Ein 21-Jähriger wollte aus Amsterdam 100 Gramm Haschisch nach Deutschland schmuggeln. Foto: dpa

21-Jähriger wegen unerlaubter Einfuhr von Rauschmitteln aus Amsterdam vor Gericht. Freiheitsstrafe zur Bewährung ausgesetzt.

Hechingen/Schlichemtal - Eine Jugendstrafe von neun Monaten, auf zwei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, zudem eine Geldstrafe von 300 Euro – das ist der "Lohn" dafür, dass ein 21-Jähriger aus einer Schlichemgemeinde versucht hat, rund 100 Gramm Haschisch und Marihuana aus Amsterdam einzuschmuggeln.

Mit einem Reisebus war der damals 20-Jährige im vergangenen Jahr im Mai nach Holland gefahren. "Zwölf Stunden Amsterdam, 20 Coffee-Shops besucht, für 1000 bis 1500 Euro eingekauft", resümierte er seinen Auslandsaufenthalt.

An einer Raststätte an der A 6 war der Bus kontrolliert worden. Der Schlichemtäler flog auf, gab aber zunächst nicht zu, dass das Zeug in der Plastikdose ihm gehörte. Er habe es nicht gleich zugegeben "wegen schlechter Erfahrungen mit der Polizei", erklärte der Angeklagte.

Die Fingerabdrücke auf dem Behältnis hatten ihn aber am Ende überführt. Wegen unerlaubter Einfuhr einer "nicht unerheblichen Menge" an Rauschmitteln – es hätte für 635 Joints gereicht – hatte die Staatsanwaltschaft Anklage erhoben. "Ja, das stimmt", zeigte sich der Angeklagte vor dem Hechinger Jugendschöffengericht geständig.

Noch bevor er Angaben zur Tat machte, versuchte er zu erklären, wie es überhaupt dazu gekommen war: Seine Eltern hatten sich scheiden lassen, als er 15 war, sagte er. Da habe es Stress gegeben, er sei insgesamt 15-mal von der Schule geflogen. Dann habe er mit Kumpels einen Joint mitgeraucht: "Ich hab gemerkt, dass es mir gut tut." Seither habe er "mal mehr, mal weniger" geraucht, im Schnitt zwei Joints pro Tag.

Staatsanwältin fordert Freiheitsstrafe

Die Ware aus Amsterdam hätte für ein Jahr gereicht. Seit Juli oder August vergangenen Jahres habe er das Zeug nicht mehr angefasst. Er habe seine jetzige Freundin kennengelernt, die ihn unterstützt habe, von den Joints loszukommen. Und er habe einen Hund angeschafft, mit dem er Joggen gehe. Jetzt mache er eine Ausbildung und spiele mit dem Gedanken, in die Schweiz zu gehen, weil man dort besser verdiene und seine Freundin dort lebe.

Schwer zu sagen für das Gericht, ob es bei dem Angeklagten eine Entwicklungsverzögerung gegeben hatte. Auch für die Jugendgerichtshilfe wollte sich nicht festlegen fand aber, dass der junge Mann "klar im Leben" stehe und ein Ziel vor Augen habe. Die Staatsanwältin forderte eine Freiheitsstrafe nach dem Erwachsenenstrafrecht – ein Jahr, für drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt.

Dem folgte das Gericht nicht. Es sei nicht auszuschließen, dass es angesichts der Biografie eine Entwicklungsverzögerung gegeben habe, sagte die Richterin. Und zum Angeklagten: "Unter dem Strich haben Sie großes Glück gehabt." Auf die Rückgabe der Beweismittel – die Drogen, den Rucksack und ein benutztes Papiertaschentuch – verzichtete der Angeklagte.