders an dem Sachverhalt mit der Feuertreppe beim Gerüst störte er sich. "Es ist ihr verdammter Job, an so etwas zu denken", richtete er sich an Benz. Die Leistung sei ein "Armutszeugnis".

Auch zum Thema Rohbau hatte er einige Anmerkungen. Es handele sich dabei um einen einfachen Kubus. Es gebe nichts, was einfacher zu planen sei. Die Mehrkosten seien für ihn daher unverständlich. Zu solchen "grundlegenden handwerklichen Fehlern" falle ihm nichts mehr ein. "Wir erleben ein Fiasko", fasste er es zusammen.

Michael Nothacker (CDU) wollte wissen, ob man für die Mehrkosten noch einen Zuschuss beantragen könne. Dies verneinte Bürgermeister Matthias Leyn. Das Fördergeld wurde auf Basis der ursprünglichen Berechnung beantragt und genehmigt. "Wir bleiben auf diesen Kosten also sitzen", stellte Nothacker fest. Er sprach von einem erheblichen finanziellen Schaden.

Die Fraktion der Unabhängige Wählervereinigung habe sich fürchterlich über die ­Zahlen geärgert, berichtete Gerold Kraft (UWV). Besonders das Thema des Baugerüsts mit Feuertreppe habe sie beschäftigt. Man müsse ja schon froh sein, dass überhaupt an den Brandschutz gedacht wurde, scherzte er mit Bezug auf die Vorkommnisse bei der Sanierung des Kurhauses.

Das Büro habe einfach schludrig gearbeitet, unterstellte Kraft. Man habe auch schon 2018 wissen können, dass die Treppe beim Gerüst benötigt werde. Dann hätte man einen höheren Zuschuss beantragen können. Dieses Geld sei jetzt weg. Susanne Ring (MUZ) stimmte ihre Vorrednern zu. Diese hohe Kostensteigerung sei für sie und ihre Fraktion unverständlich.

Auch Joachim Zillinger (CDU) war wegen der neuen Zahlen sehr aufgebracht. "Wie soll ich das den Bürgern erklären?" fragte er in Richtung Benz. Bei einer besseren Planung hätte man höhere Zuschüsse bekommen. Dieses Geld müsse jetzt die Gemeinde zahlen und es fehle dann an anderer Stelle.

Eine Kostensteigerung bei Bauvorhaben sei normal, aber nicht in diesem Rahmen, so Zillinger weiter. Denn viele dieser Steigerungen, wie bei Löhnen, seien planbar. Zudem warf er Benz vor, dass dieser oftmals nicht einmal die genauen Gründe für die Teuerung kenne, oder diese zumindest nicht erklärt habe. Außerdem wollte er wissen, ob sich mit der Kostensteigerung auch das Honorar des Büros erhöhe.

Zillinger fand es zudem verdächtig, dass viele Bauleistungen an Betriebe ins obere Nagoldtal, den Standort des Architekturbüros, vergeben wurden. Er bezweifelte, ob da alles mit rechten Dingen zugegangen sei. Vielleicht hätten diese Betriebe von "Insiderwissen" profitiert, mutmaßte Zillinger. Die Planung sei allgemein nicht gut. "Ich bin entsetzt, dass so etwas möglich ist", meinte Zillinger. So ein "katastrophales" Vorgehen habe er noch nicht gesehen.

Das Honorar beruhe auf der Kostenberechnung, stellte Benz klar. Das Architekturbüro profitiere also nicht von der Kostensteigerung. Außerdem verwahrte er sich auf das Allerschärfste gegen den Vorwurf der Bevorzugung von Baubetrieben durch Insiderwissen. Dieser Vorwurf sei "grundlegend falsch".

Selbst erschrocken über das Ergebnis der Ausschreibung

Zillinger betonte, dies sei nur eine Feststellung auf Grundlage der Ergebnisse der Vergabeverfahren. Er frage sich einfach, ob die Benachteiligung von Schömberger ­Handwerksbetrieben bei dem Bauvorhaben System habe. Er befürworte einen freien ­Wettbewerb, aber hier sehe es so aus als ob "der Kapitalismus sich selber ans Messer liefert".

Die Gemeinderäte stimmten schließlich für die Übernahme der Mehrkosten, bei einer Enthaltung. Auch für die Vergabe aller Baumaßnahmen stimmte das Gremium einstimmig, wobei sich Ehnis bei der Vergabe der Rohbauarbeiten wegen Befangenheit nicht an der Abstimmung beteiligte.

Bei der Vergabe der Gerüstarbeiten, dem Punkt mit der höchsten Kostensteigerung, brachte Michael Wernecke (UWV) eine Antrag auf Neuausschreibung ein. Benz merkte an, dass dies eine Verzögerung der Maßnahme von zwei Monaten bedeute. Für diesen Antrag entschied sich der Gemeinderat mit elf Stimmen, bei drei Gegenstimmen und zwei Enthaltungen.

In einem Gespräch mit dem Schwarzwälder Boten bezog das Architekturbüro "Dorner + Partner" Altensteig Stellung zu den Vorwürfen des Gemeinderats. Mehrkosten seien bei solchen Vergaben immer ein Thema, meinte die für die kaufmännische Abwicklung der Ausschreibungen und Vergaben verantwortliche Marion Resky. Man habe 2018 mit ortsüblichen Einheitspreisen gerechnet. Über das Ergebnis nach der Ausschreibung sei man selbst "sehr erschrocken" gewesen. Es habe eine dreitägige Prüfung der Zahlen und Ursachen stattgefunden.

Allerdings sei bei bestimmten Teilen eine massive Preissteigerung passiert. Auch die Lohnkosten seien mehr als erwartet gestiegen. "Wir sind aber nicht für diese Preissteigerungen verantwortlich", stellte Resky klar. Diesen Vorwurf könne man dem Büro einfach nicht machen. Sie selbst sei in dem Bereich seit 35 Jahren tätig. Bei der Planung stütze man sich auf Erfahrungswerte und aktuellen Werte aus vergleichbaren Bauvorhaben. Diese Kostenerhöhung sei nicht abzusehen gewesen.

Den Vorwurf der Bevorteilung von Bauunternehmen aus der Region um Altensteig und Nagold wies sie entschieden zurück. Es habe ein ordentliches Ausschreibungsverfahren stattgefunden. Würden diese Anschuldigen nochmals wiederholt, behalte sich das Architekturbüro rechtliche Schritte vor, so Resky.

Egal wer nun die Schuld an der Kostensteigerung trägt – eines ist sicher: Die Gemeinde Schömberg muss nun die rund 20 Prozent höheren Mehrkosten der Baumaßnahmen an der Ludwig-Uhland-Schule tragen.

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