Die Sabbathexen machten in Kippenheimweiler mit Ortsvorsteher Klaus Dorner und seiner Krawatte kurzen Prozess. Foto: Boller

Im Lahrer Raum herrscht Ausnahmezustand: Narrenzünfte rückten auf den Rathäusern an, plünderten die Kassen und sicherten sich die Schlüssel.

Ein Jahr lang mussten die Narren ausharren, dafür ließen sie es am „Schmutzigen“ krachen. Wir geben hier einen Überblick.

 

Reichenbach: In Reichenbach zog das Baronspaar mit großem Gefolge am Morgen in die Schule und die Kindergärten, um mit den Kindern die Fasent zu beginnen. Nachdem auf dem Lindenplatz der Narrenbaum mit viel Hurra gestellt war, zog eine bunte Narrenschar unter den Klängen der Musikkapelle zum Rathaus. Im Sturm eroberten die Narren die dörfliche Machtzentrale, in der Ortsvorsteher Klaus dem Baronspaar Laura I. und Matthias I. die Schlüssel und die Kasse übergab.

Ausgelassen feierten alle mit Musik, Tanz, feurigen Reden und guten Tröpfchen, die der entmachtete Ortsobere kredenzte. Oberzunftmeister Thomas Fischer verteilte Orden an alle, die sich um die Richebacher Fasent verdient gemacht haben. Dann setzte sich der Hemdglunkerumzug in Bewegung. Am Narrenbaum proklamierte das Baronspaar die Herrschaft der Narren. In Nachthemden, mit Saublodere und infernalischen Musikgeräten strömte alles der Schergass zu. Im Nörgler, im Wachthiisli, im Kuhstall bei den Musikern, in der neuen Schatzi-Bar der Schutterschlurbi und bei den Bänklihockenr wurde gefeiert, was das Zeug hielt.

Kuhbach: Die Kuhbacher Feuerwehr hatte für den Narrenbaum gesorgt, ehe die Kuhbacher Kühe in langer Reihe vor dem Rathaus eintrabten und von viel Volk sowie der Musikkapelle erwartet wurden. Leitkuh Lotta alias Sandra Gräther übernahm die Regie und rief die Ortsgewaltigen zur Machtübergabe auf. Nach einigem Zögern erschien Ortschaftsrat Tobias Pfeifer am Fenster und entschloss sich zur friedlichen Übergabe der Macht und der eh schon leeren Kasse. Mit viel Muh und Freudensprüngen feierte das Volk die jetzt erworbene Freiheit beim fröhlichen und zünftigen Umtrunk.

Sulz: Die Schloßbühl-Jäger nebst Ranzengarde demonstrierten unter der Führung von Markus Wiegert ihre Macht, zunächst beim Narrenbaumstellen und dann beim Erstürmen des Rathauses. Aufgrund der derzeit maroden Kassen in der Stadtverwaltung war zunächst auch in der Sulzer Ortsverwaltung nichts Brauchbares zu entdecken, doch letztlich wurden die Narren doch fündig und so platzte der Narrenwagen aus allen Nähten.

Danach musste Ortsvorsteherin Nicole Baur den Rathausschlüssel abgeben. Ein weiteres Highlight beim Rathaussturm in Sulz war, dass das SWR-Fernsehen in Sendung „Kaffee oder Tee“ unter der Leitung von Ulf Seefeldt darüber berichtete. Nachdem das Rathausvöllig geplündert war, wurde die lokale Regierung nebst einigen Ortschaftsräten vor den Narrenkarren gespannt und mit einem Hemdklunker-Umzug ins TV-Heim in der Jahnstraße verfrachtet. Die Beute wurde dort dann unter das närrische Volk verteilt. Weiter geht  es am Montag um 11 Uhr mit der Dorffasend rund um den Kirchplatz.

Mietersheim: Einige Dutzend närrisch und nicht-närrisch gekleidete Zuschauer säumten am Donnerstagabend die Mietersheimer Hauptstraße. Schon mit Lautsprechern, aus denen Partymusik erklang, hatten die Schärmies die Ortsverwaltung in Beschlag genommen. Der eigentliche Rathaussturm sollte noch folgen – und es wurde romantisch. Mit Seifenblasen und einem Plakat „Schärmies Love“ machten sich die Hästräger auf den Weg Richtung Rathaus. Allen voran Oberzunftmeisterin Sabrina Dold – und sie klagte an: „Es herrscht Liebesnotstand im Rathaus. Das Gebäude ist kälter als ein Steuerbescheid im Februar.“

Unter „Romantik-Unterversorgung“ leide die Ortsverwaltung. Deshalb rückten die Schärmies „mit Herz und mit Pfeil und Bogen“ an und erklärten das Rathaus kurzerhand zum „Amt für Liebe und Zuneigung“. Ortsvorsteherin Diana Frei konnte diesem Charme nicht lange widerstehen und rückte bereitswillig den Schlüssel heraus. Unter närrischem Jubel reckte Dold ihn in die Höhe.

Langenwinkel: Premiere für Annerose Deusch: Die Ortsvorsteherin wurde nun erstmals entmachtet – denn mittlerweile gibt es auch in Langenwinkel eine Narrenzunft, die Winkler Hexen. Die Gruppe enterte das Rathaus bereits am Donnerstagvormittag, entriss Deusch den Schlüssel, dann machten es sich einzelne Hästräger auf den Bürostühlen der Verwaltung bequem. Denn jetzt haben ja sie dort das Sagen.

Kippenheimweiler: Die Sabbathexen machten am frühen Donnerstagnachmittag mit Ortsvorsteher Klaus Dorner kurzen Prozess und stellten ihn an den Narrenbaum. Dort musste seine Krawatte dran glauben. Ohne Schlips kann der Wylterter Rathauschef seine Amtsgeschäfte natürlich nicht mehr ordentlich führen. So bleibt das Rathaus über die Fa-sentzeit geschlossen. Dorner nahm’s gelassen – etwas anderes blieb ihm ja auch nicht übrig. Für die Hexen war danach Fasentparty angesagt.

Wittelbach: Am Donnerstagnachmittag wurde es laut im Dorf, denn die Fasent wurde eingeschellt. Gegen 19 Uhr trafen sich die Schnaighexen in der Dorfmitte beim Rathaus, um mit vereinten Kräften den bunt geschmückten Narrenbaum hochzuhieven, was auch sehr gut gelang. Gleich im Anschluss präsentierten die Schnaighexen und die zunfteigene Teufelsfigur ihren schön-schaurigen Hexentanz.

Mit den zahlreichen närrischen Besuchern wurde auf auf dem Rathausplatz mit Glühwein, Kinderpunsch und leckeren Fasentküchle noch lange gefeiert. Am Fastnachtsdienstag trifft man sich wieder auf dem Rathausplatz, um 18 Uhr wird dort die Fasent verbrannt.