Fast wie bei Schneewittchen: Die Discovery-Äpfel auf Däubles Hof sind teils rot, teils grün, schmecken aber reif knackig und säuerlich. Foto: Wiebke Jansen

Carola Däuble führt in Rottenburg-Eckenweiler allein ihren Obsthof. Aus Äpfeln, Zwetschgen und Mirabellen entstehen da auch Obstbrände – und das mit Erfolg. Fünf ihrer Produkte wurden nun ausgezeichnet.

Apfelbäume, schwer behangene Zwetschgen kurz vor der Reife und leuchtend rote „Träuble“ (Johannisbeeren) – das sind nur einige der Obstsorten, die auf dem Hof von Carola Däuble aus Eckenweiler wachsen. Die Obstbäuerin führt den Hof mittlerweile als „Ein-Frau-Betrieb“, verkauft das Obst im eigenen Laden, mal frisch, mal als Marmelade oder als Brand.

 

Fünf ihrer Brände hat sie beim Verband der Klein- und Obstbrenner Süd-Baden-Württemberg-Hohenzollern eingereicht – und die wurden ausgezeichnet „Ich wollte einfach wissen, wo ich stehe.“ Und das offenbar gar nicht so schlecht. Ihr Aprimiraschnaps aus Aprikosenmirabellen – eine Zufallszüchtung, bei der die Mirabellen wie Aprikosen schmecken – wurde einmal mit Gold ausgezeichnet, ein weiterer mit Silber. Ebenfalls Silber gab es für Löhrpflaumenschnaps und Zwetschgenschnaps. Bronze für den Williams Christ Birnenbrand. Der ist zwar Verkaufsschlager, aber Däubles Geschmack ist der eher nicht. Deshalb: „Ich wollte wissen, ist der schlecht oder mag ich den einfach nur nicht. Und jetzt weiß ich: Ich mag ihn einfach nur nicht“, lacht die 43-Jährige. Geschmäcker sind eben verschieden. Sogar bei den Äpfeln: Sie hat ganz verschiedene Sorten. Persönlich mag sie sehr Golden Delicious, eine süße Sorte. Andere lieben saure Äpfel wie Boskop oder Weighrouge. Der ist innen und außen übrigens knallrot.

Dieses Jahr wird die Ernte allerdings eher etwas dürftig ausfallen, bedauert sie. Trockenheit und später Frost machen den Bäumen und Sträuchern zu schaffen.

Der Zoll schläft nicht

Einfach drauf losbrennen ist übrigens nicht: Zuerst muss der Alkohol durch Gärung entstehen, Däuble „malscht“ deshalb das Obst ein. Äpfel liegen dann etwa vier Wochen da, sie gibt Hefe dazu, damit das Obst nicht verfault, sondern sich Alkohol entwickelt. Und der nächste Schritt ist ein Verwaltungsakt – aber ein wichtiger. „Dann ist es ganz wichtig: Wir melden das beim Zoll an.“ Denn der Zoll hat einen sehr aufmerksamen Blick auf die Schnapsbrenner. Eine Woche vorher anmelden inklusive Uhrzeit. Außerhalb darf Däuble nicht brennen, der Zoll überprüft sie regelmäßig unangekündigt. Brennt sie grade nicht, muss die Luke zum Kessel offenstehen, ihre Brennerei ist durch drei Fenster von außen jederzeit einsehbar. Denn der Zoll darf jederzeit vorbeikommen – auch mitten in der Nacht. Ist die Luke geschlossen oder warm, könnte man Däuble unterstellen, schwarz brennen.

Außerdem darf sie als Kleinbrennerin nur brennen, was auch hier wächst. Denn die Steuer auf den Alkohol berechnet sich aus der angenommenen Menge, die im Obst vorhanden ist. „Wir dürfen nicht einfach einen Bananenbrand brennen“, nennt sie als Beispiel. Denn Bananenstauden sind in Rottenburg rar.

Drei Fuhren Alkohol

Ist der Zoll informiert und alles vorbereitet, wird mehrere Stunden lang die Brennanlage angeworfen. Dafür wird das gemalschte Obst bis zu viermal aufgekocht. Je mehr Zeit sich Däuble lässt, umso qualitativ hochwertiger wird der Alkohol. Denn es gilt, Temperaturen genau zu beobachten. Alkohol verdampft bei 78 Grad Celsius, Wasser bei 100. Und von letzterem soll möglichst wenig dazu kommen. An einem kühlen Rohr kondensiert die Flüssigkeit und tropft dann herab. Am Anfang ist das der „Vorlauf“ – und der ist giftig. Aber auch nicht zum wegschütten, denn Alkohol kann schließlich nicht nur zum Trinken verwendet werden – und wenn es zum Fensterputzen genutzt wird.

Der Mittellauf – bei Däuble durchaus mit 80 Prozent – wird mit Wasser zum Endprodukt gemischt. Der Nachlauf hat geringe Prozentwerte – der kann nachgebrannt werden. Die verschiedenen „Läufe“ unterscheidet Däuble am Geschmack und Geruch. Im Kurs an der Uni Hohenheim, den sie vergangenes Jahr besucht hat, wird auch Sensorik gelehrt. Und: Wer den ganzen Tag neben dem Brenner sitzt, riecht mehr Unterschiede.

Däuble öffnet ein Fass mit Brand aus Quitten. Einmal riechen und die Nase ist frei, zurück bleibt der Geruch nach Früchten und Alkohol.

Ganz ungefährlich ist die Arbeit mit den Dämpfen nicht: „Brennereien explodieren ein bis zwei Mal im Jahr, da gibt es Unfälle.“

Ohne Hilfe? Undenkbar!

Däuble, die eigentlich Fliesenlegerin gelernt hat, ist anzumerken: Sie liebt ihren Hof, wenn er auch mit viel Arbeit verbunden ist. Und ohne Hilfe ginge es nicht. Nachdem ihre Schwiegereltern 2017 und im vergangenen Jahr gestorben sind und ihr Mann 2018 tödlich verunglückte, ist sie allein verantwortlich. Ihre Kinder – 15, 14 und 12 Jahre alt – hätten ihr aber gesagt: „Mama, mach weiter.“ Selbst sind sie auf dem Hof auch sehr aktiv – und die Landwirte von morgen. Ihr mittlerer Sohn möchte den Betrieb übernehmen, der älteste interessiere sich für Schnapsbrennerei. Und auch aus dem weiteren Umfeld erfahre sie viel Unterstützung – etwa helfe ihr ein Ehepaar auf dem Hof. „Das ist ein Rückhalt, ohne den es nicht gehen würde.“