Am 31. Mai wird die letzte Pizza aus dem Ofen geholt. Die Wirtsleute Antonietta und Michele Dettori schließen ihr Ristorante Pizzeria Hasen.
Der Abschied fällt nicht nur dem Gastronomenehepaar schwer: Nachdem sich rumgesprochen hat, dass der „Hasen“ schließt, haben sich viele Stammgäste gemeldet, ihr Bedauern bekundet und gleich einen Tisch zum Abschiedsessen reserviert. „Meine Gäste werden mir fehlen“, sagt Antonietta Dettori. Für die gebürtige Neapolitanerin war es das Schönste, wenn ihre Gäste glücklich und satt das Lokal verlassen haben und die gute Küche lobten.
1995 eröffnete sie die Pizzeria „Kreuz“
Am 31. Mai endet eine gastronomische Ära in Geislingen, die 1995 in Binsdorf begonnen hatte. Antonietta Dettori bewirtete 17 Jahre lang ihre Kundschaft im „Kreuz“, 2002 stieg ihr Ehemann Michele Dettori als Koch in die Pizzeria mit ein. Im September 2012 folgte der Umzug in die Räume der Gaststätte „Hasen“ im Herzen Geislingens, deren Name die Pizzeria der Dettoris fortan trug.
Den Gedanken, aufzuhören, hat das Wirtsehepaar einige Monate mit sich herum getragen. Die Arbeit in der Gastronomie sei schwer und habe über die Jahrzehnte ihre gesundheitlichen Spuren hinterlassen. Die Belastung habe vor allem in den vergangenen Jahren immer mehr zugenommen. Von morgens bis teilweise 1 Uhr nachts hat ihre Pizzeria die beiden Italiener beschäftigt: Einkaufen, vorbereiten, kochen, Gäste bedienen, abwaschen, putzen und schließlich die Büroarbeit, haben viel Zeit beansprucht. Zwar hatten sie immer wieder Aushilfen, doch diese seien zuletzt schwer zu bekommen gewesen.
Alles wurde teurer – vom Käse bis zum Pizzakarton
Dank treuer Stammkundschaft, die während dem Lockdown fleißig Pizza abgeholt hat, sind die Dettoris mit einem blauen Auge aus der Coronapandemie herausgekommen. Doch die gestiegenen Preise für Lebensmittel und Energie – vom Käse, über Tomaten bis hin zum Pizzakarton sei alles um einiges teurer geworden – bildeten sogleich die nächste Herausforderung.
Raus aus dem Hamsterrad
Nun ziehen die 53-Jährige und der 60-jährige Koch die Reißleine. Fortan wollen sie sich mehr auf ihre Gesundheit fokussieren, einen Gang herunterschalten und schauen, was die Zukunft bringt. Wie es mit den Gasträumen am Hindenburgplatz weitergeht, ob es ein Nachfolgerestaurant gibt, können sie derzeit noch nicht sagen.
In den letzten vier Wochen ihrer Pizzeria, möchten sich die beiden, die in Geislingen ihre Heimat gefunden haben, von ihren Gästen verabschieden – schließlich hat Antonietta Dettori immer gerne mit ihrer Kundschaft geplaudert und wusste viele Bestellungen schon, bevor sie ausgesprochen wurden. Im Mai wird der „Hasen“ auch am bisherigen Ruhetag Dienstag geöffnet haben – quasi als Abschiedsgeschenk.
Generationen beim Großwerden zugeschaut
Denn im „Hasen“ und früher im „Kreuz“ haben die Dettoris viele Familienfeste begleitet.„Ich habe in meiner Pizzeria Generationen groß werden sehen“, sagt die 53-Jährige ein wenig wehmütig. Kinder, deren Taufe im „Kreuz“ gefeiert wurde, seien Jahre später zum Hochzeitsessen in den „Hasen“ gekommen. Und so verhält es sich auch bei den drei Töchtern Vanessa, Viviana und Chiara, die im Restaurant groß geworden sind, und wo sich nun die Enkelkinder tummeln.
Der gastronomische Italienurlaub endet
Doch die Dettoris konnten nicht nur Pizza und Pasta: Vor allem die italienischen Vorspeisenplatten und Fischgerichte bereitete der Sizilianer Michele besonders gerne zu. Dazu ein Glas Wein aus dem Süden Europas und der Italienurlaub im Schwabenländle schien perfekt. Am 31. Mai ist auch diese Reise zu Ende.