Die „Deutsche Glasfaser“ wirbt für ihr Glasfasernetz – unter anderem in Nordstetten.Doch noch reicht die Quote nicht. Foto: Florian Ganswind

Brain4Kom hat 50 Prozent der Eigentümer für Glasfaser zusammen. Talheim, Mühlen, Dettlingen, Dießen, Isenburg und Mühringen können auf den Glasfaseranschluss hoffen. Schauen die Orte der „Deutschen Glasfaser“ in die Röhre?

Wer hat bald schon das schnellste Internet? Zwei Anbieter erkunden den Markt in Horb. Die von Brain4kom betreuten Ortschaften von Horb können hoffen, die der „Deutschen Glasfaser“ müssen bangen. Erst 20 Prozent der Eigentümer haben dort bestellt. Droht Horb jetzt die Glasfaserspaltung?

 

Michael Laschinger aus Bildechingen schiebt Frust. Er hat den Vorvertrag mit der Deutschen Glasfaser abgeschlossen und gehofft, dass er den schnellen Glasfaseranschluss bekommt.

Wie weit Deutsche Glasfaser vom Ziel entfernt ist Doch: Die Deutsche Glasfaser hat nach eigenen Angaben im Internet erst 20 Prozent der Grundstückseigentümer überzeugen können, zu unterschreiben. 33 Prozent war die Quote, die sich das Telekommunikationsunternehmen gesetzt hatte. Die Frist wurde bis zum 10. März verlängert. Heißt: Laschinger muss zittern, ob er in Bildechingen einen schnellen Glasfaseranschluss bekommt.

Doch warum ruckelt es bei der Deutschen Glasfaser? Das Angebot läuft in Altheim, Bildechingen, Dettensee, Dettingen, Grünmettstetten, Horb, Ihlingen, Nordstetten und Rexingen.

„Manchmal braucht es etwas Zeit“, sagt Diana Stiebe, Pressesprecherin der Deutschen Glasfaser Holding GmbH. Es sei nur zu mutmaßen, was die Gründe für die eher schleppenden Zahlen seien. Mit Blick auf die jeweiligen Ortsteile des „geteilten“ Gebiets könnte es aber sein, dass der Leidensdruck bei den einen größer sei, als bei den anderen. Tatsächlich kümmert sich die Deutsche Glasfaser um Orte, die noch recht gut in Sachen Internet angeschlossen sind – beispielsweise Nordstetten.

Die Deutsche Glasfaser hat erst 20 Prozent der Eigentümer in Altheim, Bildechingen, Dettensee, Dettingen, Grünmettstetten, Horb, Ihlingen, Nordstetten und Rexingen überzeugt. Schauen diese Orte beim schnellen Internet in die Röhre? Foto: Screenshot Deutsche Glasfaser/Lück, Jürgen

Gute Nachrichten von „Brain4kom“ Hermann Walz aus Talheim dagegen kann sich freuen: „Ich war damals in der Bürgerinitiative und hatte einen der ersten Anschlüsse in Horb. Jetzt hat mein Vermieter bei Brain4Kom unterschrieben. Und ich freue mich, bald die schnelle Glasfaser-Leitung bis ins Haus zu bekommen.“

Alexander Siebich, Vorstand von Brain4kom, sagt: „Wir haben bis zum Ende der Vorvermarktungsphase am 31. Januar über 50 Prozent Vorverträge erreicht. Der Ausbau kommt.“ Brain4kom hat das Markterkundungsverfahren in Talheim, Mühlen, Dettlingen, Dießen, Mühringen, Betra und Isenburg durchgeführt. Und verspricht: Der Ausbau soll vielleicht noch in diesem Jahr starten.

Warum war Brain4kom erfolgreich? Siebich: „Wir haben im Rahmen der Vorvermarktungsaktion 500 Euro für einen Hausanschluss verlangt und haben damit keine Probleme gehabt. Im Gegenteil: Unsere Argumentation ist, dass wir auf verlässliche und regionale Unternehmen beim Ausbau setzen, die dann keine Dumping-Preise anbieten. Das wiederum sorgt für eine hohe Qualität während der Baumaßnahmen, sodass die Anwohnerinnen und Anwohner dadurch möglichst wenig beeinträchtigt werden. Dass die Deutsche Glasfaser im Gegensatz zu uns in Horb ihre Anschlüsse für Null Euro vermarktet, belegt aus unserer Sicht, dass ein kostenloser Hausanschluss nicht das primäre Argument bei der Vermarktung ist.“

Die Firma ist zuversichtlich, dass während der Ausbauphase weitere Kunden aufspringen. Vorstand Siebich: „Unsere Erfahrung – nicht nur in Horb am Neckar – zeigt, dass der Bedarf nach Glasfaser im ländlichen Raum weiterhin hoch ist.

Bleiben die anderen Orte in Horb jetzt auf langsamen Anschlüssen sitzen? Rathaussprecherin Inge Weber erklärt das Prozedere: „Die OEW Breitband hat die Netze ausgeschrieben. Sie entscheidet über die Vergabe. Die Deutsche Glasfaser hat bei der OEW-Breitband eine Fristverlängerung bis zum 10. März beantragt, um zu versuchen, die fehlenden Eigentümer zu überzeugen. Fakt ist: Sowohl Deutsche Glasfaser als auch Brain4Kom müssen – wenn sie den Vertrag mit der OEW machen – den Ausbau bis Ende 2026 zu Ende führen.

Kann sich Brain4kom vorstellen, auch in anderen Orte einzusteigen, falls die „Deutsche Glasfaser“ nicht in Horb investiert? Alexander Siebich, Vorstand von Brain4kom: „Das ist derzeit nicht geplant, da wir uns zunächst auf den Ausbau der sieben Ortsteile konzentrieren werden, in denen wir vorvermarktet haben.“

Was heißt das für alle, die im Deutschen Glasfaser-Gebiet wohnen und einen Glasfaser-Anschluss wollen? Möglicherweise sollten die Interessenten bei ihren Nachbarn klingeln und versuchen, diese zu überzeugen, den Vorvertrag mit der Deutschen Glasfaser zu unterschreiben. Diesen Vorschlag macht auch Pressesprecherin Siebe: Jetzt ist der Ansatzpunkt, dass diejenigen, die sich entschieden haben, im Freundeskreis, Bekanntenkreis Kontakt aufnehmen und sagen: ‘Macht doch auch mit.‘“

Allerdings klingt Stiebe nicht so pessistimistisch, wenn sie sagt: „Die rund 21 Prozent, die wir schon haben, sind nicht wenig. Das sind ja fast ein Viertel aller potenziellen Kandidaten.“ Doch was sind die Argumente zu wechseln, wenn man schon einen recht guten Internet-Anschluss besitzt? Stiebe: „Glasfaser ist weniger anfällig und nachhaltiger, was den Ressourcenverbrauch angeht. Es ist die Zukunftstechnologie, Es wird alles digitaler werden – Telemedizin wird wichtiger, auch das Arbeiten wird digitaler.“

Das steckt hinter dem Glasfaser-Dilemma von Horb

Breitband
Die Telekom hatte ab 1999 in Deutschland die Kupferleitungen und die Kabel-TV-Leitungen genutzt, um das erste schnelle Internet aufzubauen. Im Rahmen der Deregulierung wurde sie gezwungen, Teile des Netzes zu verkaufen. So entstand unter anderem Kabel BW, dass jetzt an Vodafone verkauft wurde.

Folge für Horb
Weder in Altheim noch in Nordstetten gibt es dieses Kabel-Breitbandnetz. Dafür in Horb – beispielsweise beim Schwabo. Die Stadtwerke Horb haben sich deshalb des Themas angenommen. Haben Leerrohre für Glasfaser verlegt bzw. Talheim mit Glasfaser bis zu den Verteilerkästen versorgt. Die Stadtwerke hat ihre Glasfaser-Aktivitäten in die Servicegesellschaft ausgegliedert. Der Erfolgsplan bei der Ausgliederung im Jahr 2020 prognostizierte für das Jahr 2024 einen Fehlbetrag in Höhe von 428 000 Euro.