Die Ergebnisse über die Bürgermeisterwahl wurden mit Spannung erwartet. Foto: Fritsch

Bettina Mettler und Matthias Leyn wollen bei ihrem Kampf um das Bürgermeisteramt Nichtwähler mobilisieren.

Schömberg - Nach der spannenden Bürgermeisterwahl in Schömberg am Sonntag gaben sich die beiden Hauptkontrahenten, Amtsinhaberin Bettina Mettler sowie ihr Herausforderer Matthias Leyn, sehr nachdenklich.

Beide hatten sich am Sonntag ein Kopf-an-Kopf-Rennen geliefert. Mettler kam auf 48,49 und ihr Herausforderer auf 48,25 Prozent der Stimmen. Sie lagen gerade einmal acht Voten auseinander. Da die anderen Kandidaten so gut wie keine Rolle spielten, fehlte beiden nicht viel zur notwendigen absoluten Mehrheit. Bei Mettler waren es 82 Stimmen, bei Leyn 90. Jetzt müssen beide am 1. März erneut gegeneinander antreten. Dann genügt die einfache Mehrheit.

Enttäuscht zeigten sich beide Kandidaten über die geringe Wahlbeteiligung von 54 Prozent. Auch der Wahlausschussvorsitzende Joachim Zillinger hätte sich mehr Anklang gewünscht, zumal zeitgleich der Bürgerentscheid zur Windkraft stattfand.

Auch mit dem Wahlergebnis war Mettler nicht zufrieden. Sie dachte, dass es reichen könnte. Sie verteidigte ihren Vorwurf, in einem kurz vor der Wahl verteilten offenen Brief an ihren Herausforderer, eine Marionette zu sein. Leyn habe als Bauamtsleiter eine sehr gute Arbeit geleistet. Zwischen seinen Tätigkeiten als Bauamtsleiter sowie seinen Worten als Bürgermeisterkandidat gebe es aber einen Widerspruch, so Mettler. Wie sie ihren Wahlkampf in den nächsten drei Wochen bis zum zweiten Wahlgang am 1. März gestalten will, weiß die Amtsinhaberin bislang nicht. Da müsse sie noch nachdenken.

Ratssitzung könnte verschoben werden

Da der Herausforderer aber Bauamtsleiter der Gemeinde ist, spielt Mettler mit dem Gedanken, die ursprünglich für den 24. Februar vorgesehene Gemeinderatssitzung auf den Wahltermin nach dem 1. März zu verlegen. Zu Mettlers Vorwurf, eine Marionette zu sein, wollte sich Leyn nicht äußern. Er setze weiter auf Sachlichkeit und Kompetenz: "Das ist meine Art." Hinsichtlich des Wahlergebnisses zeigte sich Leyn vor allem über das Ergebnis in Schwarzenberg enttäuscht. In den nächsten Wochen will er versuchen, bisherige Nichtwähler zu mobilisieren. Er gab zu bedenken, dass 52 Prozent der Wähler am Sonntag den Wechsel gewollt hätten. Gefreut hätten ihn die aufmunternden E-Mails und Telefonanrufe nach der Wahl. Übrigens: Amtsinhaberin und Herausforderer traten gestern ganz normal ihren Dienst im Schömberger Rathaus an.

Der stellvertretende CDU-Fraktionsvorsitzende Udo Bertsch gab zu, dass die Wahl nicht so ausgegangen ist, wie sich seine Fraktion das erhofft hätte: "Leyn ist der bessere Kandidat." Hinsichtlich des Vorwurfs von Mettler an Leyn, eine Marionette zu sein, hat Bertsch eine eindeutige Meinung: "Ich finde es primitiv, wenn der eigene Mitarbeiter als Marionette bezeichnet wird." Im Übrigen sieht er keine Schmutzkampagne gegen Mettler, auch wenn sie das behaupte. Enttäuscht zeigte sich Bertsch über das positive Votum zur Windkraft. Diese Anlagen seien wirtschaftlich und ökologisch ein Unfug. Zudem schadeten sie dem Tourismus.

UWV-Fraktionschef Gerold Kraft hatte nicht damit gerechnet, dass es im ersten Wahlgang eine Entscheidung gibt. Enttäuscht zeigte er sich über die Wahlbeteiligung. Mettlers Vorwurf, Leyn, sei eine Marionette, missbilligte Kraft: "Ich bin äußerst unglücklich darüber, dass Frau Mettler diese Art der Auseinandersetzung gewählt hat."

SPD-Fraktionschefin Susanne Ring hatte erwartet, dass die Wahl knapp ausgeht. Sie zeigte sich zufrieden mit dem Ausgang des Bürgerentscheids zur Windkraft. Außerdem stellte sie klar, dass die SPD-Fraktion hinter der Sachpolitik und der bisherigen Arbeit von Amtsinhaberin Mettler stehe. Sie forderte aber auch dazu auf, im Wahlkampf bei den Sachargumenten zu bleiben und den politischen Gegner nicht herabzusetzen.

In diesem Zusammenhang bedauerte sie das manchmal überschießende Temperament der Bürgermeisterin: "Ich finde es nicht gut, dass der Herausforderer persönlich angegangen wird." Zufrieden zeigte sich die Bürgerinitiative "Schömberger Bürgerinnen und Bürger für einen Windpark Langenbrander Höhe" mit dem Ausgang des Bürgerentscheids. Sprecherin Christina Keppler freute sich über den Erfolg. Enttäuscht war Wolfgang Arnold von der Bürgerinitiative Langenbrand, die gegen mögliche Windkraftanlagen ist. Aufgeben will er aber nicht. Schließlich müssten in einem Verfahren für solche Anlagen noch Gutachten erstellt werden.