Im Adressbuch der St. Georgener Narren ist das Gasthaus Zum goldenen Auerhahn seit vielen Jahren dick und in leuchtendem Rot angestrichen.
Besonders der Schmodo-Ball ist längst Kult. Und diese Auszeichnung verteidigte er auch heuer wieder in überzeugender Manier.
Regina und Corsin Kleiner hielten die Fäden in der Hand. Sie gaben routiniert und charmant die Conferencièrs und hatten auch hinter der Bühne viel zu tun.
Wahrscheinlich hat Regina Kleiner recht, als sie zur Begrüßung sagte, dass die Fasnet viel mehr sei als Party machen. Da hätten beispielsweise durchaus auch gewisse Traditionen ihren Platz – und auch Büttenreden. Doch davon später mehr.
Spezielle Mischung
Auf jeden Fall stimmte diese spezielle Mischung, die bei den Narren so gut ankommt, wieder perfekt. Der bunt dekorierte Saal war – es ist müßig, das zu erwähnen – natürlich proppenvoll. Das Volk, närrisch herausgeputzt, war erwartungsfroh und unverkennbar in Feierlaune. Viele Gäste kamen als Hemdglonker verkleidet.
Die Weiher- und die Nesthexen-Kids eröffneten mit ihren begeisternden Tanz-Shows das abwechslungsreiche Programm. Das wild applaudierende närrische Volk war sich nach diesen tollen Gigs sicher, dass man sich mit einem derart engagierten Nachwuchs um die Zukunft der Fasnet keine Sorgen zu machen braucht. Da kommt was nach.
Tilli in der Bütt
Maren Schwarz (Narrenzunft) als Tilli in der Bütt war einfach großartig: „Ich halt’ euch den Spiegel vor.“ Bei ihrem Ausflug in die große Politik bekam – wie konnte es auch anders sein – vor allem der unberechenbare Egomane im Weißen Haus in Washington sein Fett ab: „Anstand, Aufrichtigkeit und Fairness kannst du dir trotz deines vielen Geldes nicht kaufen.“
Maren Schwarz kam auch auf die Niederungen der Lokalpolitik zu sprechen: „Das Glockenspiel auf dem Marktplatz nervte Bürgermeister Michael Rieger, und es störte ihn beim Arbeiten – da ließ er es einfach abstellen.“ Doch nach Protesten aus der Bevölkerung klinge es nun wieder – gut so, meinte sie.
Der Tanz der Hohwalddeufel hatte „Engelchen und Teufel/Himmel und Hölle“ zum Thema und er riss die Narren völlig mit. Auch hier war der Nachwuchs stark vertreten und machte seine Sache ausgezeichnet. Inzwischen fester Bestandteil der Bergstadt-Fasnet ist das Männer-Ballett der Narrenzunft. Was die sechs Jungs da auf der Bühne abzogen, war einfach nur große Klasse. Da staunte nicht nur die holde Weiblichkeit.
Guggemusik fehlt nicht
Es gab auch Guggemusik im „Auerhahn“. Zunächst verschaffte sich die Spielgemeinschaft Fanfarenfetzer Zutritt zum und Gehör im Saal. Ihr Gig heizte die Stimmung noch weiter an – klar, dass Zugaben fällig waren, die auch bereitwillig gespielt wurden.
Die Mädchen der Tanzgruppe Apassiodanza des Turnvereins boten eine mitreißende Bühnenshow mit viel Präzision und toller Ausstrahlung. Dann übernahmen die närrischen Musiker der Stadtmusik unter Leitung von Slawomir Moleta das Kommando, ehe die Gugger der Bloos-Arsch – stets gern gesehene Gäste im „Auerhahn“ – für einen letzten Höhepunkt im Programm sorgten.
Doch es war danach noch lange nicht Schluss. DJ Valentino bot den weiterhin kaum zu bändigenden Narrole mit entsprechender Musik die Gelegenheit, ausgiebig das Tanzbein zu schwingen.