Zahlreiche Gläubige sind am Pfingstmontag zur Maiandacht auf den Schömberger Palmbühl gekommen. Foto: Schwarzwälder Bote

Religion: Der emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler predigt bei der Maiandacht auf dem Palmbühl

Der Besuch der Rottenburger Weihbischöfe zählte schon immer zu den Höhepunkte der Wallfahrtssaison auf dem Schömberger Palmbühl. Der emeritierte Weihbischof Johannes Kreidler war am Pfingstmontag zu Gast bei der Maiandacht.

Schömberg. Zur ersten Maiandacht mit dem ehemaligen Weihbischof Kreidler waren viele Gläubige gekommen. Bei kühlem Frühlingswetter ließen sie sich auf dem Vorplatz der Wallfahrtskirche nieder, um gemeinsam die Andacht unter Einhaltung der Hygienevorschriften mit Kreidler, Palmbühlpfarrer Josef Schäfer und Diakon Oliver Pfaff zu feiern.

Schäfer freute sich über den großen Andrang: Alle aufgestellten Bänke waren belegt. "Der Palmbühl ist halt schon etwas Besonderers, und der Besuch des Weihbischof verdeutlicht die Bedeutung des Wallfahrtsorts innerhalb der Diözese Rottenburg-Stuttgart", sagte Schäfer.

Der Kirchenchor Deilingen unter der Leitung von Johannes Nikol umrahmte die Maiandacht. Aufgestellt hatten sich die Sänger im Chorraum der Palmbühlkirche.

Pfarrer Schäfer begann die Andacht mit den Worten "Maria sei Fürsprecherin in allen Lebenswerken und Nöten". Weihbischof Kreidler verdeutlichte in seiner Predigt, "dass wir alle auf den Palmbühl gekommen sind, um unser Leben für die Mutter Gottes hinzutragen und sie zu ehren". Die Coronakrise habe alle wie ein plötzlich losbrechender Sturm überrascht und weltweit das private, familiäre, berufliche und öffentliche Leben verändert.

Die dramatische Situation habe "die Verwundbarkeit und die Hinfälligkeit von uns Menschen deutlich vor Augen geführt". Viele Projekte und Pläne seien in Frage gestellt worden. "Ja, es ist eine Zeit der Prüfung, aber auch der Entscheidung unser Leben neu auf Gott als Halt und Ziel auszurichten."

Die Pandemie zeige, dass die Menschen gerade in Notsituationen auf die Solidarität anderer angewiesen seien. "Unser Glaube sagt uns, dass wir uns als Christen von der Pandemie nicht lähmen lassen dürfen. Unser Glaube schenkt uns Hoffnung, Zuversicht und Mut, und bestärkt uns in der Solidarität in einem guten Miteinander."

Kreidler war sich sicher, dass Corona medizinisch überwunden werde, aber die Menschen noch lange geistig, kulturell und sozial beschäftigen werde. Es sei nicht die Aufgabe der Kirche und des Glaubens, Vorschläge zu machen für eine Strategie zur Überwindung der Krise, "aber Grundorientierungen dürfen wir von unserem Glauben erwarten" – auch wenn es die katholische Kirche mit dem schuldhaften Verhalten vieler sehr schwer habe.

Auch die Gottesmutter wisse um das, worunter Menschen leiden können. Sie sei den Leidensweg ihres Sohnes bewusst mitgegangen, sei am Kreuz dageblieben und habe ihre Ohnmacht ausgehalten. "Die Gottesmutter lädt uns ein, diese Haltung des Stehens zu leben. Lege Deine Hoffnung auf Gott, sie wird sich auswirken", sagte der Weihbischof. Christliches Standhalten habe nichts mit Querdenken zu tun sagte er.

Auf dem Palmbühl stehen während der Pilgersaison noch mehrere Höhepunkte auf dem Programm. So finden, sofern es Corona zulässt, die Kinder- und Familienmesse, die Fahrzeug- und die Tiersegnung statt.

Pfarrer Schäfer geht aber davon aus, dass das traditionelle Palmbühlfest wohl ausfallen wird. Er dankte Weihbischof Kreidler für dessen Verbundenheit zum Palmbühl. Mit dem Abschlusslied "Maria Maienkönigin" wurde der Gottesdienst feierlich beendet.

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