Das Bülow-Quartett und der Klarinettist Matthias Maurer konzertierten im Schloss Nordstetten. Foto: Baum

Das Schlosskonzert des Bülow-Quartetts mit dem Klarinettisten Matthias Maurer bescherte niveauvollen Musikgenuss.

Wundervolle Klänge von Antonin Dvořák und Wolfgang Amadeus Mozart gab das Bülow-Quartett seinem Publikum beim Schlosskonzert mit auf den Nachhauseweg. So manch einer hatte sicherlich von der virtuos gespielten Zugabe, dem Klarinettenkonzert von Mozart, einen kleinen Ohrwurm und andere wiederum summten die eingängige Melodie des gespielten letzten Satzes noch auf dem Treppenabgang des Schlosses.

 

Zuvor boten die Musiker gemeinsam mit Klarinettist Matthias Maurer so manchen musikalischen Leckerbissen und konzertierten mit Verve und Finesse. So etwa auch beim Streichquartett in F-Dur von Antonin Dvořák – dieses Werk des großen tschechischen Komponisten wird auch „Amerikanisches Quartett“ genannt und besticht durch seine Eleganz, Leichtigkeit und verträumte Passagen.

Inspiriert von morgendlichen Spaziergängen am Fluss, wo er einheimischen Vogelarten im amerikanischen Iowa lauschte, notierte der Komponist die Noten für sein amerikanisches Streichquartett innerhalb von vier Wochen – ein Meisterwerk der Kammermusikgeschichte entstand.

Meisterwerke ausgesucht Man könnte die Werke, die das Bülow-Quartett am Sonntagabend interpretierte auch unter dem Schlagwort „Meisterwerke für die Ewigkeit“ zusammenfassen, denn neben Dvořák erklang auch die italienische Serenade von Hugo Wolf sowie das Klarinettenquintett in h-Moll von Johannes Brahms.

Das Tempo steigt Doch im Gegensatz zu Brahms dramatisch ausgeklügeltem Werk vermittelt Dvořáks amerikanisches Quartett verträumte Passagen, die mit ausdrucksstarken und eher raschen, schnellen Themen korrespondieren. Tänzerisch lässt die Bratsche (Johannes von Bülow) das Hauptthema des ersten Satzes aufscheinen, welches durch die einzelnen Streicherstimmen weitergereicht wird – ein Dialog der Instrumente entsteht. Eher ruhig und anfangs langsam und getragen besticht der zweite Satz, ein ruhiges Lento mit meditativ-verträumten Passagen.

Das Tempo steigt Schließlich das Finale, in dem der Komponist – und auch die Musiker – das Tempo noch steigern. Rasch, energiegeladen und äußerst expressiv interpretieren Maximilian Lohse (1. Violine), Moritz von Bülow (2. Violine), Johannes von Bülow (Bratsche) und Nikolaus von Bülow (Cello) den vierten Satz – an dessen Ende eine wilde Jagd und ein rascher Parforceritt durch die Klangmuster entsteht. Dvořák imitiert im amerikanischen Quartett den Vogelruf des roten Tanagra – bis in die gefährlich hohen Lagen der Violine hinein.

Die ätherischen Klangfarben des Werkes scheinen aus einer anderen Welt zu sein – ja freilich, aus der Welt faszinierender Musik.

Traurig-schöner Klang Auch Johannes Brahms Klarinettenquintett h-Moll besticht durch große Meisterschaft und ist ein Meisterwerk des großen Komponisten. Der traurig-schöne und teils auch dramatische Klang des Fin de siècle schwebt über dem 1891 komponierten Klarinettenquintetts h-Moll op. 115 von Brahms. Der erste Satz, ein Allegretto, ist feingliedrig, und die Klarinettenstimme sowie auch die Streicher agieren feinfühlig und einfühlsam. Dennoch wird expressiv gespielt, so dass der virtuose Charakter der Komposition zum Tragen kommt.

Zauber der Violinen Das Allegretto beginnt mit einer Wellenfigur der beiden Violinen – das Publikum lauscht verzaubert und lässt sich einfangen von der wunderbar verspielten, aber dennoch energischen Melodie. Matthias Maurer agiert sicher, virtuos auf der Klarinette und der Ausgleich zwischen der Bläserstimme und den Streichern besticht. Ein enges motivisches Netz verbindet alle vier Sätze – dem Allegretto mit der „singenden Violine“ von Maximilian Lohse folgt ein Adagio, das mit wunderbaren Streicherstimmen besticht und fasziniert. Ein Andantinosatz folgt – schnell und gefühlvoll gespielt. Einem Trioauftakt folgt ein tutti. Cello und Bratsche werfen sich gegenseitig musikalische Klangideen zu – und das Trio-Thema scheint immer wieder auf. Langanhaltender Applaus belohnte die Musiker, die natürlich von Ortsvorsteher Markus Bok überreicht wurden.