Nichts hält für immer und ab dem „Schmotziga“ ist sowieso alles anders. Fröhlicher, ungezwungener und bunter. Ab diesem Tag regieren die Narren.
Das ist schon lange guter Brauch und gilt auch in diesem Jahr landauf, landab. Natürlich auch im Horber Stadtteil Blockstreckerhausen, der früher Bildechingen hieß.
Die Narren stürmten das Rathaus, befreiten aber vorher noch schnell den Nachwuchs aus dem Kindergarten „Tüpfelchen“ und die Grundschüler vom Joch des Leistungsdrucks und nahmen sie gleich mit vor auf den Parkplatz von „Straubs Krone“, der zum Epizentrum ausgelassener Fröhlichkeit befördert wurde. Und dann war High Noon. Seit Donnerstagvormittag ist der Horber Stadtteil ganz in Narrenhand.
Angeführt von den Keilern und mit tatkräftiger Unterstützung der Riedhexen sowie den Blockstreckern wurde Ortsvorsteher Rüdiger Holderried mit ordentlich Nachdruck aus seinem Rathaus herausgeholt. Seine ganzen Ausreden, von wegen, dass er noch wichtige Dinge erledigen müsse, nutzten ihm nichts. Die närrische Abordnung packte ihn in einen mit weißem Konfetti gefüllten, fahrbaren Zuber und karrten ihn die paar Meter weiter rüber zum improvisierten Festplatz.
Ortsrumsteher wohl froh, das Amt erst mal los zu sein
Dort wartete bereits eine große Narrenschar auf das, was jedes Jahr kommt. Auf den Kampf um den Rathausschlüssel. Wobei der Begriff „Kampf“ nicht ganz richtig gewählt ist. Eher konnte man den Eindruck gewinnen, dass der Ortsrumsteher froh war, das Amt mal für ein paar Tage los zu sein, so schnell drückte er dem Keiler-Boss Patrik Graw den goldenen Rathausschlüssel in die Hand.
Dieser verkündete froh gelaunt: „Wir lasset uns jetzt a paar Dag em Rothaus nieder. Der Rüdiger isch geübt en dem Procedere, der kennt seine Narra und deren Medele.“
Zwar zögerte der Beduinen-Rüdi scheinbar noch, doch der Ober-Keiler legte nach: „Rüdi, s‘ isch gar net schwer, geb dr an Ruck, in sechs Dag krigscht des Schlüssele zuruck. Donoch darfst du dir wieder en Kopf mache ond des isch ganz gwies au net zum lacha, Baustella gibt es jo no an Haufa em Ort“. 30 km/h durch da Flecke und vo Mühlen her. Parka en der Hartmannstroße – oh gang ma fort.
Der Beduinen-Rüdi bedankte sich freundlich für dieses Entlastungsangebot mit den Worten: „Ihr fragt om den Schlüssel, des isch nett, andre sagt nur wies besser goat, aber den Schlüssel wellet se net“. Sprich, alles besser wissen, aber ja keine Verantwortung übernehmen. So seinem Ärger Luft gemacht und in seltsamen Bewegungen sich vom Konfetti, in dem er reichlich baden durfte, befreit, freute er sich auf seinen Urlaub, den er gar nicht schnell genug antreten konnte.
Doch egal was ansteht, egal wie ernst die Lage im Ort ist, die Narren regieren jetzt mit Narri-Narro in Blockstreckerhausen und überall, wo sie auftauchen oder waren, siehts man es an den Unmengen von weißem Konfetti, dass die Mädrach-Keiler großzügig verteilen.
Narren übernehmen die Herrschaft
Bei einer geselligen Runde im Sitzungssaal des Rathauses, wo nicht nur Tee für die neuen Regierungschefs samt ihrem Gefolge bereitstand, übernahmen die Narren die Herrschaft über den Ort und mal sehen, vielleicht gefällt es ihnen so gut, dass der heimliche Wunsch vom Beduinen-Rüdi in Erfüllung geht und sie seinen Rathaus-Schlüssel tatsächlich behalten. Wär‘ mal ganz was anders.