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Schömberg Chance und Verpflichtung zugleich

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Die Musiker Gerd-Uwe Klein (links), Martina Bartsch (Dritte von links), Michael Hanko und Rahel Klein (rechts) eröffneten die Musiksaison 2020. Theresa von Bibra und Marina Moser stellen derweil eine Neuerung beim Kulting-Festival vor. Foto: Wallburg Foto: Schwarzwälder Bote

Mit der Sonderreihe "Beethoven plus" sowie einer Streichquartett-Mixtur dreier Komponisten gleichen Zeitalters eröffnete das "Quartett(o) all’altezza" im Kurhaus Schömberg in einer einzigartigen Interpretation die Musiksaison 2020.

Schömberg. Dass der Verein "Musik auf der Höhe" seinem Namen alle Ehre macht, beweist er eindrucksvoll und mit großem Zuspruch seit annähernd zehn Jahren. Der 250. Geburtstag Ludwig van Beethovens als globales Ereignis ist dabei eine große Chance und gleichzeitig auch Verpflichtung, dies mit der Sonderreihe "Beethoven plus" in Sonaten- oder Trioform, als große Kammermusik bis hin zu Solokonzerten, mit Studenten und mit Profis im Quartett-Ensemble über die Grenzen Schömbergs hinweg gebührend zu feiern.

Das Programm 2020 ist dabei sehr vielfältig. Vergangenen Samstag eröffnete das "Quartett(o) all’altezza", wie sie sich nennen, die Saison im Kurhaus Schömberg mit drei Streichquartetten von Franz Schubert, Franz Danzi und Ludwig van Beethoven. Die Einführung mit speziell herausgesuchten Klangbeispielen machte der Meister an der Violine selbst, Gerd-Uwe Klein. Schon als 18-jähriger war er Konzertmeister bei René Clemencic in Wien. Ein Studium in Karlsruhe auf der modernen Geige mit Schwerpunkt Kammermusik folgte. Wesentliche Anregungen, wie er im Gespräch betont, erhielt er durch Jörg-Wolfgang Jahn und dem Quartettstudium beim Melos-Quartett. Weitere Stationen im Euler-Quartett und als Konzertmeister im Kammerorchester Basel runden seine Entwicklung ab. Seit 2000 wirkt er im Freiburger Barockorchester mit. Heute leitet er Streicherklassen an der Ludwig-Uhland-Schule in Schömberg und unterrichtet an der Musikschule Calw. Im Verein "Musik auf der Höhe", 2010 gegründet, übernimmt Klein seither die künstlerische Leitung. 2015 gründete er darüber hinaus das Landesjugendbarockorchester ­Baden-Württemberg. Mit Martina Bartsch (Violine) und Michael Hanko (Viola) verbinden ihn im "Quartett(o)" bereits Jahrzehnte ge­meinsamen Musizierens, während Rahel Klein (Violoncella) als jüngstes Mitglied mit ihren 28 Jahren das Quartett noch nicht so lange komplettiert.

In fünf Tagen entstanden

Auch Bartsch hat vielfältige Studien an der Violine bei Jahn in Karlsruhe durchlaufen und ihre Ausbildung in Mailand, Utrecht und in Trossingen vervollständigt, spielt in vielen Orchestern und mit großer Leidenschaft im "Trio Z". 1989 gründete sie mit anderen Kollegen die "Kammerphilharmonie Karlsruhe", in der sie heute als Konzertmeisterin tätig ist.

Hanko, sehr vielseitig unterwegs, studierte unter anderem bei T. Varga, L. David und ebenfalls Jahn und spielt aktuell als Solobratscher in nationalen und internationalen Orchestern wie auch dem Bach-Collegium Stuttgart, dem Orchester der Ludwigsburger Festspiele und seit 1999 in der Capella Andrea Barca (Andras Schiff). Er ist Mitwirkender in verschiedenen Kammermusikensembles, Dozent in Meisterkursen und unterrichtet seit 1990 auch noch am Badischen Konservatorium Karlsruhe.

Rahel Klein stammt aus einer Musikerfamilie aus Calw und ließ sich seit dem sechsten Lebensjahr bereits vom Violoncello begeistern. 2016 absolvierte sie ihr Barockcello-Studium bei Werner Matzke an der Staatlichen Hochschule für Musik in Trossingen.

Ein ganz besonderes Musikerlebnis, den Vieren heute zuzuhören. Mit dem Streichquartett in C-Dur, D46 von Franz Schubert beginnt der Konzertabend. Die meist für das Familienquartett in den Jahren 1812 bis 1816 geschriebenen mindestens elf Quartette Schuberts waren für Gerd-Uwe Klein Grund, sich in ­größerem Umfang mit der Sonatenform, der Satztechnik und den instrumentalen Anforderungen auseinanderzusetzen. Das C-Dur-Quartett soll angeblich im März 1813 in fünf Tagen entstanden sein. Die Einleitung, so Klein, die wohl diejenige von Mozarts "Dissonanzenquartett" zum Vorbild hat, wandert unglaublich, in langsamem Tempo ­gespielt, durch alle Stimmen und Tonlagen. Das kräftige Menuett in B-Dur könnte von Beethovens erster Sinfonie beeinflusst sein. Problemlos und gerade dadurch mitreißend ist das tanzhafte Finale.

Mit dem Streichquartett in F-Dur, op.7 Nr.3 folgt eine Komposition von Franz Danzi, einem deutschen Komponisten aus Mannheim der gleichen Ära. Ein Beispiel dafür, dass offenkundig neben den Genies wie Beethoven auch andere respektable Männer sehr respektable Musik komponieren konnten. Das 1802 entstandene Streichquartett op. 7/1 des späteren Stuttgarter Hofkapellmeisters Danzi hat seine ganz eigenen Qualitäten, vor allem auch in der lebendigen Interpretation des "all’altezza"-Streichquartetts.

Mit van Beethovens Streichquartett in A-Dur, op. 18 Nr. 5 endet nicht nur der ganz besondere Abend, sondern auch die Streichquartettkompositionen des 18. Jahrhunderts. Sie beziehen sich noch auf die Haydns und Mozarts. Und doch spürt man, dass hier ein Komponist, der sich erstmals der Gattung zuwendet, neue Wege sucht. Für sein A-Dur-Quartett hat sich Beethoven dasjenige aus Mozarts "Haydn-Quartetten" (KV 464), das er besonders schätzte, zum Vorbild genommen. Man darf dieses Quartett als Hommage an Mozart verstehen.

Der Verein "Musik auf der Höhe" fördert das kammermusikalische und musikpädagogische Umfeld rund um Schömberg. Seit 2014 ist das Kulting-Festival (Kulting bedeutet dabei Kultur & Shopping) ein Höhepunkt des musikalischen Jahresprogramms des Vereins. Ein Streicherklassenmarsch durch Schömberg, ein kulinarischer Barockabend mit historischem Tanz und ein Beethoven-Orchester-Abschlusskonzert sind nur einige Beispiele des diesjährigen Programms. Das nunmehr sechste Kulting-Festival findet vom 3. bis 5. Juli statt. Diesmal öffnet es sich auch für alle, die einen künstlerischen Beitrag leisten möchten.

Wie Theresa von Bibra, stellvertretende Vorsitzende des Vereins und Marina Moser, Leiterin Touristik & Kur in Schömberg, besonders hervorheben, wollen sie dieses Mal zusätzlich in einer "Kulting-Corner" analoges "You-Tube-ing" organisieren. Jeder darf eine kurze Darbietung, ein kleines Musikstück spielen, singen oder etwas rezitieren, eine Pantomime oder ein Kunststück vorführen, oder im Rahmen einer "One-Piece-Collection" ein Kunstwerk präsentieren.

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