Ein vollgepacktes Schnurrprogramm erlebten die Besucher in den Wolfacher Lokalen.
Acht Schnurrgruppen zogen in Wolfach durch die Lokale der Innenstadt. Material für den gereimten Narrenspott gab es reichlich. Unterhaltung und Gelächter waren für die zahlreichen Gäste garantiert.
Bei den „Kirchplatzschnallen“ ging es um einen Reiseplan-Fauxpas von Sparfuchs Ute Riester. Für den Wohnwagen eine neue Matratze zu kaufen, kam für sie nicht infrage. Stattdessen wurde das gute Stück auf dem Sperrmüll aufgetrieben, leider viel zu groß, um mit dem Fahrrad abtransportiert zu werden. Die Lösung: Einige Passanten wurden als Aufpasser engagiert, bis Riester mit dem Auto zurück war. Denn: „Geh ich weg von diesem Fleck, ist die Matratze weg.“ Doch einen Nachteil gab es mit der Sperrmüll-Ausrüstung: mysteriöse Flecken. Der gut gemeinte Rat: „Lieg nicht in die Matratze vom Sperrmüll rein, da können viele Dinge außer Federn sein.“
Auch mit „Combo Communale“ ging es auf Urlaubs-Irrfahrt, mit der Wolfacher Coverrock-Band „Big Mama“. Auf einer Bootsfahrt in Norwegen machten deren Mitglieder ein ausgiebiges Fotoshooting in der Natur, wobei gleich zwei Smartphones ihr nasses Grab fanden. Das Handy von Paulo Pedrosa war auf den Boden gefallen und Richtung Kante gerutscht, bei einem Rettungsversuch durch Carsten Boser flog seines gleich hinterher: „Sie gleiten kurz noch übers Deck, zwei, drei Sekunden, dann sind sie weg.“ Bei einem verzweifelten Sprung ins Wasser gewann die eisige Kälte gegen den Neoprenanzug und Pedrosa musste beide Handys aufgeben.
Beißender Spott zum neuen städtischen Logo
Nass wurde ebenfalls der Protagonist der „Pflasterfeger“, die Geschichten aus dem politisch instabilen Ausland, auch bekannt als Oberwolfach, an den Mann brachten. Für Fußballfan Thorsten Heizmann gebe es nur ein wahres Bier: „Jäger-Spezial“ aus einer Böblinger Brauerei. Dort habe er ein Spezial-Schnäppchen mit sechs Kästen gemacht, aber leider die Spezial-Sicherung vergessen. Ein folgenschwerer Fehler. Es brauchte nur eine Vollbremsung: „Ein wahrer Albtraum in Scherben und Schaum bedeckt schon den ganzen Fahrerraum.“
Musikalisch-kreativ machten die „Pflasterfeger“ mit einer Parodie weiter: „Mich hat ne Bierkist attackiert, des isch mir so noch nie passiert.“ Heizmanns Pechsträhne ging jedoch noch weiter: Als Öl aus dem Auto tropfte, rief er seinen Vater mit Ölbindemittel zu Hilfe – das sich erst nach dem Verstreuen mehrerer Säcke als Palmendünger herausgestellt habe. So bekomme Wolfach mit „Palmen am Kinzigdamm“ wenigstens eine neue Attraktion.
Die Narrenkapelle verhinderte eine zweite Lücke im Ablauf
Große Pläne für die Stadt präsentierten „Wunderfitz un Brägelschnitz“, die das neue Wolfacher Logo aufs Korn nahmen. Schließlich seien „Z’wenig zum Lebe, z’viel zum Sterbe“ oder „The Städt“ immer noch besser als die teure „himmlische Eingebung“ einer Werbeagentur. Wie gut, dass es da engagierte Gärtner wie Angelika Kalmbach-Ruf gebe, die mit bezaubernden Rosenbüschen die Werbung selbst in die Hand nähmen. Von den Schnurranten gelobt mit der „Gute Laune“-Parodie „Wir haben oben schöne Rosen, unten schöne Rosen …“ Aus Angst um die zarten Pflanzen habe die Hobbygärtnerin sich eine Rosen-Markise andrehen lassen, wochenlang auf die Montage gewartet und sei mit dem Elektriker schließlich an der Anleitung verzweifelt.
Den am Ende des Sommers allen Anstrengungen zum Trotz verwelkten Rosen habe selbst der teure Umbau der Markise nicht genützt, denn: „Die Moral von der Geschicht: Rosen brauchen Sonnenlicht.“
Da zwei Gruppen pausierten, war die Narrenkapelle mit den Hansele allein unterwegs, um eine zweite Lücke im Ablauf zu verhindern. Und das in so großer Zahl, dass es selbst in den größeren Lokalen eng wurde.
Auch der Bürgermeister bekam sein Fett weg
Die Musiker Tobias Haupt und Johannes Ludwig hatten ihre eigene, von den Halbmeilern „recycelte“ Schnurre dabei. Die Schafe vom angrenzenden Kleintierzuchtverein-Gelände, die den TuS-Bolzplatz am Biesle abgegrast hatten. Ende vom Lied: Der Platz war gemäht, musste aber auch gereinigt werden.
„Kommando Enkeltrick“ ließen keine Gelegenheit aus, sich darüber lustig zu machen, dass sie es auch zu zweit mindestens auf den „Unterhaltungswert der Weihnachtsansprache“ brächten. Anschließend gingen sie auf Ersatzsuche für den fehlenden René Plaasch. „Mir hen da scho an d’Bürgermeister dacht, aber ob er des in 20 Minuten Zeitbegrenzung schafft?“ Auch sonstige Rathausmitarbeiter wurden abgelehnt, sonst müssten die mehrere Stunden am Stück arbeiten.
„PUB“ traten als Bauarbeiter für die vielen Baustellen in Wolfach auf. Nur die Ruine des „Zähringer Hofs“ werde auch nach Jahrzehnten nicht abgerissen, bemängelten sie. Die neue Wohnanlage am „Herrengarten“ sei aber nicht besser: Man gehe wohl nach dem Motto „Brachialer bombenfester Beton-Bunker-Bollwerk-Bau“ vor, weder ästhetisch schön noch nachhaltig. So viele Bäume, wie für das Projekt bei den Schlossanlagen hätten weichen müssen, da könne man ja auch gleich noch das Schloss abreißen, schlugen „PUB“ vor: Dann hätten die Bewohner freie Sicht bis zum Rathaus. Mit einer zweiten Schnurre ging’s nach Thailand. „Du kriegsch’s nit am Kopf, un au nit am Arm, in Thailand kriegsch halt Magen-Darm.“ Zum Drama wurde die ganze Aktion, weil es für fünf kranke Urlauber nur eine Toilette gab. Aus dem „Eiskönigin“-Hit „Ich lass los“ machten die Schnurranten „Ich muss groß“ und ernteten viel Gelächter.
Die „Tresen Tratscher“ reisten bis zur letzten Fasnet zurück, samt einer Neufassung des „Wolfacher Durscht“. Am Aschermittwoch-Morgen 2025 hatte Louisa Schamm auf ihrem Balkon zwei Deko-Hexen gefunden, ohne zu wissen, wie die dort hingekommen waren. Hatte sie die Figuren aus einem Nachbarsgarten mitgehen lassen? „Der Weg war sehr beschwerlich, das sagen wir jetzt hier. Das ist das Ergebnis von Schnaps und Wein und Bier.“ Erst Monate später verrieten ihr die Schwiegereltern, dass sie für das Hexen-Chaos verantwortlich waren, weil sie meinten, die hässliche Deko könnten sie unmöglich im Garten hängen lassen.
Die Schnurranten
Musik und Hansele: Tobias Haupt und Johannes Ludwig. „Kommando Enkeltrick“: Jochen Huber und Oli Kiefer. „Die Pflasterfeger“: Mathias Kern, Matthias Lehmann und Fabian Schmider. „PUB“: Philipp Heitzmann, Jakob Zwikirs mit Elias, Sebastian und Valentin Kopp. „Die Tresen Tratscher“: Helena und Lara Gutmann, Nadine Oberle sowie Andreas Schamm. „Combo Communale“: Sebastian Carosi, Andreas Hauer, Benni Hiller und Christian Oberfell. „Wunderfitz un Brägelschnitz“: Anita Böhler, Hans Glunk, Bruno Heil und Bernd Schillinger. „Die Kirchplatzschnallen“: Anja Kopp, Heike Schamm und Gregor Huber.