In Schura bei der Kellenbachschule gibt es bereits diesen Übergabepunkt , so dass schon bald die Häuser im ersten Abschnitt zwischen Hohenberg- und Kellenbachstraße mit dem schnellen Internet ausgestattet sein werden. Foto: Ingrid Kohler

Innerhalb weniger Wochen sind in Schura Leerrohre in 300 Gebäude eingezogen worden.

Früher als erwartet ist in Schura mit den Arbeiten für den Ausbau des schnellen Internets begonnen worden und dies in umgekehrter Reihenfolge als zunächst geplant.

 

„Die beginnenden Baumaßnahmen haben die Kommunikation überholt“, blickte Ortsvorsteher Wolfgang Schoch in der letzten Sitzung vor der Sommerpause auf die für ihn etwas aufregende erste Juli-Woche zurück. „Die ersten Bauarbeiter waren schon an oder vor den Häusern, bevor die Eigentümer überhaupt darüber informiert werden konnten.“ Doch die Wogen hätten sich schnell geglättet.

Schneller Baubeginn

„Die Baufirma aus Mannheim verrichtet gute Arbeit, wie man mir mehrfach berichtete – aber ich habe auch ständig nach ihnen geschaut.“ Mit Stand vom 29. Juli seien von der Baufirma mit ihren vier Bautrupps in rund 300 Häuser Leerrohre eingezogen worden. In weiteren Häusern sind diese im Zuge der Verlegung von Gasleitung und Stromkabel in der Erde durch die Stadtwerke Trossingen bereits vorhanden. Insgesamt habe Schura 580 Wohn- und Geschäftsgebäude. „Wer von den Hausbesitzern jetzt noch aufspringen und sein Haus mit Glasfaser ausstatten möchte, kann dies noch tun, solange die Baufirma im Ort ist“, so Schoch. Danach müsse jeder sich selbst um den Tiefbau und Anschluss kümmern.

„Die einzige Voraussetzung für einen kostenlosen Anschluss ist ein Zwei-Jahres-Vertrag bei der Netcom.“ Angesichts der Baupreise sei dieser Betrag aber deutlich günstiger als ein nachträglicher Einbau. Der Einbau der Hauptleitungen in den Straßen und Gehwegen laufe an. „Die Ablaufpläne hierzu werden noch bekanntgegeben“, so Schoch. Die Projektierung erfolge abschnittsweise.

Von Norden nach Süden

Das Gebiet von der Hohenbergstraße bis zur Kellenbachstraße werde als erstes erschlossen. „Danach geht es weiter von Norden nach Süden, immer in ähnlich großen Abschnitten“. Sobald ein Abschnitt voll erschlossen ist, werde dieser sofort aktiviert. „Das heißt, die Hausbesitzer können sofort das Glasfasernetz in Anspruch nehmen.“

Möglich sei dies, weil Schura durch die Breitbandinitiative bei der Kellenbachschule einen Übergabepunkt, einen sogenannten PoP (Point of Presence), erhalten habe. „Ursprünglich sah es so aus, als würde zuerst das gesamte Dorf erschlossen und erst danach freigeschaltet.“ Da in jedem Bauabschnitt von der Netcom ein Schaltkasten eingebaut wird, ähnlich aussehend wie die Schaltkästen der Stadtwerke Trossingen, sei die Freischaltung aber abschnittsweise möglich.

Abschnitt für Abschnitt

„Für die Inhouse-Vernetzung, also die Verkabelung vom Hausanschluss in die Wohnung, die vor der Nutzung notwendig ist, ist aber jeder Hausbesitzer selbst verantwortlich“, so der Ortsvorsteher. Um auch diesbezüglich schnell vorwärts zu kommen, habe er mit der Netcom schon vor Wochen Gespräche geführt. „Denn für mehrere hundert Häuser auf Anhieb Elektriker zu bekommen, dürfte sich als problematisch bis aussichtslos erweisen“. Mit der Netcom habe man nun einen Fachbetrieb aus Bad Saulgau gefunden, der auf die Inhouse-Vernetzung spezialisiert sei und mit der ENBW in einem Vertriebs- und Service-Vertrag stehe. „Die Aufträge hierzu müssen jedoch von jedem Hausbesitzer selbst erteilt werden“. Selbstverständlich sei es möglich, dass jeder Hausbesitzer die Inhouse-Vernetzung über seinen Fachbetrieb vornehmen lasse.

Keine vorschnelle Kündigung

„Lediglich die Masse der Aufträge, die auf die Fachbetriebe nun zukommen werden, und dies nicht nur aus Schura, haben mich bewogen, in diese Richtung zu denken und eine Lösung zu finden“, betonte Wolfgang Schoch. Ganz wichtig sei auf alle Fälle, dass keine vorschnelle Kündigung beim bisherigen Anbieter (Telekom oder Vodafone) vorgenommen werde. „Dies erledigt die Kundenbetreuung von Netcom, und zwar tagesgenau, so dass niemand Gebühren doppelt entrichten muss.“

Der Landkreis Tuttlingen hat vor wenigen Jahren die Breitbandinitiative gegründet, da erkannt worden war, dass Hausanschlüsse mit dem Kupferkabel oder Vektoring oder Coaxkabel in wenigen Jahren den Erfordernissen nicht mehr entsprechen oder ganz abgeschaltet werden. Von Gemeinde zu Gemeinde wurden die Hauptleitungen für Glasfaser gelegt, aber die Gemeinden für den Innenausbau selbst verantwortlich gemacht.

Schnelle Umsetzung

In Schura wurde dies schnell umgesetzt, mit der Netcom, einer Tochtergesellschaft der ENBW ein Vertrag abgeschlossen. Nach dem Startschuss zur Vorvermarktung für den flächendecken Ausbau mit dem Glasfasernetz im letzten Herbst bis zum Stichtag am 20. Dezember war rund 60 Prozent an Verträgen erreicht (die Mindestanforderung war 40 Prozent). Eigentlich wären für den weiteren Innenausbau in den Gemeinden Fördermittel möglich, und zwar bis zu 90 Prozent, so dass die Kommunen nur zehn Prozent aufwenden müssten. Diese Förderung kam aber nicht zum Tragen, da Schura mit den vorhandenen Leitungen von Telekom und Vodafone als versorgt gilt, obwohl diese zeitlich begrenzt sind. Gemeinden, die auf Fördermittel hoffen, können leer ausgehen, da der Fördertopf zwischenzeitlich nicht nur überzeichnet, sondern seitens des Bundes sogar reduziert worden ist.