Die Städtlegugger feiern ihr 40-jähriges Bestehen. Und wie man sieht, konnte von der aktuellen Besetzung damals – fast – keiner dabei gewesen sein. Foto: / Schnekenburger

„In Rottweil wächst ein Wein, er könnt’ nicht saurer sein“: Der alte Spruch könnte dank neuer Ideen für die Landesgartenschau 2028 wahr werden und setzt – jedenfalls bei den Narren am Schmotzigen – kreative Lösungen frei.

​Was andernorts Frohlocken hervorruft, kann bei Schmotzigengruppen schon mal Zorn, zumindest aber eine Idee von Gleichgültigkeit wecken: Dass mit dem Spatenstich die möglicherweise weltgrößte Fußgängerhängebrücke doch wahr wird? Mal schau’n. Und was sieht man dann von ihr aus? Und wohin führt sie überhaupt? Und warum neun Jahre Planzeit für 505 Meter Fußgängerbrücke? Und warum kann man sich nicht einmal mehr darauf verlassen, dass sie auch dieses Jahr nicht gebaut wird – wie die vielen Jahre zuvor?

 

Möglicherweise ist doch was dran an der Geschichte von Rottweil als Stadt der Rekorde. Brücke, Türme, Narrenzunft, Rathauspersonal: unschlagbar. Und wer sonst noch hat ein doppeltes Madonnchen, noch dazu eines, das ob des Elends um sich herum zuverlässig mit den Augen rotiert?

Verwendung als „Marien-Punsch“

Es geht also was im Städtle. Ist ja auch schon mal was wert. Und wenn der Schultes das Ganze in Form aktuellester Selfies – und davon ganz vieler – in die Welt trägt, kann Rottweil nur profitieren – obwohl: Da sind sich nicht alle so sicher. Auch ob der Qualität der Renaissance Rottweiler Weins bestehen Zweifel. Von sauer ab Keller (kein Schorle mehr nötig) über „direkt Essig“ bis hin zum Tipp bei den einen, der bei den anderen schon Gewissheit ist: Süßer Sprudel in großen Mengen könnte das Zeug wenigstens über die Fasnet trinkbar machen. Ah, und als „Marien-Punsch“ ließe er sich auch vermarkten.

Warum nicht einfach nur narren?

Wann? Wenn Gartenschau ist. Wenn sich die ganzen Spatenstiche, Doppeleien und anderes auszuzahlen beginnen. Mit Wirtschaftsförderer Nummer X. Dabei will mancher doch einfach nur narren. Weg von der Kandare der Wadelkappen, rein in die Abgründe der Stadt, auf dass es wenigstens ein bisschen glückselig hier und da werde.

Musikalische Vielfalt

Ob schelmisch, aber fein gesungen, mit kurzem, trockenem Schlag serviert, lustvoll zwischen Aquasol-Umkleide und Stadtbus-Stehplatz ausgebreitet oder auch musikalisch deftig illustriert. Egal, ob’s den einzelnen armen Wicht trifft oder die ganze Armada der Stadt. Übrigens: Auch da erleben die vielen Gäste in den Lokalen von heißem Jazz über barocke Vokalpolyphonie bis hin zum Mitmachgaranten auf der „NDW“ das ganze Programm.

Radrennen mobilisiert

In der Altstadt machen „Die Junga von da Alta“ den Start im ESV-Sportheim. Als Duschvorhang verkleidet, geben die vier jungen Damen Anekdoten über das Rottweiler Stadtleben des vergangenen Jahres zum Besten. Die Geschichte eines Rennrad-Fans, der seine Verehrung zum lokalen Rad-Star mit wasserfester Farbe auf der Straße verewigte und Probleme mit der Obrigkeit bekam und die Beschreibung eines missglückten Musical-Besuches in Wien ernten dabei besonderen Applaus. Mit ihren Wasserspritzen sorgen die „Junga von da Alda“ außerdem für Erfrischung im Publikum.

Die „Kabishüpfer“ treten als „Ballonsportgruppe“ auf. Ob Stadtführer Edgar Enderle, der sich mit einer Reisegruppe im Schwarzen Tor einsperrte, Ortsvorsteher Reiner Hils, der zur Saukirbe schnell noch die Bäume neben dem Göllsdorfer Rathaus in Form brachte, oder die Beschreibung einer Einkaufsfahrt in die Schweiz, welche sich nach der Kreditkartenabrechnung dank Wechselkurs als unerwartet teurer Trip entpuppte, die drei Damen können so manche Kuriosität berichten.

Polonaise beendet den Abend

„Hefe und Pieps“ nehmen als badisch-schwäbisches Ehepaar die schwierigen Beziehungen im Südweststaat aufs Korn. Unter dem Motto „Ja mir san mitm Radl do“ unterhält die Altstädter Narrenzunft im Anschluss in Radlerkluft und Sturzhelmen die Anwesenden. Von einem Waldbesitzer, der aus Versehen das Sturmholz auf dem falschen Grundstück entfernte, oder einer durstigen Rottweilerin, welche sich schlafwandelnd den Sprudel über den Körper goss, anstatt ihn zu trinken, wissen die sechs Herren zu berichten. Im „Pflug“ wird zwischen den Darbietungen kräftig getanzt und geschunkelt. Im „Da Bruno“ wird zu später Stunde der rundum gelungene Abend dann mit einer Polonaise beendet.