Trotz Bundestagswahl fand am Sonntag das traditionelle Schnurren statt. Fast sechs Stunden lang zogen neun Gruppen durch die Lokale, um mit Witz und humorvollen Reimen über die zahlreichen Missgeschicke aus dem vergangenen Jahr zu berichten.
Im Gepäck hatten die Gruppen amüsante Geschichten, bissige Pointen und humorvolles Schnurr-Geschick. Als neues Lokal war die Kegelbahn dabei.
Die „Kirchplatz-Schnallen“ dichteten über Erdbeer-Liebhaberin Sonja Harter: „Sie will Erdbeeren satt, wenn sie keine hat, fährt sie in die Stadt und macht alles platt.“ Thema war Harters Großbestellung von 20 Kilogramm. Harter sei zu spät aufgefallen, dass die Lieferung mitten in ihren Urlaub fiel, so dass Christine Sum die Erdbeeren für sie verarbeiten musste. Warum Sum für den Einsatz keine Bezahlung verlangte, war den Schnurranten ein Rätsel.
Die „Parisser Unfall Behörde“ unter dem Kürzel „Pub“ hatte nicht nur ihre Schnurre, sondern auch die Narrenkapelle und Hansele dabei. Sie schnurrten zum letzten Auswärtsspiel der vergangenen Saison der Handball-Damenmannschaft. Da der Aufstieg vom Spiel abhing und viele Fans dabei waren, hatte Ann-Katrin Hirt die Idee, für die Party im Bus einen Bluetooth-Lautsprecher zu kaufen. Das Problem: Das Lieferdatum war erst nach dem Spiel. Aufwendig ermittelte Hirt eine Spedition, um im Bus festzustellen, dass der Lautsprecher nur einen Kabelanschluss besaß. „So blieb dann die Busfahrt stumm, weil Anki verpennt hat, ganz adrett, dass die Box kein Akku het.“
Mit Blick auf die Wahl merkte das „Kommando Enkeltrick“ an, dass man Berlin nicht brauche. Man könne auch in Wolfach ein Kabinett zusammenstellen: das Bankhaus Faisst als Finanzministerium, die Rungunkeln als Wirtschaftsminister oder die Narrenpolizei als Kanzler-Leibgarde. Und mit Mc Donald’s werde Wolfach wieder „charmant für die Jungen“. Dafür schlugen sie spezielle Wolfach-Angebote vor, wie den Mc Röschele. „McGeppert hat kei Würze un kei Duft, des isch nur a Schachtel heiße Luft.“
Die „Pflasterfeger“ zogen eine Wohnmobil-Inspektion von Heiner und Inge Oberle durch den Kakao. Wegen der Entfernung musste Inge mit dem Zweitwagen fahren, um ihren Mann wieder nach Hause zu bringen. Mit leerem Tank sei sie dann mitten im Wald und ohne Empfang liegen geblieben, was Heiner erst in der Werkstatt bemerkte. „Inge und der Smart beide nicht da, Heiner schüttelt den Kopf, das war doch klar.“ Inge habe es aber mit viel Überredungskunst geschafft, eine Polizeistreife als Taxi zu verwenden.
Neue Drohne verfängt sich in einem Baum
Die „Lückenfüller“ parodierten Helmut Schneider, der sich eine Drohne anschaffte. „Fängt der Bauer an zu fliegen, wird die Schwerkraft meistens siegen“, hieß es. Es kam, wie es kommen musste – die Drohne verfing sich in 30 Metern Höhe in einem Baum. Weder Leiter noch Fernbedienung nutzten. Schneiders Lösung: Den Baum fällen. Doch auch diese Aktion war nicht erfolgreich, denn: „Es isch wie in nem schlechten Traum – erst fällt die Drohne, dann der Baum“, und zwar auf das neue Fluggerät.
Unter dem Motto „Emanzipation mit dem Doppel-X-Chromosom“ stellte sich die neue Gruppe „Vorstadtbixxen“ vor. Durch den Kakao gezogen wurde Sonja Harter, die trotz Skiurlaubs am nächsten Tag bis spät in die Nacht bei der Ordensverleihung der Narrenzunft feierte – schließlich wurde sie selbst geehrt. Doch Harter hatte einen Plan: in Skimontur im Auto übernachten. „In deinem Alter noch so motiviert: Ordensvergabe und Skiurlaub nebenher jongliert.“ Nur einen Nachteil gab es: Die panische Suche von Harters Ehemann, der seine Frau schon alleine im Urlaub vermutete.
Die „Tresen-Tratscher“ fanden bei der Stadtkapelle Schnurr-Material. Die machte einen Ausflug zum Canstatter Wasen. Pünktlich zur Abfahrt war Frank Haupt weder auffindbar noch erreichbar, so dass der Bus eine Extrarunde drehte, um ihn einzusammeln. Aus „Verdammt, ich lieb dich“ wurde „Verdammt, wo isch der Bus, wo isch er hin?“. Die Gruppe zog ihre eigenen Schlüsse: „Warum isch Pondus verwirrt durch die Gegend gerannt? Es lag nicht am Bier, sondern am Schwabenland.“
„Combo Communale“ plante im amerikanischen Stil, Wolfach wieder „great“ zu machen. Das sei nötig, schließlich sei die Stadt oft wie ausgestorben und vieles gehe nur langsam voran. So nahmen sie die Stadttor-Sanierung auf’s Korn. In Hausach habe man es in kaum längerer Zeit geschafft, die Baustelle am Tunnel fertigzustellen. „Man könnt’ glatt meinen, sie geh’n in die Vollen, und bauen gleich ‘nen Rettungsstollen.“ Wolfachs Rettung: Mc Donald’s gegen Kneipensterben. „Mir finden’s jetzt schon genial, nächstes Jahr wird Mc Donald’s Schnurrlokal.“
Ein Fußballabend bei Michael Schillinger wurde von „Wunderfitz un Brägelschnitz“ parodiert. Erst nachdem das Bayern-Spiel schon eine halbe Stunde lief, fiel auf, dass es sich um eine Wiederholung des Hinspiels vergangener Woche handelte: „Der zwölfte Mann ist jetzt schockiert, das ist uns ja noch nie passiert.“ Bemerkt habe das ausgerechnet Frau Anette Schamm, die mit Fußball nichts am Hut habe.
Die Schnurranten
„Die Kirchplatzschnallen“: Anja Kopp, Heike Schamm und Gregor Huber; „Pub“: Philipp Heitzmann, Sebastian und Valentin Kopp, Jakob Zwikirs; „Kommando Enkeltrick“: Jochen Huber, Oliver Kiefer und René Plaasch; „Die Pflasterfeger“: Mathias Kern, Matthias Lehmann und Fabian Schmider; „Die Lückenfüller“: Klaus Heil, Didier und Katja Juillard, Achim Müller und Hannes Schrempp; „Die Vorstadtbixxen“: Lisa Harter, Larissa Plaasch und Sarah Schondelmaier; „Die Tresen-Tratscher“: Nadine Gad, Helena und Lara Gutmann, Corina Harter und Andreas Schamm; „Combo Communale“: Sebastian Carosi, Andreas Hauer, Benjamin Hiller, Thomas Moser und Christian Oberfell; „Wunderfitz un Brägelschnitz“: Anita Böhler, Hans Glunk, Bruno Heil und Bernd Schillinger.