Die Professoren der Hochschule Furtwangen Thomas Schlegel (links) und Waldemar Titov entwickeln und testen den Liefer-Roboter „Harry“ im Labor gemeinsam mit Studenten. Foto: Raphael Sickinger

Der Warentransport erfolgt überwiegend klimaschädlich auf den Straßen – der in Furtwangen an der HFU entwickelte Lieferroboter könnte das ändern. Wie „Harry“ Pakete liefert.

„Heutzutage fahren drei verschiedene Lieferdienste in dieselbe Straße am selben Tag, dass muss nicht sein“, sagt Waldemar Titov. Er und Thomas Schlegel sind Professoren an der Hochschule Furtwangen, die einen Lieferroboter entwickeln und testen – Machen sie dem Lieferchaos damit ein Ende?

 

„Personen und Waren gemeinsam bewegen“ lautet der Projektslogan. Das Konsortium des Projektes Regio-Kargo-Tram-Train setzt gezielt auf den Schienenverkehr und will Waren zukünftig in Straßenbahnwagen befördern lassen. Heute erfolgt der Warentransport überwiegend klimaschädlich auf der Straße – das soll sich ändern.

Ziel ist es, einen effizienten und nachhaltigen Transport in Stadt und Region, durch KI-gestützte Technologie im Fahrzeug und einen Lieferroboter am Bahnsteig zu ermöglichen – Personen- und Warentransport sollen so kombiniert werden.

Wie der Lieferroboter funktioniert

Der Lieferroboter „Harry“ ist ein autonomer, rollender Lieferkasten auf Rädern mit einem Display als Gesicht. Sein Name steht für Human Robot Interaction. An den Seiten hat der Roboter mehrere Fächer in verschiedenen Größen, in denen die Pakete verstaut werden. „Mit dem Lieferroboter können wir 80 Prozent der Pakete, die normalerweise anfallen, liefern“, so Titov.

Der Lieferroboter verfügt an den Seiten über Fächer verschiedener Größen, in denen die Pakete aufbewahrt werden. Foto: Raphael Sickinger

Der Lieferroboter ist mit Kameras, GPS, KI und Sensoren zur Umfelderkennung ausgestattet, um Hindernisse zu umfahren. „Harry“ ist elektrisch betrieben und bewegt sich in Schrittgeschwindigkeit fort. Zudem ist er mit Blinkern ausgestattet und kann die Fahrtrichtung wie ein gewöhnliches Auto anzeigen.

Um in die Bahn zu gelangen, braucht es ebenerdige Zustiege. In Städten soll er dann mit öffentlichen Verkehrsmitteln von A nach B kommen. In der Bahn selbst hat der Roboter seinen eigenen Stellplatz und befestigt sich während der Fahrt mit einer Art Greifarm am Sitz. In der Bahn kann man sich mit dem Roboter „matchen“ und sein Paket schon frühzeitig abholen.

Die Fächer sind geschützt und können nur mit dem richtigen QR-Code geöffnet werden. Bislang gelangt die Bestellung und Abholung von Paketen über eine Versuchs-App. Bei der Bestellung erhält man einen QR-Code, der von „Harry“ gescannt wird. Anschließend öffnet sich das entsprechende Fach und der Auftrag ist abgeschlossen.

Ist die Umsetzung möglich?

Fürs Erste ist „Harry“ ein Test. „Wir erproben Konzepte für die Zukunft“, sagt Thomas Schlegel. Im Labor der Hochschule wird mit Virtual Reality der Aufenthalt des Roboters in der Bahn veranschaulicht – man möchte Erkenntnisse daraus ziehen, wie der Roboter sich verhält und ob es zu möglichen Komplikationen kommen könnte. Um herauszufinden, wie er mit Menschen interagiert, bemüht sich die HFU, aktive Studien in der Bahn zu ermöglichen. Allerdings werden Probanden noch gesucht.