Die Feuerwehrleute blieben bis in die Nacht bei der Brandstelle. Foto: Piskadlo

Die Bilder weckten schlimme Erinnerungen: Wie schon vor fünf Jahren ist es in Deutschlands größtem Freizeitpark in Rust am Montag zu einem Großfeuer gekommen. Zwei Einsatzkräfte wurden leicht verletzt, ansonsten endete der Brand glimpflich. Der Park soll am heutigen Dienstag schon wieder öffnen.

Die dichte Rauchwolke über Rust war am Montagnachmittag kilometerweit zu sehen. Auf den Straßen war sofort Sirenengeheul zu vernehmen. Der Grund verbreitete sich nicht weniger schnell als die Flammen: Gegen 16.40 Uhr war nach ersten Erkenntnissen der Polizei in der Attraktion „Zauberwelt der Diamanten“ im Themenbereich Österreich ein Feuer ausgebrochen. In der Attraktion treffen sich die Achterbahn Alpenexpress und die Wildwasserbahn – zwei sehr beliebte Fahrgeschäfte im Europa-Park.

 

Rund 450 Einsatzkräfte von Feuerwehr, Polizei und Rettungsdienst rückten an. Kurz nach 18 Uhr gab es eine erste erlösende Nachricht der Polizei: Der Brand sei unter Kontrolle. Zu diesem Zeitpunkt wurde der Park bereits evakuiert. Zunächst „Österreich“, dann das benachbarte „Spanien“, anschließend nacheinander die weiteren Bereiche, bis schließlich alle Besucher gegen 18.50 Uhr den Freizeitpark verlassen hatten. Über Twitter hielt der Europa-Park seine Besucher auf dem Laufenden.

Am Abend gab die Polizei erste Details zur Brandursache bekannt. Demnach soll das Feuer im Technikraum eines Gebäudes ausgebrochen und über einen Brandmelder bei den Rettungskräften eingegangen sein. Nach LZ-Informationen handelt es sich dabei um den Maschinenraum der Achterbahn Alpenexpress.

Die Besucher verließen gegen 18 Uhr den Europa-Park. Foto: Piskadlo

Das sagen Besucher: Wie Park-Gäste unserer Redaktion berichteten, sollen, kurz nachdem der Rauch zu sehen war, mehrere laute Knallgeräusche an der Brandstelle zu hören gewesen sein. Die schwarze Rauchwolke, die schnell größer wurde, war auch in Lahr am Himmel zu sehen. „Es gibt jetzt keine mega Panik, aber die Leute bewegen sich alle zum Ausgang“, berichtete eine junge Frau gegen 17.30 Uhr unserer Redaktion. Die Besucher seien nach dem Ausbruch des Feuers nach draußen geströmt.

Das sagt der Europa-Park: Engelbert Gabriel, Sprecher der Geschäftsleitung, bestätigte Medienvertretern vor Ort, dass etwa 25 000 Besucher im Park waren, die geordnet zum Ausgang geführt wurden. „Wir haben erst nur einen Teil zugemacht“, sagte er. Danach habe man die einzelnen Bereiche nacheinander geräumt. Unter den gegebenen Umständen sei er sehr zufrieden, wie die Evakuierung abgelaufen ist.

Deutlich betroffener zeigte er sich angesprochen auf seinen emotionalen Zustand: „Danach fragen Sie mich jetzt lieber nicht“. Möglicherweise sei neben dem Alpenexpress und der Wildwasserbahn noch ein drittes Fahrgeschäft betroffen, erklärte Gabriel später. Zwei Feuerwehrleute wurden bei den Löscharbeiten leicht verletzt. Zudem versorgten die Einsatzkräfte zwei Park-Besucher, denen das Wetter und der Stress zugesetzt hatten.

Eine riesige Rauchwolke stieg über dem Park auf. Foto: xcitepress

Um 18.52 Uhr teilte der Europa-Park über Twitter mit, dass die Übernachtungsgäste wieder in die Hotels zurückkehren können. Darüber hinaus kündigte der Park an, am Dienstag wie gewohnt um 9 Uhr wieder öffnen zu wollen. „Wir bedanken uns bei allen Einsatzkräften und Parkmitarbeitenden für die reibungslose Zusammenarbeit sowie das tadellose Verhalten unserer Besucher“, hieß es in einer weiteren Nachricht später am Abend.

Das sagt die Polizei: Yannick Hilger, Sprecher des Polizeipräsidiums Offenburg, berichtete, dass man auf einen solchen Einsatz gut vorbereitet gewesen sei. „Wir kennen solche Lagen. Deswegen wussten wir gleich, welche Zahnräder ineinander greifen müssen.“ Der Einsatz der Feuerwehr, die Evakuierung sowie die Ableitung des Verkehrs „liefen richtig gut“. Die Sicherheitsmechanismen wie Brandmelder und Alarmpläne „haben reibungslos funktioniert“, hieß es.

Zur genauen Brandursache gab es am Montagabend „noch keine Erkenntnisse. Das werden die weiteren Ermittlungen zeigen“, so Hilger. Neben Polizisten aus Rust, Ettenheim und Lahr waren Ermittler der Kriminalpolizei vor Ort. Über den Schaden konnten am Montagabend noch keine Angaben gemacht werden, da die Löscharbeiten noch bis in die Nacht andauerten. Helfer der Feuerwehr blieben an der Schadensstelle.

Das sagt die Feuerwehr: Kreisbrandmeister Bernhard Frei teilte mit, dass „aufgrund des schnellen Eingreifens der Feuerwehr“ – der Werkfeuerwehr und der Gemeindefeuerwehr – der Brand auf den Bereich Spanien und die sogenannte Edelsteingrotte begrenzt werden konnte. Aufgrund der hohen Temperaturen habe man sich dazu entschieden, möglichst viele Einsatzkräfte anzufordern, um diese frühzeitig auswechseln zu können. Frei spricht von einem „vorbildlichen Verhalten“ der Parkbesucher bei der Evakuierung.

Auch die Ettenheimer Feuerwehr war vor Ort. Foto: Piskadlo

Die Löscharbeiten sei man mit „vehementen Wassereinsatz“ angetreten, um an die Glutnester heranzukommen und diese abzulöschen. „Durch die Löscharbeiten kam es dann aber dazu, dass die Thermik weg war und der Rauch nach unten gezogen ist“, so Frei. Aus diesem Grund habe man eine Warnung an die Ruster Bevölkerung herausgegeben, Fenster und Türen geschlossen zu halten. „Es gab aber zu keiner Zeit eine Gefahr für die Hotelbesucher oder die Gäste des Europa-Parks“, ordnete Frei das Feuer ein.

Das sagt der Bürgermeister: „Der Einsatz ist hochprofessionell abgelaufen“, erklärte Rusts Rathauschef Kai-Achim Klare am Abend im Gespräch mit unserer Redaktion. Als oberster Dienstherr der Ruster Feuerwehr war er Teil der Alarmierungskette und eilte sofort in den Park. Er sei „unglaublich dankbar“, was die Einsatzkräfte geleistet haben. Nun gelte es, wieder nach vorn zu schauen.

Rückblick

Der Brand 2018
Beim Großbrand am 26. Mai 2018 waren die Themenbereiche Skandinavien und Holland größtenteils den Flammen zum Opfer gefallen. Das Fahrgeschäft „Piraten in Batavia“ wurde komplett zerstört und später neu aufgebaut. Der Schaden lag bei rund 50 Millionen Euro. Schlimmere Verletzungen erlitt auch damals niemand.

Alpenexpress
Der 1984 erbaute Alpenexpress führte anfangs durch einen Urzeit-Tunnel mit einer Dinosaurier-Ausstellung. Dieser Tunnel wurde 1998 zu einer Edelsteingrotte umgewandelt, die man auch zu Fuß durchschreiten oder mit der Tiroler Wildwasserbahn durchfahren kann.

Wildwasserbahn
Die Tiroler Wildwasserbahn stammt aus dem Jahr 1978. Sie gehört zu einem der ersten Fahrgeschäfte des Europa-Parks und befindet sich ebenfalls im Themenbereich Österreich.