Die Madonna am Holzenthaler-Kreuz in Oberschopfheim ist von Unbekannten zerstört worden. Ortsvorsteher Michael Jäckle ist fassungslos und wird die Sachbeschädigung bei der Polizei anzeigen. Für Hinweise ist eine Belohnung ausgesetzt.
Zerstörungswut in Oberschopfheim: Am Mittwochmorgen stellt Willi Ehret, Vorsitzender des Historischen Vereins, eine besonders perfide und pietätlose Form der Zerstörung fest. Der Marienfigur an der Ranzenbrücke haben Unbekannte den Kopf abgeschlagen. „Das ist Sachbeschädigung und pure Zerstörung heimischer Kultur“, sagte Ortsvorsteher Michael Jäckle, während er den abgeschlagenen Kopf in seinen Händen hielt und ergänzte: „Bewusste Brachialgewalt war hier im Spiel.“ Die Zerstörung wurde zu Anzeige gebracht. Angedacht ist eine Belohnung für Hinweise und Ergreifung des Täters.
Jäckle geht davon aus, dass ein scharfkantiges Werkzeug war, das den Kopf vom Hals getrennt hat. Wie weiter vorgegangen wird mit einer nochmaligen Restaurierung bleibt eine Überlegung im Kreis des Vorstands sowie der Gemeinde. Seit 113 Jahren steht das Kreuz bereits dort und wurde noch nie willkürlich beschädigt. Lediglich die Verwitterung hatte ihm zugesetzt. „Was ist nur los in dieser Welt? Ich finde keine Worte“, erklärt Jäckle.
Nicht die erste Figur an der Bundesstraße 3, die Opfer von Zerstörung wurde
Am 14. Oktober 2021 wurde das Holzenthaler-Kreuz an der Ranzenbrücke nach aufwendiger Restaurierung von Pfarrer Steffen Jelic im Beisein vieler Menschen geweiht. Die Kosten in Höhe von 12 000 Euro waren durch Spenden und ehrenamtliches Arbeiten von Mitgliedern des Vereins gedeckt worden. Den Menschen bedeuten die Wegkreuze sehr viel. Manchmal bleiben sie einfach nur auf dem Spaziergang stehen oder legen ein paar Blumen nieder. Manchmal wird auch nur ein Zeichen des Kreuzes beim Vorbeigehen gemacht. Dem Historischen Verein Oberschopfheim ist der Erhalt der Kreuze als Kulturdenkmale sehr wichtig. Umso tiefer betroffen zeigte sich der Ortsvorsteher: „Was veranlasst wohl einen Menschen, so etwas zu tun?“
Dabei ist es nicht das erste Mal, dass eine Madonnenfigur entlang der Bundesstraße Opfer von zerstörerischer Gewalt wurde. Gut 300 Meter weiter nördlich steht das Lögler-Kreuz am Mittelbach. Im Oktober 2011 wurde dort die Marienfigur vom Kreuzsockel losgerissen und auf den Boden geworfen. Die Marienfigur hatte damals Jäckle gesichert. Auch der Korpus der Christusfigur wurde laut Restaurator Luzius Kürten mit einem „Hackspaten“ zerstört – er bemerkte: „Eine besondere Form von Vandalismus.“ Die Restaurierung des Kreuzes hat 12 400 Euro gekostet und die Sanierung der Madonna 3400 Euro. Am 28. Mai 2020 hat es Jäckle wiederholt die Sprache verschlagen. Wieder wurde die Madonna, die am Fuße des Lögler-Kreuzes am Mittelbach steht, mit Gewalt vom Sockel gerissen und auf den Boden geworfen. Die Kosten von einer neuerlichen Restaurierung von knapp 3000 Euro mussten ebenfalls gedeckt werden. Mittlerweile befindet sich die Madonnenfigur in der Leutkirche.
In Erstaunen setze die Unverfrorenheit der Zerstörung direkt an der Bundesstraße 3, die täglich von gut 20 000 Fahrzeugen befahren wird. Auch der Fahrradweg, der die Kreuzung tangiert, ist einer der am stärksten frequentierten Wege. Oberschopfheims Ortsvorsteher Jäckle wird jedenfalls Anzeige stellen bei der Polizeibehörde gegen Unbekannt.
Ortsvorsteher hofft darauf, dass die Bevölkerung Hinweise geben kann
„Ob etwas dabei herauskommt, ist fraglich“, so Jäckle. Aber irgendwie sterbe die Hoffnung zuletzt. Vielleicht gibt es den ein oder anderen Hinweis aus der Bevölkerung. Dass Täter ungeschoren davon kommen, dürfe nicht sein. Verstärkt wird auf die Mithilfe und ein wachsames Auge aus der Bevölkerung gehofft. Ortsvorsteher Jäckle hofft auf Zeugen, die möglicherweise Beobachtungen gemacht haben, die nicht zum alltäglichen Bild an der Bundestraße 3 gehören.
Wer Hinweise geben kann zur Zerstörung der Madonnenfigur, wird gebeten, sich direkt mit dem Polizeirevier in Lahr unter Telefon 07821/27 70 oder mit dem Ordnungsamt der Gemeinde Friesenheim unter Telefon 07821/6 33 72 55 in Verbindung zu setzen.
Geschichte des Kreuzes
Das Schaub-Holzenthaler-Kreuz wurde im Jahr 1910 von Maria A. Holzenthaler und ihren Kindern an der Bundesstraße 3 südlich der Ranzenbrücke errichtet. Auf dem Kreuz steht geschrieben: „Heilige Mutter Gottes, ich lade dich zu meiner Sterbestunde ein. Vater unser. Was will das Kreuz, das hier an diesem Wege steht? Es will dem Wanderer, der vorübergeht, das große Wort des Trösters sagen – der Herr hat seine Schuld getragen. Vater unser.“