So soll der Wohncampus des Architekturbüros aussehen. Die Bauarbeiten starten voraussichtlich im Mai. Foto: Schmelzle und Partner

Das Architekturbüro Schmelzle und Partner baut an seinem Bürostandort in Hallwangen einen modernen Wohncampus für den firmeneigenen Nachwuchs.

Dornstetten-Hallwangen - Ein attraktiver Arbeitsplatz in einer erfolgreichen Firma reicht nicht immer, um Arbeitskräfte zu gewinnen und dauerhaft zu binden. Besonders dann nicht, wenn der Arbeitsplatz nicht in der attraktiven Großstadt, sondern – wie im Fall des Architekturbüros Schmelzle und Partner – in ländlicher Idylle liegt.

"Selbst bei denjenigen, die wir mit einem Stipendium finanziell unterstützen, haben wir immer wieder das Problem, dass sie nicht hierher wollen", sagt Siegfried Schmelzle. Wer in Stuttgart studiere und dort eine Wohnung habe, tue sich schwer damit, diese aufzugeben um in Hallwangen, wo man niemanden kenne, ein Praktikum oder einen Teil der Ausbildung zu absolvieren. Auch diejenigen, die einfach nur zur Probe arbeiten wollten, dafür aber erst einmal eine Ferienwohnung oder Pension beziehen müssten, seien allein schon deshalb zögerlich.

Corona habe die Situation nicht einfacher gemacht. "Wir hatten da einige Kündigungen, weil unsere Mitarbeiter nirgendwo hin konnten und weil sie hier kaum sozialen Kontakte gehabt haben", bedauert Schmelzle.

Pläne in Hallwangen nicht unumstritten

Der "Campus", für den zwischenzeitlich nach klärenden Gesprächen mit der Nachbarschaft und dem Ortschaftsrat die Baugenehmigung erteilt wurde, und insbesondere die geplante Struktur und Aufteilung des Gebäudes sollen dem entgegenwirken. Allein schon die Möglichkeit, gemeinsam mit Kollegen aus derselben Firma unter einem Dach zu wohnen, helfe seiner Meinung nach gegen das Gefühl der Isolation, sagt Schmelzle. Außerdem schone das den Geldbeutel.

Entstehen wird der Campus in unmittelbarer Nachbarschaft zum jetzigen Büro auf dem Freigelände. Geplant sind im Wohncampus acht von Designern möblierte Apartments, die man einzeln oder auch zu zweit bewohnen kann. Zwei der Wohnungen sind behindertengerecht und auch für Rollstuhlfahrer geeignet. Jedes Apartment biete eine gute Rückzugsmöglichkeit nach der Arbeit. Gleichzeitig vermittle diese Wohnform dennoch das Gefühl, in ein kollektives Gefüge eingebettet zu sein, sind Schmelzle und seine Partner Claus Matt, Michael Frey und Peter Gärtner überzeugt.

Großzügig geplante Gemeinschaftsflächen mit Fitnessgeräten und Tischkicker förderten das soziale Miteinander und seien ein Teil der vielseitigen Teambuilding-Maßnahmen im Unternehmen. Jedes Apartment verfügt über einen Außenbereich mit Blick über die weitläufige Schwarzwaldlandschaft. Die einzelnen Wohneinheiten sind horizontal jeweils leicht verschoben. Die dadurch gewonnenen Freiflächen werden begrünt.

Im Erdgeschoss besteht die Möglichkeit, den Innenraum durch großformatige Sektionaltore zu öffnen. Dies habe den Effekt, dass der Außenbereich quasi in das Gebäude "hineinfließe". Aufgrund der durchdachten Anordnung der Apartments entstehen in den Zwischenräumen großzügige Bereiche, die ebenfalls gemeinschaftlich genutzt werden können. Die vertikal strukturierten und dunkel eingefärbten Fassadenplatten sollen dafür sorgen, dass sich das Gebäude harmonisch in die Waldkulisse einfügt und nicht als Störfaktor empfunden wird. Darüber hinaus spiegle sich die schöne Umgebung auch in den Glasflächen des Gebäudes wider.

Carsharing über den Firmenfahrzeugpool

Für ein modernes Ambiente in den Innenräumen wurde ein schnörkelloses Materialkonzept mit Beton, Holz und Glas gewählt. Viel Wert wird beim Bau auch auf hohe Energiestandards gelegt. "Verglichen mit einem Referenzgebäude ist der Energiebedarf bei diesem Gebäude um 45 Prozent niedriger", betont Schmelzle. Dazu tragen auch die PV-Anlage und Erdwärme bei. Es werden aber nur Bereiche wie die Wohnräume über Geothermie beheizt, Gemeinschaftsflächen werden passiv über die Abwärme der Wohneinheiten klimatisiert. Das Gebäude erreicht so die bislang besonders geförderte "Erneuerbare-Energien-Klasse".

Bei den Stellplätzen beschränken sich die Planer auf das Minimum, um möglichst wenig Fläche zu versiegeln. Die Mitarbeiter können dafür auf ein eigenes Fahrzeug ganz verzichten und den Firmenfahrzeugpool als Carsharing-Angebot nutzen.

Gestartet wird der Bau voraussichtlich im Mai, die Bauzeit beträgt zwölf Monate. "Wir wollten eigentlich schon im April beginnen, haben derzeit aber Probleme, alle Handwerker herzubekommen", bedauert Schmelzle.

Im Bedarfsfall bestehe später die Möglichkeit, zwei weitere Gebäude auf dem Gelände unterzubringen und das Architekturbüro am Standort zu verdoppeln, gibt Schmelzle ein Bekenntnis zum Standort ab. "Das hier ist deshalb erst der Anfang. Alles mit dem Ziel, wirklich gute Mitarbeiter zu bekommen, die sich hier auch wohlfühlen und deshalb bleiben."