Eine Choreografie von Rathausmitarbeitern und dem Geheimrat (links) sorgte im Seelbacher Rathaus beim Sturm der Narren für eine gelungene Überraschung. Foto: Endrik Baublies

Mitarbeiter der Verwaltung zeigten in Seelbach eine urkomische Aufführung, am Dörlinbacher Rathaus ergatterten Kinder trotz Bestechungsversuchen den Schlüssel.

Der Rathaussturm im Seelbacher Rathaus ist gewaltig aus dem Ruder gelaufen – zum Ergötzen aller Beteiligten, der meisten Rathäusler und vieler Hästräger.

 

Besser noch: Zunftschreiber Peter Bühler hat unmöglich ahnen können, wie sehr er mit einer Beschwerde ins Schwarze treffen würde. Beim Rathaussturm der Seelbacher und der Wittelbacher Narren am Vormittag des Schmutzigen, beklagte er, dass es im Rathaus der Gemeinde im vergangenen Jahr zu wenig Patzer gegeben habe, welche die Narren zu diesem Anlass aufs Korn nehmen könnten.

Bürgermeister Michael Moser hatte mit dem Zwischenruf, dass er sich da in Zukunft bessern wolle, einen klaren Vorteil. Er wusste da bereits, was in diesem Jahr noch zusätzlich kommen würde und von dem die Narren nichts wussten. Denn ein Septett, alles Mitarbeiter der Verwaltung, führte eine Choreografie ein. So etwas in der Art hatte Marktmeisterin Sandra Gräther, die zudem im Hauptamt Dienst tut, im vergangenen Jahr – ebenfalls zur fünften Jahreszeit – einer Eule versprochen. Die Rathäusler würden gewiss einen eigenen Beitrag zum Rathaussturm leisten können oder gar wollen?

Verwaltungsmitarbeiter nahmen ihre eigenen Aufgaben lyrisch aufs Korn

Sie war dann auch für die – im närrischen Sinn fehlerlose – Choreografie verantwortlich. Und als dann der Geheimrat (Carsten Petersen), die Oberzunftmeisterin (Christiane Kupfer), der Zunftschreiber und der mittlerweile entmachtete Schultes (Michael Moser) ihre Reime aufgesagt hatten, zogen sich sieben Hemdglunger (die Tracht der Verwaltungsmitarbeiter) in das Hinterzimmer des Bürgersaals zurück. Sie traten dann der Reihe nach aus der Tür und nahmen – erst einzeln und schön der Reihe nach – ihre eigenen Aufgaben lyrisch aufs Korn.

Viele Narren waren am Donnerstag bei der Befreiung der Grundschüler dabei. Mit viel Tara wurden sie aus den Klassenzimmern befreit. Mit ihnen wurde ein rund einstündiges Programm in der Schulturnhalle auf die Beine gestellt. Foto: Geroldsecker Bildungszentrum

Aus der Harmonie wurde eine ansteigende Kakofonie – das musikalische Gegenteil. Denn zuletzt sagten sie alle ihren Vers gleichzeitig auf. Erst einer, dann zwei, dann drei und so weiter… Fehlerfrei waren immerhin die Gesten. Sie müssen lange geübt haben, damit das Oktett (am Ende durfte der Geheimrat auch einen Vers aufsagen) sich nicht gegenseitig Ko. geschlagen hat. Man darf gespannt sein auf das, was die Rathäusler im kommenden Jahr an dieser Stelle leisten werden.

Die Schulkinder versuchten dem Gemeindeoberhaupt den Schlüssel abzunehmen. Foto: Axel Dach

Bei der traditionellen Rathausstürmung in Dörlinbach herrschte beste Stimmung. Gemeinsam mit den beiden Dörlinbacher Zünften „Bremsdorfer“ und der „Säcklistrecker Guggenmusik“ zogen die Narren zum Rathaus, um Bürgermeister Matthias Litterst den Schlüssel abzunehmen. Zwar leistete dieser zunächst noch Widerstand, doch letztlich war er chancenlos gegen die Übermacht der Fastnachtsfreunde, in deren Hand das Rathaus nun ist. Zur Freude der närrisch verkleideten Kinder verteilte das Gemeindeoberhaupt noch Süßigkeiten. Nach einem Umzug durch das Dorf stand am Nachmittag die Kinderfasent in der Festhalle auf dem Programm, bei der die jungen Narren viel Spaß hatten.

Die „Lurewiebli“ zogen mit Schul- und Kindergartenkindern durch Schuttertal. Foto: Axel Dach

Auch in Schuttertal war viel los: Mit viel Trubel und lautstarker Musik zogen die Narren der Zunft „Lurewiebli“ durch den Ort und befreiten die Kinder aus Schule und Kindergarten. Bei der Pflegewohngruppe „Pfarrscheune“ legten sie zur Freude der Bewohner einen fröhlichen Stopp ein. Vom Regenwetter ließ sich die Schar die gute Laune nicht vermiesen. Nach dem Umzug ging es in die Festhalle. Die Kinder begeisterten mit ihren Auftritten und sorgten für viele strahlende Gesichter im Publikum.

Weiteres Programm in Seelbach

Fasentfreitag:
„Schnurren“ in den Kneipen heißt das Motto. Wenn Narren und einige Musiker werden in den Abendstunden durch Seelbachs Wirtschaften ziehen.

Fasentsamstag: Ab 10 Uhr zieht der Narrensamen beim „Gizzigumzug“ durchs Dorf. Treffpunkt ist am Bauernmarkt um 9.30 Uhr. Um 10.11 Uhr ist „Elfi-Mess“. Kaffetanten, Frauen, Wieber, Damen, Alti und Jungi, Dicki und Dünni treffen sich zum „Wieberkaffeklatsch“ auf dem Bauernmarkt.

Fasentsonntag: Die Glocken der Kirche St. Nikolaus läuten um 9.30 Uhr. Denn dort ist der Beginn der Narrenmesse. Schon morgens um 7 Uhr wird mit dem Karbatschenschlagen die Bevölkerung geweckt.

Fasentdienstag: Der 17. Februar ist fürs „Hegen und Pflegen des Narrensamens“ reserviert. Um 14.11 Uhr beginnt der „Pflug- und Kinderumzug zum Bürgerhaus. Umzugsaufstellung wird am Klosterplatz sein, der kurzerhand zum „Schokladeplatz“ umbenannt wird. In der „Gummibärlestraße“ (Litschentalstraße) und in der „Gutzelistraße“ (Marktstraße) werden die kostümierten Kinder von der Eulenzunft belohnt. Es wird Wert darauf gelegt, dass möglichst viele Kinder in Gruppen und Motiven mitmachen. Beim Motto: „Weltall“ sind der Fantasie keine Grenzen gesetzt. Im Bürgerhaus angekommen laden viele Spielstände zum Mitmachen ein. Am Abend um 19 Uhr heißt es Abschied nehmen von der Fasent. Nicht jedoch bevor noch einmal das Narrengericht zusammengetreten ist, um den Geheimrat Dr. Schmidt für seine Taten zu verurteilen und ihn für ein weiteres Jahr in seine Flasche zu verbannen. Beim „Trauerumzug“ zieht das ganz in schwarz gekleidete, närrische Trauervolk im Gänsemarsch durchs Dorf. Mit der Fasentverbrennung und dem Rollmopsessen im „Bären“ endet endgültig die Fasent 2026.