Das Jugendhaus in Schömberg hat seit Februar einen neuen Leiter. Chris Sluiter muss sich direkt mit den Folgen der Corona-Pandemie herumschlagen. Foto: Fritsch

Chris Sluiter ist seit Februar im Schömberger Jugendhaus zu Gange. Trotz des Lockdowns gibt es einige Angebote für die Jugendlichen. Doch der Sozialarbeiter warnt – nicht nur in Schömberg – vor den Langzeitfolgen des Corona-Lockdowns.

Schömberg - Eigentlich könnte man denken, in einem Jugendhaus ist in Zeiten von harschen Lockdowns wenig los. Doch diese Annahme ist grundfalsch. Chris Sluiter jedenfalls macht im Rahmen der Möglichkeiten Programm. Der 40-Jährige leitet seit Februar das Jugendhaus in Schömberg.

 

Endlich, möchte man sagen. Denn die Einrichtung hatte in den vergangenen Jahren oft mit Personalmangel zu kämpfen – ein unglücklicher Umstand für die Glücksgemeinde. Zunächst hatte Bianca Knospe zum Jahresende 2019 gekündigt, das Jugendhaus war folglich von November an dicht. Dann im Januar 2020 neue Hoffnung: Mit Selina Albert war eine neue Leiterin nach Schömberg gekommen. Gleichzeitig holte man auch Mareike Maschke als Schulsozialarbeiterin ins Team. Doch noch innerhalb der Probezeit schmiss Albert den Bettel hin – das Jugendhaus war abermals geschlossen, eine Interimslösung mit Maschke musste her. Dann hatte die selbst ernannte Glücksgemeinde lange keinen Erfolg bei der Nachfolgersuche – Corona-Pandemie und Fachkräftemangel taten ihr übriges.

Doch jetzt sieht es mit dem neuen Jugendhausleiter Chris Sluiter wieder besser aus. Auch, weil seit dem 15. März die Corona-Regularien einen Schmalspur-Betrieb im Jugendhaus zulassen. "Wir müssen das eben als Veranstaltung deklarieren", so Sluiter. Weniger Personen, Kontaktdatenerfassung, Desinfektion und Masken – inzwischen sowas wie das ABC der Pandemiebekämpfung – gilt fortan auch im Jugendhaus.

Karrierebeginn einst in Bielefeld

Trotz der angespannten Lage sei die Jugend in Schömberg sehr offen, freut er sich. Das erleichtere den Einstieg natürlich ungemein. "Das ist alles recht unkompliziert, da geht dann mal die Türe auf und es heißt ›Hallo‹", erzählt der 40-jährige Sozialarbeiter.

Sluiter begann seine Karriere einst in Bielefeld in der offenen Jugendarbeit. Er sei daher "ein Jugendhäusler von der Pike auf", sagt er selbst. Zuletzt war er in Sindelfingen und Stuttgart-Stammheim tätig – an letzterer Station hat er mobile Jugendarbeit aufgebaut. Jetzt zieht es Sluiter ins ländlich geprägte Schömberg. "Ich mag es, wenn es klein und überschaubar ist", erzählt der neue Jugendhauschef der Glücksgemeinde.

Und überhaupt, langweilig wird es ihm auch bei geringerem Andrang nicht, denn im Jugendhaus selbst gibt es viel zu tun. "Neuer Mitarbeiter, neue Farbe", scherzt Sluiter, meint aber, dass man tatsächlich das Farbkonzept innen stimmiger gestalten wolle. Zudem kommen neue Lampen, neues Mobiliar wie etwa eine Theke oder auch neue Gardinen ins Jugendhaus. Pallettensofas sollen zudem das Chillen in den Räumen ermöglichen. Bestenfalls will man in Schömberg dafür natürlich die Jugendlichen selbst mitmachen lassen – in welchem Umfang das trotz Corona-Krise geht, wird derzeit noch ausgetüftelt. Immerhin: Mit dem besseren Wetter will Sluiter diverse Aktivitäten nach draußen verlegen. Man hat sogar schon extra Spielflächen in den Rasen hinter dem Haus gemäht, um eine klare Trennung zwischen den Gruppen zu schaffen.

Gerade steht vor allem die aufsuchende Jugendarbeit im Fokus, also das aktive Zugehen auf Jugendliche, da die Kontaktbeschränkungen große Ansammlungen verhindern. Mit Blick auf das Jugendhaus meint Sluiter: "Da können wir allein schon von den Quadratmetern her keine 20 Leute reinlassen." Deshalb sei hier die aktive Rolle der Sozialarbeiter gefragt. Denn: "Junge Menschen kann man nicht lange voneinander fernhalten. Die anderen ›Peers‹ sind da wichtig für die Persönlichkeitsentwicklung."

Überhaupt sieht der Jugendexperte Sluiter auch schon in Schömberg erste Auswirkungen des seit Monaten andauernden Lockdowns: "Die Jugendlichen wirken lethargisch, da fehlt der Esprit." So eine Entwicklung habe er noch nie erlebt, zeigt sich der Schömberger Jugendhauschef besorgt und warnt eindringlich vor den Langzeitfolgen: "Das wirft die psychosoziale Entwicklung weit nach hinten, da sind ganz klar Rückschritte zu erwarten." Auch die häusliche Gewalt werde nicht zuletzt wegen des Homeschoolings und der Isolation des Nachwuchses steigen, prognostiziert er. "Da liegen die Nerven überall blank", meint er mit Blick auf viele häusliche Situationen. Gottlob sei ihm bisher noch kein solcher Fall aus Schömberg zugetragen worden.

Auch um diese Gefahr im Keim zu ersticken, will Sluiter mit aller Macht – und im Rahmen der geltenden Verordnungen – einige Angebote für die Jugendlichen realisieren: "Wir versuchen, alles was geht draußen zu machen." Die Offenheit bei den Jugendlichen dafür ist auf jeden Fall da in Schömberg.