Martina Schmid ist nebenberuflich leidenschaftliche Brennerin. Foto: Holderied

Martina Schmid hatte zum Start der Coronapandemie eine wunderbare „Schnapsidee“. Der Lombacher Schnapswanderweg zieht dabei nicht nur Männergruppen an.

Von Montag bis Donnerstag geht die gebürtige Lombacherin Martina Schmid ihrer Tätigkeit als Betriebswirtschafterin in einem Industriebetrieb nach, doch von Freitag bis Sonntag widmet sie sich ihrer anderen Leidenschaft: der Brennerei. Zu Beginn der Coronapandemie entstand damals die „Schnaps-Idee“, so Schmid, für den Lombacher Schnapswanderweg. Ihre Leidenschaft für die Brennerei teilt sie mit ihrem Vater Siegfried Heinzelmann, der bereits seit über 40 Jahren in seiner Brennerei in Lombach verschiedene Edelbrände herstellt.

 

Selbstgebrannte Familien-Schnäpse an fünf Stationen

Im November zu Corona bin ich dann in Lombach 15 Mal im Kreis gelaufen, um eine schöne Strecke zu finden“, erinnert sich die 43-Jährige. Schließlich fand sie eine, wie sie selbst sagt, „romantische Route“ am Fischbachtal. An insgesamt fünf Stationen können Liebhaber des Hochprozentigen die selbstgebrannten Familien-Schnäpse verköstigen. Auf dem 6,7 Kilometer langen Wanderweg zwischen Wald und Wiesen kommen die Gäste an genau den Bäumen und Sträuchern vorbei, an denen sich Schmid tatsächlich zur Herstellung ihrer Schnäpse bedient. „Ich brenne exklusiv das, was in Lombach wächst, ich höre an der Gemarkungsgrenze auf zu sammeln“, sagt sie und lacht.

Von der Frucht zum Destillat

Statt typischem Streuobst wie Äpfel, Birnen, Kirschen oder Zwetschgen verwendet sie Früchte aus dem Wald für ihre Schnäpse. „Dadurch dass wir hier eben eine Waldlandschaft haben, brenne ich die Früchte des Waldes“, sagt Schmid im Gespräch mit unserer Redaktion. Bei der Schnapsproduktion entstehen dann beispielsweise der Waldbeerenlikör, der Fichtenspitzengin oder der Waldhimbeergeist.

Vom Himbeergeist bis zum Wiesenkräuterlikör

Der Schnapswanderweg sei eine Art „Schnaps-Tasting auf zwei Beinen“, so die 43-Jährige. An jeder Station gebe es andere Schnäpse, da sei „für jeden Gaumen“ etwas zu finden – probieren könne man zum Beispiel Himbeergeist, Goldapfel oder „Walnuss“. Auf Anfrage biete sie sogar eine geführte Variante mit passendem „Food-Pairing“ an.

Die gebürtige Lombacherin wechselt außerdem die Schnäpse passend zur Saison: In einigen Wochen werde der Wiesenkräuterlikör durch einen Holunderlikör ausgetauscht, und statt eines Likörs aus grünen Walnüssen werde ein Quittenlikör aufgetischt.

Martina Schmid an der ersten Station ihres Schnapswanderweges Foto: Holderied

Und das Angebot werde eifrig angenommen, berichtet sie. Etwa 30 bis 40 Wanderer gehen an einem Wochenende am Lombacher Schnapswanderweg an den Start. Auch ganze Gruppen buchen das Angebot: Männer- oder Frauengruppen, Touristen, befreundete Ehepaare, Vereine oder ganze Familien. Touristen nutzen die Schnapswanderung oft auch als „Schlecht-Wetter-Programm“. Mit Regenponcho und Schirm seien schon so einige Gruppen losgestapft, erinnert sich Schmid. „Für den Schnapswanderweg reicht es immer, das kann man sich sonst auch ein bisschen schön trinken“, schmunzelt sie.

Nach der Eröffnung des Wanderwegs seien auch vermehrt Gruppen von jungen Männern gekommen, um den Junggesellenabschied zu feiern, erinnert sie sich. Doch das sei mittlerweile nur noch vereinzelt der Fall. „Genießer-Junggesellenabschiede sind natürlich willkommen, aber wenn es nur um viel Alkohol in möglichst wenig Zeit geht, ist das nicht so gerngesehen“, macht Martina Schmid klar.

Ab kommendem Jahr gibt es auch alkoholfreie Shots

Die Schnapsbrennerin experimentiert auch gerne: Ihre neuesten Kreationen seien ein Kräuterbrand aus Wiesenkräutern und ein „Mirabelle Gold“ – ein besonderer Brand, der durch seine zwei Jahre lange Reifung im Eichenfass besonders aromatisch ist und an einen weichen Whiskey erinnert.

Für das kommende Jahr sind alkoholfreie Alternativen geplant, verrät Schmid. Momentan arbeitet sie an Shots in den Geschmacksrichtungen Kirsch-Vanille, Birne-Rosmarin und Apfel-Zimt.