Bürgermeister Thomas Noé (links) übergibt Zunftmeister Michael Baur den Rathausschlüssel. Foto: Marzell Steinmetz

Schlechtwetter ist für die Starzacher Narren kein Grund, auf die Amtsenthebung zu verzichten. Bürgermeister Thomas Noé musste am Schmotzigen den Rathausschlüssel abgeben.

Zum Glück gibt es noch die Bürgerhäuser in Starzach. Statt auf dem Kelhof, auf den der Regen niederprasselte, konnte die närrische Prozedur im Trockenen stattfinden. Das war sicher auch dem Schultes recht, dem somit die kalte Dusche erspart blieb.

 

Doch ansonsten kannten die Narren, wie üblich, kein Pardon. Die Läufer brachten den noch amtierenden Rathauschef auf ihrer Leiter in den Saal und stellten ihn auf die Bühne. Die Starzacher Narren tanzten fröhlich um ihn herum, bis der Bierlinger Zunftmeister Michael Baur das Wort ergriff und die Anklagepunkte verlas.

Der Zunftmeister hat jedes Jahr mehr zu kritisieren

Er hat von Jahr zu Jahr mehr zu kritisieren und zu nörgeln. Kein Wunder: Es sei für die Bürger kein Honiglecken, wenn die Gemeinde „faktisch pleite ist“ und lausige Zeiten noch bevorstehen. Was nütze sparen, wenn man eh’ nichts habe. Ein Haushaltsplan ist, wie Baur meinte, auch überflüssig, „wenn ma damit nix macha ka“. Und dies trotz mehrmaliger Erhöhung der Grundsteuer, die bald den Wert von Hof und Haus übersteigt, monierte er. Was ihn aber besonders ärgert, ist der Vorschlag eines Gemeinderats, Bürgerhäuser zu „schlieassa, des isch wahrhaftig doch zom Schießa“.

Die Starzacher Narren tanzen um den Schultes herum. Foto: Marzell Steinmetz

Baur wundert sich nicht über die Bürgerinitiativen in der Gemeinde. Dass der Schultes darauf verbissen reagiert, wie beim „Mühlacker IV“ in Sulzau und sich deswegen nicht für die Presse fotografieren lassen wollte, fand der Zunftmeister aber rügenswert. „Weglaufa, dees isch an Scheiss“, meinte er dazu.

Die Schulerweiterung musste natürlich auch zur Sprache kommen. Dass dieses heiß diskutierte Projekt letzten Endes zu einem Flop geworden ist, wollte er jedoch nicht allein dem Schultes ankreiden. „Hat die Hälfte des Gemeinderats Noé wohl ins offene Messer laufen lassen?“, fragte er sich. Auch hätte es einen Bürgerentscheid zur Schule geben sollen. Daraus wird nichts, weil das Bürgerbegehren gegen die „materiellen Anforderungen“ verstößt. Oder anders gesagt: „Es isch zu wenig Geld im Haus“. Fehlanzeige bei den Baugebieten, die Apotheke „isch au beim Deifel“, „dr Elektro Faiss verlässt des Millionaloch ond goht jetzt nach Haigerloch.“ Der Zunftmeister hätte noch manches mehr vorbringen können.

Kommentarlos wollte Noé die Anklage nicht hinnehmen. Darüber habe er nur lachen können, schließlich blicke er über den Tellerrand hinaus, während andere nur an sich dächten. Bürgerentscheide seien nicht immer der Hit. Sein Wunsch sei eine bessere politische Kultur in Starzach, denn damit lasse sich in der Gemeinde viel erreichen.

Auf die Amtsenthebung folgt der Bürgerball

Letztendlich musste er dem Willen der Narren nachgeben und den Rathausschlüssel rausrücken.

Die Bierlinger Musiker sorgten für Stimmung im voll besetzten Bürgerhaus. Nach der Amtsenthebung ging es mit dem Bürgerball weiter.