Wenn Betrüger am Apparat sind, kann es zu schockierenden Behauptungen kommen (Symbolbild). Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa/Karl-Josef Hildenbrand

Eine Seniorin wurde um ein Haar Opfer von Telefonbetrügern. Nun will sie über deren Masche aufklären.

Die Empörung ist der 85-Jährigen noch deutlich anzuhören. „Es ist ein schlechtes Gefühl, so ausgespäht zu werden“, sagt sie im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch was war passiert? Um 12:30 Uhr klingelte bei der Horberin das Telefon, auf dem Display erschien „Nummer unbekannt“.

Als sie abnahm, sagte ein Mann mit ruhiger Stimme in akzentfreiem Deutsch, er sei von der Kriminalpolizei und müsse sie warnen. Es seien nämlich in der Straße, in der die Frau wohnte, zwei Einbrecher festgenommen worden. Bei ihnen hätte man die Beschreibung ihres Hauses, der Anschrift sowie Kontodaten gefunden

Ein Zeitungsartikel hilft

„Genau an diesem Tag stand im ‚Schwabo‘ ein großer Artikel über Schockanrufe“, erinnert sich die Frau. „Ich wusste also Bescheid.“ Sie bedankte sich höflich bei dem Betrüger, sagte, sie werde unverzüglich die Polizei anrufen und legte sofort auf.

Gesagt, getan. Sofort wählte die resolute Frau die 110 und sprach nun mit einem echten Polizeibeamten, der ihr bestätigte, dass sie alles richtig gemacht habe. Denn niemals würde die Polizei bei irgendwelchen Bürgern anrufen.

Nachdenklich klingt die Seniorin jedoch, wenn es darum geht, wie der angebliche „Kriminalpolizist“ an ihre Telefonnummer gekommen sei. „Ich stehe gar nicht mehr im Telefonbuch“, erklärt sie. Dort sei lediglich der Name ihres mittlerweile verstorbenen Ehemannes zu finden.

Aufklärung der Öffentlichkeit ist wichtig

Sie lebe allein und sei schon im fortgeschrittenen Alter. „Meine Lebensumstände müssen ausgespäht worden sein“, vermutet die Frau. Ein unangenehmes Gefühl sei dies schon, gesteht sie.

Doch gerade deswegen möchte sie an die Öffentlichkeit. „Man kann nicht genug über solche Vorfälle informieren und vor Telefonbetrügern warnen“, lautet ihr Anliegen.

Hintergrund

Wurden im Jahr 2017 in Baden-Württemberg 17 solcher betrügerischer Anrufe gemeldet, stieg die Zahl 2021 auf 2157. Experten gehen jedoch von einer noch höheren Dunkelziffer aus, weil sich viele der Opfer schämen und deshalb keine Anzeige erstatten.