Das Wetter spielte zwar nicht mit, die Macht wurde in Anwesenheit des Eutinger Prinzenpaars dennoch an die Narren übergeben.
Der Begriff „Konsolidierungspaket“ wurde bei der Schlüsselübergabe zum Unwort des Jahres erklärt.
Es gab drei Neuigkeiten am Schmotzigen Donnerstag. Erstmals besuchte ein Eutinger Prinzenpaar zur normalen Fasnet die Jauner und Bettschoner, dann regnete es zum ersten Mal seit vielen Jahren wieder. Sofort hieß es, und gleich hätten die „Säuble Sauwetter“ mitgebracht. Der Grund, dass die Schlüsselübergabe zum ersten Mal ins Innere verlegt wurde, um das Narrenvolk buchstäblich nicht im Regen stehen zu lassen.
Volles Haus im benachbarten Pizza-Service
Schon wurde gemunkelt: „Isch’s Rôthaus schao verkauft?“ Doch das tat der Stimmung keinen Abbruch, im Gegenteil. Volles Haus im benachbarten Pizza-Service „Sotto Sopra“, dessen Räumlichkeiten die „Wild Voices“ fasnächtlich umgestaltet hatten und in dem sich über 100 Narren drückten. Ach ja, die Kanoniere konnten ausgerechnet zu ihrem 50-jährigen Jubiläum nicht zur „Aaaattacke!“ blasen und mussten ihre Kanone schweigen lassen.
Dafür wurde der Narrenmarsch des Musikvereins und dessen Stimmungsmusik nicht vom Wind verblasen. So bebte und dröhnte „die Bude“. Mit dazu bei trugen natürlich die beiden Vorsitzenden Larissa Leins und Jutta Müller, die dann statt den versammelten Kanonieren zur Attacke auf die Eutinger Gemeindeverwaltung und den Gemeinderat bliesen. Sie in zerpflückten in Anwesenheit von Bürgermeister Markus Tideman detailliert die Sparmaßnahmen, die verschleiert und schönredend als „Konsolidierungspaket“ bezeichnet würden, und erklärten diesen Begriff zum Unwort des Jahres.
Die Musikkapelle setzte dazu immer die passenden instrumentalen Kommentare, mal mit einem kräftigen Tusch, mal mit ziemlich schrägen Tönen. Dann ergriff auch das Eutinger Prinzenpaar das Wort. Prinz Kevin hob zwar die schöne Zeit als „Hoheit“ hervor, schwor aber, dass er schon a bissle mehr an der Weitinger Fasnet hänge und sich schon auf nächstes Jahr freue.
So forderten die adeligen und bürgerlichen Narrenhoheiten gemeinsam OV-Vize Steffen Frank, der die erkrankte Ortsvorsteherin vertrat, auf, den Rathausschlüssel herauszurücken. Zuvor wollte er aber schon noch einiges zurechtrücken, bis er schließlich auf Druck und unter dem großen Jubel des Narrenvolkes nachgab. Auch die Eutinger Zunftmeisterin Iris Klinkmüller das Wort.
Witzig und schlagfertig „hin- und hergefobbt“
So wurde witzig und schlagfertig „hin- und hergefobbt“ und auch der Eutinger Narrenmarsch gesungen. Dann setzte Christl Winker mit einem von großem Beifall bedachten Lied über die „diskriminierten Weitinger, Göttelfinger und Rohrdorfer“ noch ein feines und originelles i-Tüpfelchen drauf. „Fasnet wia’s dr Brauch isch“, und was sich (immer mehr lieben scheint), das neckt sich.