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Schömberg Arbeitstherapie: Man sieht Ergebnis

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Sie haben in ihrem Leben Drogen konsumiert und sind auf die schiefe Bahn geraten. Doch sie wollen zurück ins normale Leben. Rund ein halbes Dutzend dieser Männer befestigt derzeit auf dem Weg zwischen Calmbach und der Charlottenhöhe mehr als 100 Jahre alte Steine am Straßenrand.

Schömberg. Diese Steine bei der Charlottenhöhe waren umgefallen und zum Teil den Abhang hinunter in den Wald gefallen. Solche Arbeiten gehören zur Therapie dieser Männer. Sie sind im Zentrum für Psychiatrie in Hirsau untergebracht. Eine Unterabteilung davon wiederum ist die Forensische Psychiatrie und Psychotherapie, in der diese Männer behandelt werden. Die Klinikleitung nahm Kontakt mit dem Forst auf, um das Projekt zu verwirklichen. Sowohl das Zentrum für Psychiatrie als auch der Forst sind Landeseinrichtungen.

Auch der 22-jährige Robin Häusler aus Bruchsal ist an der Aktion beteiligt. Er erzählt, dass er einige Ausbildungen angefangen und keine zu Ende geführt habe. So wollte er Maler und Lackierer, dann auch Einzelhandelskaufmann werden. Es hat nicht geklappt. Häusler konsumierte Amphetamine, speziell Ecstasy. "Koks für Arme", sagt er dazu. Bei einer Party fühlte er sich gut dabei. Am nächsten Tag ging es ihm aber schlecht. Er wurde aggressiv gegenüber der Polizei – leistete Widerstand gegen die Staatsgewalt, wie es im Behördendeutsch heißt.

Jetzt ist er von der Sucht los und möchte wieder in das Alltagsleben hineinkommen. Für seine Zukunft hat er schon genaue Vorstellungen. Er will später in die Baubranche gehen: "Ich schwinge gerne den Hammer."

In seinen alten Beruf zurück möchte dagegen Jovan ­Cvejic. Der 47-Jährige aus Neustadt an der Weinstraße ist Schweißer und hat in diesem Beruf gearbeitet. Er konsumierte Opiate und Partydrogen. Cvejic wurde beim Drogenhandel erwischt und verurteilt. "Ich saß im Gefängnis", sagt er. Auch er hat es geschafft, von den Drogen wegzukommen: "Das soll auch so bleiben."

Von Drogen abhängig zu werden und mit dem Gesetz in Konflikt zu geraten sei ein Problem quer durch alle gesellschaftlichen Schichten, macht Matthias Wagner deutlich. Er ist medizinischer Direktor in der Abteilung Forensische Psychiatrie und Psychotherapie. Die Bandbreite reiche vom Analphabeten bis zum Akademiker, von demjenigem, der noch nie gearbeitet habe bis zum IT-Spezialisten. Die rund 100 Patienten in seiner Abteilung seien zwischen 20 und 60 Jahre alt, die meisten aber zwischen 25 und 30, so Wagner, rund 95 Prozent Männer. Die meisten von ihnen seien wegen Beschaffungskriminalität wie Diebstahl, Raub und Drogenhandel mit dem Gesetz in Konflikt geraten.

Therapie dauert zwei Jahre

Um den Sprung zurück in das normale Leben zu finden, gibt es mehrere Stufen, erläutert Wagner. In der Aufnahmestation ist Kennenlernen angesagt. Es geht darum, die Defizite zu diagnostizieren.

In der nächsten Stufe, der Therapiestation, wird unter anderem Förderunterricht erteilt. Die Patienten sollen von den Drogen wegkommen. Zwei Drittel von ihnen nehmen illegale Substanzen, ein Drittel Alkohol und Medikamente. Besonders wichtig ist dabei die Arbeitstherapie. Hier gibt es die Bereiche Metall, Holz, Forst und Textil. Entscheidend ist, welchen Beruf die Patienten später ausüben wollen, macht Wagner deutlich. Die Zusammenarbeit mit dem Forst bezeichnet er als "sehr gedeihlich", zumal "der Forst auch nicht so viel Personal hat". Hinzu komme, dass man ein Ergebnis sehe, wie beim Aufrichten der historischen Steine am Wegrand, gibt er zu bedenken. Nach den Worten des Arbeitstherapeuten Klemens Keppler können sich die Patienten ihre Arbeit aber nicht aussuchen, sondern werden von der Therapiestation zugeordnet.

In der letzten Stufe werden die Patienten in sogenannten Adaptionseinrichtungen an das Leben gewöhnt. Hier stehen Praktika auf dem Programm. Im Idealfall wird aus einer Praktikumsstelle ein späterer Arbeitsplatz. Nach Wagners Worten dauert eine solche Therapie zwei Jahre in Ausnahmefällen auch länger. Die Patienten würden von der Justiz eingewiesen und auch wieder entlassen, sagt der Mediziner.

Die Männer sind unterdessen gerade dabei, einen schweren Stein hochzuhieven und in ein Erdloch am Wegrand zu setzen. Indem sie kleinere Steine in das Loch werfen, sorgen sie dafür, dass der große Stein nicht wieder umfällt. Nach Kepplers Worten sind die Männer seit zwei Monaten an der Arbeit. Sie dauert noch drei bis vier Monate, schätzt er.

Die betreffende Strecke von Calmbach zur Charlottenhöhe ist rund zwei Kilometer lang. "Die Steine haben für den Forst keine Funktion mehr, aber es ist gut, Historisches zu erhalten", sagt Jörg Krax, der zuständige Revierleiter für den Bühlhof auf der Gemarkung der Gemeinde Schömberg.

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