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Schömberg Atemlose Ergriffenheit der Gäste

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Im Kurhaus von Schömberg waren die Rosenkranzsonaten des Geigenvirtuosen Heinrich Ignaz Franz von Biber zu hören. Er war ein Künstler der Barockzeit. Foto: Tröger Foto: Schwarzwälder Bote

Schömberg. "Es war ein Experiment", sagt Gerd-Uwe Klein. und dieses Experiment ist großartig gelungen. Im Kursaal in Schömberg brachte der künstlerische Leiter des Vereins "Musik auf der Höhe" und vielfältig engagierte Barock-Violinist mit seinem Ensemble alle 15 "Rosenkranzsonaten" des Komponisten und seinerzeit berühmten Geigenvirtuosen Heinrich Ignaz Franz von Biber (1644-1704) zur Aufführung. Nach seinen Worten wurden alle 15 Sonaten plus die 16., Passagalia, noch nicht in ihrer Gesamtheit in einem Konzert aufgeführt – für Klein, der mit fünf Violinen konzertierte, und die Basso Continuo-Gruppe aus Rahel Klein (Violincello, Violone & Gambe), Carsten Lorenz (Cembalo & Truhenorgel) und Miguel Bellas (Theorbe, Laute & Gitarre) also ein Novum und eine sowohl musikalische wie auch konditionelle Meisterleistung.

Jesu Angst vor seiner Verhaftung ausgedrückt

Klein stellte in einer Einführung vorab den Komponisten, seinen Werdegang und die Entstehung der auch "Mysteriensonaten" genannten Musik vor. In den 15 Sonaten für Violine und Basso continuo beschreibt Biber die "fünfzehn heiligen Mysterien" der Gottesmutter und widmete sie Erzbischof Max Gandolf von Kuenburg in Salzburg, in dessen Diensten er auch als Kapellmeister wirkte. "Ich habe das ganze Werk der Ehre der XV Heiligen Mysterien gewidmet, die Ihr so ausgesprochen fördert", endet die Widmung. Die 15 marianischen Meditationen sind eingeteilt in drei Zyklen zu je fünf Sonaten. Tänzerische Klänge der Geige, begleitet vom Generalbass erzählen von den Geheimnissen des Freudenreichen, des Schmerzensreichen und des Glorreichen Rosenkranzes. So hört man in der ersten Sonate, "Verkündigung" überschrieben, das Rauschen der Flügel des Erzengels. In der sechsten Sonate mit dem Titel "Christus am Ölberg" passiert ein abrupter Stimmungswechsel, der die Zerrissenheit und die Angst von Jesus vor seiner Verhaftung ausdrückt. Harte Akkordschläge in der zehnten Sonate "Die Kreuzigung" weisen auf das Einschlagen der Nägel und das Erdbeben nach Jesu Tod hin. Ein Trompetenstück auf der Geige ist die zwölfte Sonate "Die Himmelfahrt". Fanfaren-Klänge der Geige und als einzige Begleitung die geklopften Töne des Kontrabass‘ quasi als Pauke.

Herausfordernd für den Musiker sind die 14 verschiedenen Stimmungen oder besser "Verstimmungen" der Geige, die "Skordatur". "Eigentlich müsste ich mit 15 Geigen spielen, weil für jede Sonate eine andere Stimmung vorzunehmen ist", so Klein in der Einführung. Durch diese Verstimmung ergeben sich ausgesprochen eigenwillige Klangwirkungen auf den stärker oder schwächer als gewöhnlich gespannten Saiten. Hier gab es handwerklich viel zu tun für Klein und seine Kollegen, weshalb das Programm auch zwei Pausen enthielt.

Schon in den Pausen war großes Lob des Publikums für die Darbietung der in bildliche und zur Meditation anregende Klänge verpackten Interpretation der Rosenkranzgebete zu hören. Die 16. Sonate "Passagalia" oder "Der Schutzengel" für unbegleitete Violine, die am Schluss dieser außergewöhnlichen Sammlung steht, ist der Höhepunkt der Aufführung. Gerd-Uwe Klein als Solist bot diese Sonate "zum Niederknien schön" (eine Besucherin) und versetzte damit das Publikum in atemlose Ergriffenheit. Doch dann bahnte sich begeisterter Applaus seinen Weg zu den strahlenden Künstlern. Was bewies, dass sich das Experiment mehr als gelohnt hat.

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