OB Markus Ibert rangelte mit den Narren um den Rathausschlüssel, beobachtet von Oberzunftmeister Andreas Wehrle. Tilman Petters war ebenfalls im Getümmel dabei. Foto: Schabel

Der Kauf zweier Luxus-Kaffeemaschinen hat der Lahrer Verwaltung am Schmutzigen Donnerstag ironische Sprüche eingebracht – sogar aus den eigenen Reihen.

Trotz leerer Kassen hat sich die Stadt im Mai 2024 zwei Kaffeemaschinen im Gesamtwert von gut 30 000 Euro gegönnt. Das Rathaus hatte die Anschaffungen unter anderem damit begründet, dass die Geräte neben dem Gemeinderatssaal und in der Mehrzweckhalle für „Nutzungen mit repräsentativem Charakter beziehungsweise für Externe“ gedacht seien, nicht aber dem üblichen Standard der Verwaltung entsprächen. Diese Erklärung hat die Narren am Schmutzigen Donnerstag nicht davon abgehalten, sich über die kostspieligen Geräte lustig zu machen.

 

Sogar im Rathaus gab’s Spott: Mehrere Mitarbeiter der Verwaltung (die für das Brühgetränk aus den neuen Maschinen eine Gebühr entrichten müssen) erschienen mit kaffeebraunen Schürzen zum Dienst. Auf den Vorbindern (mit Logo der Stadt!) waren Sprüche zu lesen wie „Steuerkaffee de luxe“ oder „ Die Bohne geröstet – das Geld verbrannt“.

Umzug kostet so viel wie zwei Kaffeemaschinen

Logisch, dass auch Andreas Wehrle in seinem Rathausprolog die berühmt-berüchtigten Kaffeemaschinen zur Sprache brachte. Dieses „technisch, finanziell und hoch komplizirteschde Projekt vom Rothus“ müsse er einfach erwähnen, betonte der Oberzunftmeister der Lahrer Narrenzunft gleich zu Beginn seiner Rede.

Und weiter im Text: „Mir Narre plane und veranstalte hier in Lahr als mol ä Umzug, / der koschd ung`fähr selbe, wie die beide Vollautomate. / Zum leckere Kaffee gibt’s jetzt noch ä Milchschum dazu, / no kenne die Lit im Rothus s´gonze Johr mit nem Milchbärtle rumlaufe.“

Bevor sich das närrische Geschehen auf den Rathausplatz verlagerte, hatten die Mitgliedszünfte der IG Lahrer Narren den Vorplatz des Storchenturms in Beschlag genommen. Andreas Wehrle erklärte dort gegen 18 Uhr die Fasent für eröffnet, dann blickten alle zur Turmtür – dort trat nicht nur ein einzelner Grusilochzottli heraus, Symbolfigur der Lahrer Fasent, sondern eine ganze Hästrägerschar, die trotz des langen Eingesperrtseins putzmunter war. Jedenfalls feierten die Zottlis ihre Befreiung aus dem Verlies im Storchenturm mit einem Freudentänzchen.

Diese Gardefrauen schunkelten sich auf dem Platz vor dem Storchenturm in Stimmung. Foto: red

Danach bewegten sich die Narren zum Rathausplatz, begleitet von einigen Hundert Zuschauern, die das Aufstellen des Narrenbaums nicht verpassen wollten. Eine Aufgabe, die kräftige Männer um Marcel Ruf souverän im Griff hatten. Keine zehn Minuten dauerte es, dann war der rund 15 Meter hohe Baum aufgerichtet.

Jetzt blickten alle Richtung Bühne vor dem Rathaus, die zunächst von zahlreichen Hästrägern geentert wurde. Sie interessierten sich besonders für die Rathaustür dahinter, an der sie kräftig rüttelten. Das Klopfen, verstärkt durch eine Musikbox, konnten Markus Ibert und Tilman Petters unmöglich überhören. Als sie sich trotzdem zierten, holten die Narren sie auf die Bühne.

OB und Baubürgermeister waren passend gekleidet zu den Rollen, die sie diesmal spielten. Nachdem sie vor drei Jahren als Aluhutträger Verschwörungstheoretiker aufs Korn genommen hatten, 2024 als Schaffner und Bauer die Protestwelle von Bahnbediensteten sowie Landwirten verulkten, 2025 als Surfer-Boys in wild gemusterten Hawaiihemden einen Surfpark in Lahr forderten, erschienen sie nun als Architekt (Ibert) und Landschaftsplaner (Petters). In diesen Rollen machten sie sich kühne Gedanken darüber, was aus dem Krankenhausareal am Altvater werden soll, wenn erst die neue Klinik in Langenwinkel steht.

Es waren gelungene, hörenswerte Reine, wie man es von der Narrenrede des Rathauschefs gewohnt ist: „Was tun mit dem alte ’Krankehuss’? / Des isch doch sonnenklar, dass des weg muss! / Do kummt ebs ganz Großartiges hie, / der Berg isch doch quasi wie gemacht für Schie! / Doch leider kein Schnee in Lahr weit und breit, / drum bau‘n wir eine Halle, in der es schneit. / Das wird modern und richtig fein, / Sogar in Stuttgart wird man neidisch sein.“

Ibert und Petters wollen Donald Trump nacheifern

Während in der Realität die Finanznot die Stadt plagt, wird in der Narrenrede von Ibert und Petters in großen Dimensionen gedacht: „Die Kassen sind leer, Projekte gestoppt, / Wir brauchen etwas, dass alles toppt. / Mister Trump soll uns ein Vorbild sein, / wir denken durchgedreht, irre und bloß nicht zu klein! / Alle Hater werden verstummen, / alle Schlauen und sowieso alle Dummen. / Ein Projekt, wie es kein zweites gibt, / wir werden berühmt, gefeiert und geliebt.“

Vor zahlreichen Zuschauern, von denen die meisten kostümiert waren, reimten Ibert und Petters gekonnt: „Wir bauen ein Schloss – der Louvre Pipifax dagegen! / Modern muss es sein – der Nachhaltigkeit wegen. / In einem Flügel vom Schloss werden wir Luxuslofts bauen / Und im anderen Flügel wollen wir uns auch was trauen: / Sozialwohnungen sind der heiße Scheiß, / dafür kriegen wir bestimmt einen Preiß! / Und die Kita für den Sport / packen wir auch noch an diesen Ort.“

Dann war Andreas Wehrle am Zug. Der Oberzunftmeister hielt eine unterhaltsame Ansprache in schönstem „Lohrer Ditsch“ und nahm dabei lokale Projekte aufs Korn, in erster Linie natürlich die teuren Kaffeemaschinen. Aber auch um den Bau des neuen Krankenhauses ging es: „Stark, modern und zukunftssicher soll es werde / Und dem stimm ich au zu, des muss so sin / Mir Narre stelle uns jetzt natirlich die Frage / Gibt es dert au eine Abteilung speziell für aktue Fasentsfolge? / Konfetti-Entferung / Trommel Nachhall Behandlung / Stimmband-Reparatur.“

Auch die Fernwärme-Baustellen in der Innenstadt nahm Wehrle aufs Korn: „Aber nit nur vor da Stadt, auch mitte in da Stadt wurd kräftig gebaut / und sämtliche Stroße uffgrisse. Wie da, wo und überhaupt / hinkummsch, kann keiner wisse, kann dir keiner sage / Wenn ihr so tief unter Lohr buddle lehn, mian ihr uffbasse, dass ihr nit /uff alte G´schichte, Grusilichzottli odda andere Subjekte stoße.“

Zum Schluss gab der Oberzunftmeister noch ein Versprechen ab: Im nächsten Jahr (wenn die Narrenzunft wieder mit der Organisation dran ist), werde es wieder einen Fasent-umzug in Lahr geben – konkret am Sonntag, 17. Januar.