Manfred Brugger hat als Schultes in Schömberg viel bewegt. Foto: privat Foto: Schwarzwälder Bote

Kommunales: Manfred Brugger feierte seinen 90. Geburtstag / Strukturwandel bewerkstelligt

Schömberg/Ölbronn-Dürrn. Nach wie vor interessiert sich Manfred Brugger für Schömbergs Entwicklung. In der Zeit nach der Gemeindereform leitete er von 1975 bis 1991 selbst die Geschicke Schömbergs und brachte die Kommune kräftig vorwärts. Jetzt feierte der ehemalige Schultes in seinem Heimatort Dürrn – wohin er im Ruhestand wieder zog – rüstig und geistig rege seinen 90. Geburtstag. Bruggers Ehrentag fiel coronabedingt ruhig aus.

In Dürrn startete Brugger in die Kommunalpolitik. Dort wurde er 1971 in den Gemeinderat gewählt. Ab 1974 wirkte er als Amtsverweser auf dem Bürgermeisterposten von Ölbronn-Dürrn. Im März 1975 machte er in Schömberg die Sensation perfekt, als er, der 43-jährige Justizinspektor, den 25 Jahre lang vor der Reform hier wirkenden Bürgermeister Walter Brenner im ersten Wahlgang in der neu gebildeten Kommune mit 63,4 Prozent der Stimmen aus dem Rennen warf.

Wellenbad eingeweiht

Gewissermaßen geerbt hatte Brugger den Bau des Wellenbads, das er am 3. Dezember 1976 einweihte. Noch vor seiner Zeit, im Juni 1974, hatte der Gemeinderat den Bauauftrag für 9,35 Millionen Mark vergeben. Anfang 2013 wurde es nach der schon 2006 vorgenommenen Schließung abgerissen. Für die Gemeinde waren die Erneuerungskosten und was sie in den Betrieb hätte stecken müssen, zu hoch. Aufgrund der – auf den Start bezogen – halbierten Besucherzahl von 95 000 Gästen jährlich konnten die Betriebskosten kaum zur Hälfte gedeckt werden. "Ich glaube immer noch, dass der Abbruch ein Fehler war", meinte allerdings Brugger schon an seinem 85. Geburtstag.

Beliebt war Brugger in Schömberg allemal. Dies zeigte seine Wiederwahl 1983, wo er als Alleinkandidat 50 Prozent Wahlbeteiligung erreichte und 83 Prozent der Stimmen erhielt.

Auch als Kreisrat engagierte sich Brugger besonders in den Aufgabenfeldern Tourismus und Soziales. Als parteiungebundenes Mitglied gehörte er der Calwer CDU-Kreistagsfraktion an. Brugger gehörte auch der Regionalverbandsversammlung an. Jahrelang wirkte er als DRK-Kreisvorsitzender. Ab 1989 saß er bei der Kreisbaugenossenschaft Calw im Aufsichtsrat, wurde 1998 dessen Vorsitzender und übergab das Amt erst 2013 an den Nagolder Oberbürgermeister Jürgen Großmann.

Schon bei seiner ersten Wahl zum Bürgermeister hatte Brugger angekündigt, dass er mit der Bevölkerung ein Gemeindeentwicklungskonzept erstellen und das Vereinsleben und die Feuerwehr fördern wolle. Bürgermeister-Stellvertreter Herbert Eggensperger unterstrich vor 30 Jahren, dass dies gelungen sei. Brugger habe in den 16 Jahren seines Wirkens den Umschwung vom Lungenkurort zum Heilklimatischen Kurort gestaltet und zusätzlich den Weg in "die noble Gesellschaft der Kneippkurorte" geschafft. Selber war Brugger in dieser Zeit Vorsitzender des Kneippvereins. Kurz vor Eintritt in den Ruhestand feierte Brugger nicht nur seinen 60. Geburtstag. Anfang April 1991 übergab er das Alt und Neu verbindende "gläserne Rathaus", das eine Investition von 11,4 Millionen Mark erforderte, in einer Feierstunde seiner Bestimmung.