Verbraucher ächzen unter den steigenden Spritkosten, auch an den Tankstellen in der Stuttgarter Straße in Freudenstadt. Foto: Aleksandar Mitrevski

Diesel und Super werden immer teurer – eine Entspannung ist noch nicht in Sicht. Oest Energies aus Freudenstadt zieht eine erste Zwischenbilanz. Auch der ADAC gibt eine Einschätzung.

Die Lage im Nahen Osten ist längst eskaliert: Die USA und Israel bombardieren weiterhin den Iran, dieser schlägt zurück und beschießt die Nachbarstaaten am persischen Golf. Und sperrt die für die Ölexporte wichtige Straße von Hormus.

 

In Deutschland macht sich dieser Konflikt vor allem an den Zapfsäulen bemerkbar. Am 10. März kletterte der morgendliche Preis für Diesel in der Spitze auf 2,237 Euro pro Liter, der Preis für Super E10 lag hingegen bei 2,095 Euro, schreibt der ADAC in einer Pressemitteilung. Tankstellenverbände befürchten sogar noch höhere Preise.

Die steigenden Preise sind vor allem eine starke Belastung für die Verbraucher. Viele Fragen sich, warum die Preise so schnell und in diesem Ausmaß steigen können. Was sagen die Tankstellenbetreiber zu dem Preissprung?

Abhängigkeit von Rohölimporten

Oest Energies in Freudenstadt gibt Auskunft. „Die internationalen Energiemärkte reagieren derzeit sehr sensibel auf geopolitische Entwicklungen. Dadurch kommt es aktuell zu deutlichen Preisschwankungen beim Rohöl und bei Mineralölprodukten“, sagt Sara Weegels, Leiterin Energiehandel bei Oest.

Deutschland sei stark von Rohölimporten abhängig, deswegen würden sich internationalen Einflüssen schnell auf die Einkaufspreise von Kraftstoffen auswirken, so Weegels weiter. „Marktteilnehmer planen Risiken ein, ebenso wirken derzeit Währungseffekte, da Rohöl in Dollar gehandelt wird.“

Rohölpreis deutlich gestiegen

Ein Fünftel der weltweiten Rohölexporte passieren die Straße von Hormus. Das hat Auswirkungen auf die Preise. Rohöl der Nordseesorte Brent wurde am 6. März für knapp 90 US-Dollar pro Barrel gehandelt.

Am 9. März schoss der Preis in die Höhe. Zwischenzeitlich lag ein Barrel bei etwa 118 Dollar. Seitdem schwanken die Preise stark. Dass US-Präsident Donald Trump den Krieg im Iran für fast beendet erklärte, sorgte kaum für eine Entspannung am Markt. Zum Vergleich: Am 27. Februar, vor Kriegsbeginn, kostete ein Barrel etwa 72 US-Dollar, so der ADAC.

Erklärt das aber die schnell ansteigenden Spritpreise in Deutschland? Ja, meint Weegels. „Die Kraftstoffpreise orientieren sich am aktuellen Markt- beziehungsweise Wiederbeschaffungspreis. Mineralölhändler kaufen Produkte täglich zu börsennahen Preisen ein.“ Deshalb würden sich die Preisbewegungen auch schnell an den Tankstellen widerspiegeln, sowohl bei steigenden als auch bei sinkenden Preisen.

Tricksen die Mineralölkonzerne?

Dieser Darstellung widerspricht der ADAC. Er wirft der Mineralölwirtschaft eine unangemessene Preissetzung vor. Der Anstieg des Rohölpreises werde ohne Verzug an die Verbraucher weitergegeben, bevor die Kosten überhaupt anfallen würden, heißt es in der Mitteilung. Die Tanklager seien gefüllt mit Kraftstoffen aus Öl, das zu niedrigeren Preisen erworben wurde.

Politik schaltet sich ein

Eine Verbesserung der Preissituation aus Verbrauchersicht ist auf die Schnelle nicht zu erwarten. Die geopolitische Lage bleibt weiterhin angespannt. Die Politik schaltet sich jedoch ein: Bundeswirtschaftsministerin Katharina Reiche kündigte jüngst eine Prüfung des Bundeskartellamts an. Ein Tankrabatt wie 2022 ist vom Tisch.

Der ADAC rät, das Tanken zwischen 7 und 8 Uhr morgens zu vermeiden. Dann seien die Preise am höchsten. Wer in Grenznähe wohne, könne auch im Ausland tanken, da die Preise dort in der Regel niedriger sind. In einem sind sich der ADAC und Oest aber einig: Engpässe bei den Kraftstoffen seien nicht zu erwarten.

So setzt sich der Spritpreis zusammen

Der Benzinpreis
– bei Super E10 etwa – setzt sich aus der fixen Energiesteuer (65,4 Cent), der variablen CO2-Abgabe (Anfang März bei 15,7 Cent) sowie der Mehrwertsteuer von 19 Prozent zusammen. Den Rest machen dann die eigentlichen Kosten für den Kraftstoff – also den Rohölpreis, Raffineriekosten, Transport, sowie Gewinnmargen der Mineralölkonzerne und Tankstellen – aus.

Bei Diesel
liegt die Energiesteuer bei 47 Cent. Die CO2-Abgabe lag Anfang März bei 17,3 Cent.