Der Jugendtrainer soll die Kinder per Whatsapp kontaktiert haben. Immer mehr Fälle werden bekannt. Foto: Stratenschulte

Der Verdacht hatte im Mai für Entsetzen gesorgt: Ein Jugendtrainer aus einem Sulzer Teilort soll von Kindern pornografische Bilder verlangt haben. Jetzt weitet sich der Fall aus.

Dabei war auch der Anfang schon schlimm genug: Im Frühjahr wurde bekannt, dass gegen einen Jugendtrainer im Fußballbezirk Nordschwarzwald ermittelt wird. Er soll unter 14-Jährige Spieler aufgefordert haben, ihm Fotos mit Nacktaufnahmen zu schicken.

 

Die Spur der Ermittlungen führte, wie unsere Redaktion erfuhr, in einen Sulzer Stadtteil. Dort beschlagnahmte die Polizei im Rahmen einer Durchsuchung Datenträger im Wohnhaus des Verdächtigen.

Ans Licht gekommen war der Fall, weil eines der betroffenen Kinder sich seinen Eltern anvertraut hatte. Dass der beschuldigte Jugendtrainer – selbst noch eher jung – aktiv nach Bildern verlangt hat, dies sei „schon etwas anderes als der klassische Sammler von Kinderpornografie“, hatte Oberstaatsanwalt Markus Wagner, Sprecher der Staatsanwaltschaft Rottweil, den Fall eingeordnet.

Ganze Dimension kommt ans Licht

Seither laufen die Ermittlungen. Und jetzt, vier Monate nach Bekanntwerden der Ermittlungen, kommt langsam die ganze Dimension ans Licht. Denn wie wir aus dem Sulzer Teilort erfahren, werden immer neue Fälle bekannt, in denen der Jugendtrainer auf Kinder zugegangen und von ihnen pornografische Bilder verlangt haben soll.

Dies soll, so heißt es aus dem Umfeld gegenüber unserer Redaktion, nicht nur Kinder betroffen haben, die er selbst als Jugendtrainer in seinem Verein betreute, sondern auch andere, zu denen er im großen Feld des Jugendfußballs Kontakte geknüpft haben soll.

Mehr als 20 Betroffene

Wir fragen bei der Staatsanwaltschaft nach, ob diese Hinweise zutreffen. Und Oberstaatsanwalt Wagner bestätigt: „In dieser Sache hat sich die Zahl der Betroffenen tatsächlich erhöht. Derzeit wird von mehr als 20 Minderjährigen ausgegangen, zu denen der Beschuldigte Kontakt gesucht haben soll.“

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen sexuellen Missbrauch von Kindern ohne Körperkontakt und Vorbereitung des sexuellen Missbrauchs von Kindern.

Ob es in manchen Fällen womöglich – wie uns ebenfalls zugetragen wird – nicht beim Bedrängen über Whatsapp blieb, dazu macht Wagner auf Nachfrage keine weiteren Angaben.

Jede Menge Daten

Die Ermittlungen seien aufgrund der vielen Betroffenen recht umfangreich und dauern weiter an, erklärt der Oberstaatsanwalt. Auch die Auswertung der Datenträger, so hatte er bereits im Frühjahr angekündigt, könne bis zu einem halben Jahr dauern.

Die Zahl der in der Bevölkerung genutzten Handys und Laptops habe sich im Lauf der vergangenen Jahre massiv erhöht – das Personal sei bei den Ermittlungsbehörden aber nicht im gleichen Maße aufgestockt worden, begründet er die lange Dauer.

Zwei verschiedene Fälle

Derweil wurde erst in dieser Woche ein weiterer Fall in einer „Schwarzwald-Gemeinde“, bekannt, der nun mit jenem aus dem Sulzer Teilort verwechselt werden könnte. In der Schwarzwald-Gemeinde soll ein Übungsleiter mehrere Jugendliche missbraucht und sich dabei das Vertrauen, das ihm als Trainer entgegengebracht wurde, ausgenutzt haben.

Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft ermitteln wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen. Zuständig ist hier die Staatsanwaltschaft Konstanz.

Im Gegensatz zu dem sehr aktuellen Geschehen im Raum Sulz, sollen die Taten hier laut Angaben der Staatsanwaltschaft mehr als zehn Jahre zurück liegen. Die Geschädigten sollen zum Zeitpunkt der Taten älter als 14 Jahre gewesen sein.

Weiter große Bestürzung

Im Sulzer Teilort sorgen die laufenden Ermittlungen und die neuen Dimensionen für weiterhin große Bestürzung und große Unruhe. Und keiner vermag sich auszumalen, dass die Zahl der Fälle womöglich noch weiter steigt. Der Beschuldigte ist weiter auf freiem Fuß, Haftgründe liegen bislang nicht vor.

Der Fußballbezirk Nordschwarzwald, zu dem der betroffene Verein gehört, hat dem Thema inzwischen eine hohe Priorität eingeräumt. Nach Bekanntwerden des Falles hatte der Bezirksvorsitzende Wolfgang Ottmar die Vereine dazu aufgefordert, sich ernsthaft mit dem Thema zu beschäftigen.

Und angesichts der immer häufiger bekannt werdenden Missbrauchsfälle setzt sich auch der Landessportverband Baden-Württemberg (LSVBW) verstärkt dafür ein, „das Thema Sexualisierte Gewalt in Vereinen zu enttabuisieren, präventiv tätig zu werden und in Krisen- und Verdachtsfällen Orientierung zu geben“, wie es heißt. Dazu hat der LSVBW ein Schutzkonzept erstellt. Ziel sei es, den Schutz der Kinder, Jugendlichen und jungen Erwachsenen im Gesamtverband in all seinen Aktivitäten zu verankern.

Informationen gibt es unter www.lsvbw.de