Vor dem Stützpfeiler des Paracelsushauses kommt der Audi zum Stehen. Foto: Merk

Ein schwerer Unfall vor einem Ärztehaus in der Königstraße hatte für Schockmomente gesorgt. Nun ist klar: Der 81-jährige Unfallfahrer hat schon einmal die Kontrolle verloren.

Ein zerstörter gelber Audi, ein schwer verletzter Fußgänger und die Frage, wie es zu dem schockierenden Unfall in der Königstraße am 26. Juni kommen konnte.

 

Jetzt ist klar, der 81-jährige Fahrer sorgte schon einmal für einen Unfall. Und zwar im Oktober 2024 und mit gleich mehreren Fahrzeugen. Wie die Polizei damals mitteilte, war der Fahrer vom Gaspedal gerutscht und hatte in der Königstraße auf Höhe der Villa Duttenhofer für eine Karambolage gesorgt.

Wegen nasser Laubblätter an der Schuhsohle fuhr der damals 80-Jährige „mit großer Wucht“ auf seinen Vordermann auf, der wiederum auf das vor ihm zum Stehen kommende Fahrzeug auffuhr. Ein 61-Jähriger Fahrer verletzte sich bei dem Unfall. Die Polizei bezifferte den Sachschaden auf rund 60 000 Euro.

Bei dem Unfall vor zwei Wochen hatte der nun 81-Jährige einen 28 Jahre alten Fußgänger schwer verletzt. Vom Parkplatz der gegenüberliegenden Physiotherapiepraxis aus hatte der Fahrer zunächst stark beschleunigt, dann die Königstraße gequert, war über den Bürgersteig gefahren, mit einem Baum kollidiert, hatte dann noch einen der schweren Ziersteine vor der Römer-Apotheke mitgeschoben und war schließlich wegen eines Stützpfeiler vor der Apotheke zum Stehen gekommen. Grund für den Unfall war laut Polizei eine medizinische Ursache. Der Sachschaden: 38 000 Euro.

Zwei Unfälle, selber Fahrer

Nun wird bekannt: Die beiden Unfälle haben eine Gemeinsamkeit. „Nach Abgleich der beiden Unfälle kann bestätigt werden, dass es sich in beiden Fällen um denselben Fahrer gehandelt hat“, teilt das Polizeipräsidium Konstanz auf Nachfrage mit.

Und: Für den 81-Jährigen gibt es Konsequenzen. „Nach dem aktuellen Unfall vor zwei Wochen wurde eine Mitteilung an die zuständige Fahrerlaubnisbehörde gemacht. Diese prüft nun im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben, ob der Fahrer weiterhin zum Führen eines Kraftfahrzeuges geeignet ist“, erklärt die Pressestelle der Polizei.

Grundsätzlich liege es im Verantwortungsbereich jedes Fahrers, selbst einzuschätzen, ob er gesundheitlich in der Lage ist, ein Fahrzeug sicher zu führen. „Bei Zweifeln an der Fahrtauglichkeit – sei es aufgrund von Alter, Krankheit, sonstige Beeinträchtigungen in konkreten Vorfällen – gibt die Polizei die Hinweise an die Fahrerlaubnisbehörde weiter, die dann eigenständig weitere Schritte einleitet.“

Wie diese Schritte aussehen, erläutert das zuständige Rottweiler Landratsamt auf Nachfrage unserer Redaktion.

Führerschein weg?

„Die Fahrerlaubnisbehörde kann, je nach Ausgestaltung des Einzelfalles, ein ärztliches Gutachten oder eine MPU (medizinisch-psychologische Untersuchung) anordnen, wenn Zweifel an der Fahreignung aufgrund bestimmter gesundheitlicher Beeinträchtigungen oder bei bestimmten Verkehrsauffälligkeiten bestehen“, schreibt Pressesprecherin Andrea Schmider. Erweise sich der Inhaber einer Fahrerlaubnis als ungeeignet, habe ihm die Fahrerlaubnisbehörde die Fahrerlaubnis zu entziehen. Wer nur bedingt zum Führen von Kraftfahrzeugen geeignet sei, müsse mit Beschränkungen und Auflagen rechnen.

Geistige und körperliche Eignung

Gerade bei älteren Autofahrern bestehe die Möglichkeit, dass Mängel durch Fahrpraxis kompensiert werden können. „Nicht jeder Verstoß eines älteren Fahrerlaubnisinhabers führt daher zu Überprüfung der Fahreignung, es kommt auf den konkreten Einzelfall an“, gibt Schmider zu bedenken.

Allerdings „möchten wir auf die gemeinsame Aktion von den Landkreisen Rottweil, Tuttlingen und Schwarzwald-Baar-Kreis in Zusammenarbeit mit dem Verkehrsverbund Schwarzwald-Baar-Heuberg „Fahrschein statt Führerschein“ aufmerksam machen. Diese Aktion richtet sich an Personen, ab dem vollendeten 65. Lebensjahr“, betont Schmider. Informationen hierzu gibt es auf der Website: https://mein-move.de/fahrschein-statt-fuehrerschein/.

Selbst-Check

Und noch einen Rat hat das Landratsamt: Wer seine eigene Fahrtauglichkeit einschätzen möchte, solle regelmäßig und selbstkritisch seine Fähigkeiten hinterfragen. Zur Überprüfung der Fahrtauglichkeit könne man sich an verschiedene Stellen wenden. Der ADAC oder auch der TÜV Süd beispielsweise bieten Fitness-Checks für Autofahrer an.