Im Kampf gegen die Ausbreitung des Virus setzen die Heime auf verstärkte Hygienemaßnahmen. (Symbolbild) Foto: Arnold

Altenheim von Virus stark betroffen. Pflegeeinrichtungen erzählen, wie sie mit Situation umgehen.

Schömberg - Im Alten- und Pflegeheim Haus Tanneck in Schömberg haben sich bisher 20 Bewohner mit dem Coronavirus infiziert. Vier Personen, die positiv getestet wurden, bei denen aber bereits Vorerkrankungen vorlagen, sind gestorben. Der Schwarzwälder Bote hat beim Haus Tanneck und in anderen Pflegeeinrichtungen in Schömberg nachgefragt, wie Bewohner und Pflegekräfte mit der aktuellen Situation umgehen.

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Seit mehr als einem Monat gilt nun schon ein striktes Besuchsverbot in Seniorenheimen. Seit mehr als zwei Wochen zudem eine absolute Ausgangssperre für die Bewohner.

Die Pflegekräfte arbeiten nonstop mit Schutzmasken, Kitteln und Handschuhen. Ausnahmen gibt es nicht, auch nicht für die Pflegeheime in Schömberg. Das Alten- und Pflegeheim Haus Tanneck, das Seniorenpflegeheim Haus Berghof, das Alten- und Pflegeheim Haus Grüntal und das Pflegeheim Haus Martenyi berichten von der aktuellen Situation in ihrem Haus.

Haus Tanneck

"Ja, wir haben aktuell leider 20 positiv getestete Corona-Fälle bei uns im Haus", erklärt Oliver Zajac, Geschäftsführer des Hauses Tanneck. Vier Personen, bei denen auch das Coronavirus festgestellt wurde, sind gestorben. Zajac möchte klarstellen, dass die Betroffenen bereits Vorerkrankungen hatten und dass die Infektion mit dem Sars-CoV-2-Virus nicht alleine ausschlaggebend für den Tod der Bewohner war.

Das Pflegeheim tue alle, um eine Ausbreitung zu verhindern. "Wir haben drei verschiedene Stationen für unsere Bewohner eingerichtet: Rot, Orange und Grün", erklärt Zajac. Alle Stationen seinen voneinander und von dem "normalen" Bewohner-Bereich isoliert. Die Mitarbeiter seien nur einem bestimmten Bereich zugeordnet und würden diesen auch nicht verlassen. "Jede Pflegekraft arbeitet voll geschützt und wird jeden Tag frisch eingekleidet", sagt der Geschäftsführer. Schutzmasken, Kittel, Handschuhe und Co. seien aber vor allem am Anfang schwer zu bekommen gewesen. Was auch ein Grund für die Ausbreitung im Pflegeheim gewesen sei. Die Bewohner würden ebenfalls einen Mundschutz tragen. "Das klappt mal mehr und mal weniger gut", sagt Zajac.

Die Stimmung sei der Situation entsprechend gefasst. Vor allem die komplette Isolierung auf dem roten und orangenen Bereich mache den Bewohnern zu schaffen. Auch für die Mitarbeiter sei die Situation momentan ein reiner Kraftakt. "Die Mitarbeiter tragen es aber mit Fassung", meint Zajac. Momentan sei die Lage relativ stabil, das könne sich aber schlagartig ändern. "Wir haben bereits viele Erkenntnisse über die Infektion gewonnen. Jetzt müssen wir einfach schauen, wie es sich entwickelt", sagt er.

Haus Berghof

"Ich klopfe jeden Tag dreimal auf Holz, dass wir noch keine Corona-Fälle bei uns im Haus haben", sagt Severine Karadagli, Pflegedienstleitung im Seniorenpflegeheim Haus Berghof.

Das Pflegeheim habe seine hygienischen Maßnahme gemäß der Landesverordnung seit dem Beginn der Corona-Pandemie weiter verschärft: Kittel, Mundschutz, Handschuhe. "Den Mundschutz ununterbrochen zu tragen, ist anstrengend. Mir graut es schon vor dem Sommer", erklärt Karadagli und sagt im selbem Atemzug, dass es aber dazugehöre. Die Pflegedienstleitung hat ihren Humor nicht verloren und die Stimmung im Haus sei den Umständen entsprechend auch in ­Ordnung. "Die Bewohner sehen die Situation recht gelassen, sie haben Verständnis. Aber die Angehörigen fehlen einfach", sagt die junge Frau. Kurz nach dem das Besucherverbot in Kraft trat, habe das Pflegeheim Skype (Videochat im Internet) eingerichtet, ­damit die Bewohner wenigstens ein bisschen Kontakt pflegen können. "Leider ­nutzen dieses Angebot nur wenige", sagt Karadagli. Viele Angehörige würden aber kleine Ge­schenke vorbeibringen, die dann vom Personal an die ­Be­wohner übergeben werden.

Das Pflegeheim versuche außerdem den Tagesablauf so normal wie möglich zu ge­stalten. "Viele Gruppentherapien sind zwar weggefallen, aber wenigstens spielt das Wetter mit. So können wir viel Zeit im Garten verbringen", erklärt die Pflegedienstleitung. Für den Ernstfall sei das Haus Berghof auch gewappnet: "Wir haben eine Schleuse ­gekauft, die wir dann vor dem Zimmer installieren könnten. Aber wir hoffen einfach, dass es nicht so weit kommt", gibt sich Karadagli optimistisch.

Haus Grüntal

Auf den Ernstfall sei auch das Alten- und Pflegeheim Haus Grüntal vorbereitet, das sagt Pflegedienstleiterin Rebecca Sinzel.

Momentan gebe es aber noch keinen Grund zur Sorge. "Wir haben keine Corona-Fälle bei uns im Haus", erklärt sie. Sollte es aber so weit kommen gebe es einen Plan: Isolation auf dem Zimmer und nur eine Pflegekraft, die sich, voll geschützt, um den Bewohner kümmert.

Die Hygienemaßnahmen hätten sich auch bei ihnen im Haus verschärft. "In einer Pflegeeinrichtung sind die Hygienevorschriften grundsätzlich streng. Dazu kommt jetzt noch das Tragen von Mundschutz und Handschuhen und natürlich regelmäßiges Hände waschen", erklärt Sinzel. Pflegekräfte und Bewohner würden das Beste aus der Situation machen.

Haus Martenyi

Geschäftsführerin Tanja Dickmann vom Pflegeheim Haus Martenyi ist froh, sagen zu können, dass es bei ihnen auch noch keinen Corona-Fall gibt. "Wir haben eine sehr strenge Hygienebeauftragte, die auch in Nicht-Corona-Zeiten darauf achtet, dass Hygienemaßnahmen eingehalten werden", erklärt Dickmann. Geändert habe sich im Prinzip nur das Arbeiten mit Mundschutz.

Für den Ernstfall habe das Pflegeheim einen Isolationsbereich vorbereitet.

Die Stimmung im Haus sei gut. "Vor allem unter den Mitarbeitern herrscht ein guter Zusammenhalt", sagt Dickmann. Einzelne Bewohner würden sich in ihrer Freiheit eingeschränkt fühlen, aber Dickmann und ihr Team würden alles versuchen, um den Tagesablauf so normal wie möglich zu gestalten. "Es gibt weiterhin Gruppenangebote, wie Yoga oder Gedächtnistraining, allerdings mit weniger Teilnehmern", erklärt Dickmann.