Damit die modernen Elektrotriebwagen auch bei starkem Schneefall planmäßig vorankommen, steht in Freudenstadt ein Schienenschneepflug bereit, um die Strecken für die Züge zu räumen. Foto: Lothar Schwark

Der Schienenschneepflug steht bereit. Seine Haupteinsatzzeit hatte das Gefährt zwar in den 70er-Jahren, als es teils tage- und wochenlang im Dauereinsatz war, doch das rote Eisen-Ungetüm kommt auch heute noch zum Einsatz.

Wenn rund um Freudenstadt starker Schneefall einsetzt, ist die Bahn auf den Strecken des Freudenstädter Sterns gefordert. Für besonders große Schneemassen steht in der Abstellhalle des Freudenstädter Stützpunkts ein Schienenschneepflug der Baureihe Typ 851 bereit. Dieser wurde 1974 von der Firma Beilhackmaschinen Maschinenfabrik in Rosenheim gefertigt.

 

Im Bedarfsfall wird der Schienenschneepflug von einer Diesellok 218 geschoben. Der Lokführer bleibt auf der 218, während der Schneeflugbediener mit dem Lokführer über eine Kabelverbindung verbunden ist und so den Kontakt hält.

Fünftägige Ausbildung

Für die Murgtalstrecke kann zudem noch der Schneepflug der Albtal-Verkehrs-Gesellschaft (AVG) mitgeführt werden. Der ist während der Sommermonate am Stadtbahnhof abgestellt. Der Bahn-Pflug selbst ist während des Jahres in der Lokhalle am Freudenstädter Hauptbahnhof stationiert.

Um den technisch aufwendigen Schneepflug bedienen zu können, muss das Fachpersonal eine fünftägige Ausbildung absolvieren. Als Fahrtenleiter sind Thomas Meyer und Markus Denner gefordert. Frank Schlotz, Stephan Burger, Carmen Schiel, Rene Röser, Michael Dettinger und Armin Wacker wurden als Bediener des Schienenschneepflugs ausgebildet.

Räumschaufel kann ausgefahren werden

Wird Schnee geräumt, kann die Räumschaufel bis zu einer maximalen Breite von 6,20 Metern ausgefahren werden. Das komme jedoch in der Praxis nahezu nie vor, berichtet Meyer.

Signale zeigen dem Bediener an, ob er den Schneepflug während der Fahrt heben oder senken muss. „Maximal ist man beim Schneepflugeinsatz mit bis zu 50 Kilometern pro Stunde unterwegs“, informiert Meyer, der zudem auch Leiter der Freudenstädter Lokführerstelle ist.

Schienenschneepflug ist in Villingen-Schwenningen

Im Bereich des Freudenstädter Sterns war das rote Eisen-Ungetüm in den vergangenen Jahren nur noch selten unterwegs – das letzte Mal im Januar 2022 und im Januar 2021 bei Schneehöhen ab 30 Zentimetern oder Schneeverwehungen.

Der letzte große Einsatz wurde vom 3. bis 6. Dezember 2023 in Bayern gefahren, berichtet Meyer. Von Holzkirchen aus wurden mehrere eingeschneite Voralpenstrecken geräumt. Das war sehr interessant, schildert Meyer, der von Holzkirchen aus von einem örtlichen Fahrtleiter begleitet wurde.

Ein weiterer Schienenschneepflug ist in Villingen-Schwenningen für die Schwarzwaldbahn stationiert. Der ist im Bedarfsfall mit einer Fräse ausgerüstet.

Wilde Winter der 70er-Jahre

Altgediente Freudenstädter Lokführer erinnern sich noch an die wilden Winter der 70er-Jahre. Da war der Schneepflug teils tage- oder gar wochenlang im Einsatz. Letztmals war er ab dem 1. März 1988 richtig gefordert. Da fiel innerhalb von 24 Stunden in Freudenstadt mehr als ein Meter Neuschnee. Am 7. März meldete die Wetterwarte des Deutschen Wetterdienstes auf dem Kienberg rund 1,60 Meter Schnee.

So dick wird es wahrscheinlich nicht mehr allzu oft kommen. Aber auch in Zeiten des Klimawandels ist man in Freudenstadt in der Zukunft auf massive Wintereinbrüche vorbereitet.