Vom 2. bis 6. April war der Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“ unter anderem in Nagold zu Gast. Foto: Heiko Hofmann

Nagold stemmte zusammen mit Calw, Wildberg und Renningen den Landeswettbewerb von „Jugend musiziert“. Das Fazit ist positiv. Doch heftige Kritik an einem Nagolder Wertungsort trübt die Stimmung.

Wer einen Wettbewerb wie Jugend musiziert ausrichtet, der muss auch mit kritischen Stimmen rechnen. Die gab es auch beim Landeswettbewerb. „Eigentlich das übliche“, erörterte Nagolds Musikschulleiter Christian Pöndl auf Nachfrage der Redaktion: Dabei geht es zum Beispiel um Jury-Entscheidungen oder auch vermeintlich schlecht gewählte Einspielorte. Es gab aber auch viel Lob.

 

Generell zieht Pöndl ein positives Fazit. Das wurde ihm und seinem Helferteam auch so widergespiegelt. An sechs Wettbewerbsorten in der Stadt waren musikalische Höchstleistungen von begabten jungen Menschen zu erleben.

„Es war meines Wissens das erste Mal, dass nicht eine größere oder große Stadt alleiniger Ausrichter des Wettbewerbs war, sondern die Spielstätten auf mehrere Kommunen verteilt wurden. Das war für alle Beteiligten eine neue Erfahrung, aber, wie ich meine und wie es auch beim Jury-Abend geklungen hat, eine zukunftsträchtige“, erklärte Pöndl gegenüber der Redaktion.

„Die Stimmung war sehr gut“

Über 40 Helferinnen und Helfer – vor allem Lehrkräfte, Mitglieder des Freundeskreises oder auch Musikschülerinnen – hätten an den Spielstätten mitgeholfen, dass der Wettbewerb über die Bühne gehen konnte. „Die Stimmung war sehr gut“, freut sich Pöndl. Die Jurorinnen, Juroren und Gäste seien sehr angetan von Nagold und der Freundlichkeit der Helferinnen und Helfer gewesen. Und: „Das Niveau war, wie gewohnt, sehr hoch und es gab mit der Alten Musik und Orgelimprovisation in der Stadtkirche auch Wertungen, die man nicht so oft hört.“

„Wie kann man eine Schule nur so verkommen lassen?!“

Kräftig getrübt wird das positive Fazit allerdings von der Mutter einer Teilnehmerin, die sich heftig über die Spielstätte im OHG II beschwerte. Die Mail wurde direkt an Nagolds OB gerichtet, ging aber unter anderem auch an die Redaktion des Schwarzwälder Boten. Auch mit zahlreichen Fotos dokumentierte die Frau, die „wirklich schockierenden Zustände“. Unter anderem geht es um „gefährliche Kanten, wo das Metall schon unter dem Putz herausragt, herabgerissene Vorhänge, versiffte Waschbecken und als I-Tüpfelchen einen Klavierhocker – man bedenke der Landeswettbewerb Jugend Musiziert ist zu Besuch!!! – , auf den ich mich nie freiwillig setzen würde.“

Zudem war die Schule offensichtlich nicht geputzt. „Noch nie war ich in so einer derart versifften und regelrecht schmutzigen, vernachlässigten Schule!“ heißt es unter anderem weiter. Zustände, die sie vielleicht in Berlin-Neukölln erwartet hätte – „aber doch nicht im Schwarzwald!“ Und ganz generell stellt das Schreiben in den Raum: „Wie kann man eine Schule nur so verkommen lassen?!“

Es gab keine geplante Sonderreinigung

Am Freitagabend ging die Mail raus, am nächsten morgen antwortete Musikschulleiter Christian Pöndl, auch im Namen von OB Großmann. Er entschuldigte sich für den schlechten Zustand der Spielstätte. Und klärte auf, dass es tatsächlich ein Reinigungsproblem gegeben hatte.

Von einem „Missverständnis“ mit der Gebäudewirtschaft spricht Pöndl. Jedenfalls unterblieb eine eigentlich geplante Sonderreinigung. Zumindest für die nächsten Wettbewerbstage erfolgte diese laut Pöndl dann noch. Am Samstagmorgen hätten Lehrkräfte der Musikschule so gut es ging, die Räume gereinigt und am Samstagabend wurde dann noch kurzfristig eine Sonderreinigung beauftragt, „so dass das OHG II am Samstag und insbesondere am Sonntag auch nach nochmaliger Besichtigung durch Harald Maier vom Landesmusikrat vorzeigbar war“.

Die Kritik ist nur die einer einzelnen Person, doch der schlechte Zustand im OHG II dürfte auch anderen am ersten Wertungstag aufgefallen sein. Zum Beispiel auch der im Foto dokumentierte Klavierhocker mit abgewetztem und teils gerissenem Bezug.

„Fünf ausgezeichnete Spielstätten“

Generell ist Pöndl voll des Lobes, zumindest für die restlichen Nagolder Spielstätten: „Aus persönlicher Erfahrung bis zum Bundeswettbewerb kann ich sagen, dass es eher ungewöhnlich ist, dass Nagold für die Größe der Stadt mit fünf ausgezeichneten Spielstätten aufwarten konnte.“ Wertungen gab es im Kubus, in der Seminarturnhalle, im neu sanierten Musiksaal auf dem Lemberg, in der Stadtkirche und in der Friedenskirche.

Das OHG II als Spielstätte geriet in die Kritik. Foto: Kamuf

Dass ausgerechnet im OHG II auch eine Spielstätte eingerichtet wurde, überrascht da im Vergleich schon ein wenig. Schließlich ist bekannt, dass das OHG – und zwar beide Gebäude – dringend saniert gehört.

Dennoch fiel die Auswahl auf das OHG II, und nicht etwa auf das Zellerstift, die Stadthalle, das OHG I oder Räume in der Musikschule. Die Auswahl aber fällte nicht Pöndl, sondern der Landesmusikrat, nachdem er bereits im Sommer 2024 alle möglichen Spielstätten in Nagold besichtigt hatte. Laut Pöndl sei auch der Landesmusikrat für die Ausstattung der Wertungsräume und Einspielräume mit Klavieren und Klavierhockern zuständig.