Ohne Schirm geht am Schmotzigen nichts – auch hier, ist er doch das perfekte Werkzeug zum Süßigkeiten-Fangen. Foto: Martin Gruhler

Die Hochzeit der Fasnet hat am Schmotzigen Donnerstag in Bad Dürrheim endgültig begonnen. Über Bürgermeister Jonathan Berggötz wurden sportliche Details bekannt

Schon gleich um 5 Uhr in der Frühe wurde am Schmotzige Dunschtig der Bad Dürrheimer Bevölkerung durch das Trommelstakkato des Fanfarenzugs mit lautem Wecken offenbart: Die Hochzeit der Fasnet hat endgültig begonnen.

 

Ab 9 Uhr gaben dann die Urviecher-Guggä und der Fanfarenzug jeweils ein infernalisches Stelldichein in der Realschule und hernach in der Grund- und Werkrealschule in Foyer, Aula und Turnhalle. Zielsetzung war dabei die traditionelle Schülerbefreiung.

Die Kinder und Jugendlichen, aber auch die Pädagogen, erlebten dabei viele vergnügliche Momente, welche schließlich in die kleinen Fasnetferien mündeten.

Gefangennahme der Lehrer

In einer Art Gefangennahme wurden abschließend viele Lehrer in einen Traktorenanhänger gepfercht. Die Fahrt führte schließlich auf den Rathausplatz mit der Schlüsselgabe. Beim 100-Jahre-Jubiläum der Narrenzunft im Vorjahr herrschte Kaiserwetter. Das war dieses Jahr bei der traditionellen Zeremonie mit kalten Nass von oben nicht der Fall.

Musik darf bei der Fasnet nicht fehlen – so auch nicht bei der Schülerbefreiung am Vormittag. Foto: Martin Gruhler

Trotz des Dauerschnürleregens gestaltete sich das Zusammenkommen zu einem unterhaltsamen Riesenremmidemmi. Die Stadtverwaltung selbst zeigte sich ziemlich der Fasnet affin und hatte sich mit Hilfe des Werkhofs sportlich herausgeputzt. Die Sportstadt hatte dafür eine Fußballtorwand wie im TV-Sportstudio erstellt und bekundete „Wir sind voller Elan, sportlich und fit – mit Turnvater Berggötz wird die Fasnet der Hit“.

„Rückt den Schlüssel raus“

Die höchsten Vertreter der altehrwürdigen Narrenzunft zeigten sich vom vielen Süßholzraspeln des städtischen Verwaltung wenig beeindruckt und forderte verstärkt mit dem gesamten Rathausplatzpublikum lauthals immer wieder: „Schlüssel raus, rückt den Schlüssel raus!“.

Bürgermeister Jonathan Berggötz war gestern – jetzt ist Turnvater Berggötz angesagt. Foto: Martin Gruhler

Bürgermeister Jonathan Berggötz wurde von den Narren angesichts des Slogans auf der Torwand vorgeworfen, da doch ziemlich zu flunkern. Von wegen Sportskanone in der Wellnessmetropole: Die Fasnächtler hatten schon lange herausbekommen dass, der Rathauschef eine vor einem Jahr geschenkt bekommene Fitnessdauerkarte bis heute nicht einmal genutzt hat.

Vor dem Rathaus wird der Schlüssel gefordert – und dem Bürgermeister werden schräge Vorkommnisse aus der Lokalpolitik vorgehalten. Foto: Martin Gruhler

Der so erkannte Sportmuffel bekam weitere kräftige Tritte ans Schienbein gehauen, als die närrischen Kritiker schräge Vorkommnisse in der Lokalpolitik aufzeigten. So ärgerte es die Narren, dass im Rathaus mit den neuen Wassergebühren sich gehörig verrechnet worden war. Noch schlimmer wog es, dass Dreikäsehochs aus dem württembergischen Schwenningen in Bad Dürrheim zukünftig in den Kindergarten gehen sollen.

Viele Süßigkeiten

Vom Rathaus-Balkon herab versuchte Berggötz Verfehlungen der Narren – durchaus auf pfiffige Weise – darzulegen, indes ohne wirklichen Erfolg. So mutete es fast schon als Verzweiflungstat an, dass vom Rathaus Süßigkeiten in sehr großen Mengen wie noch nie ins Publikum geschleudert wurden um Sympathien zu ernten.