Es war das erste Konzert seit drei Jahren. Foto: Eyrich

Die Schweigeminute für die Opfer des Krieges gegen die Ukraine mag die Stimmung gedämpft haben, doch ansonsten war das erste Konzert des Heeresmusikkorps Ulm seit drei Jahren im Schlosshof "wahnsinnig schön" – fand nicht nur der Moderator.

Albstadt-Lautlingen - Oberstabsfeldwebel Thomas Schütte stellte es zu Recht fest: "Das einzige Uebel an diesem Abend" war der Nachname des Komponisten, mit dessen Marsch "Jubelklänge" das Heeresmusikkorps Ulm einen beschwingten Abend im Hof des Stauffenbergschlosses eröffnete. Dort hatten die Musiker schon Sonnenbrand davongetragen und schon kurz vor dem Auftritt wieder umkehren müssen, weil es goss wie aus Eimern. Am Mittwoch hieß sie jedoch nicht nur ideales Wetter willkommen, sondern auch ein Publikum, das sich sichtlich freute auf den ersten Auftritt seit drei Jahren – einer war Corona, der andere dem Wetter zum Opfer gefallen.

 

Jedes Stück wird zum Ohrwurm

Was dadurch gefehlt hat? Ein Orchester, das unter der Leitung von Hauptmann Dominik Koch nicht einfach spielte, sondern mit Esprit, Können und einer gesunden Mischung aus symphonischen und rhythmischen, zuweilen jazzigen und funkigen Passagen jedes Stück zum Ohrwurm machte.

Manche waren es freilich schon: "Ein Freund, ein guter Freund" von 1930 etwa aus dem Filmklassiker "Die Drei von der Tankstelle", das "die drei lustigen Vier", wie Schütte sie nannte, mit Posaunensoli veredelten. Dass die Musiker "auch ganz gut tanken können": nur ein Gerücht.

Ohrwürmer allesamt: die Hits eines gewissen Gerhard Udo Lindenberg, der als renommierter Jazz-Schlagzeuger bei Peter Herbolzheimer angefangen hatte, dessen – teils mit Eierlikör gemalte – Bilder sogar im Kanzleramt hängen, und dessen Musik sinfonische Qualität hat, wie das "Panik"-Medley zeigte.

Entscheidung im Pazifik

Von John Williams, einem ihrer "großen musikalischen Vorbilder", hatten die Musiker, die im Oktober zur Gedenkfeier der Schlacht bei el-Alamain nach Ägypten reisen, den "Midway March" ausgewählt, der an die entscheidende Schlacht im Pazifikkrieg erinnert. Hauptfeldwebel Hermann Heinle, von seinen Kollegen auch "Funky Hermann" genannt, spielte beim Solo zu Martin Scharnagls "Farmers Tuba" das ganze Potenzial des Instruments aus, das zu Unrecht als behäbig gelte, wie Schütte betonte. Luigi Denzas "Funiculi Funicula" verwandelt Yo Gotos Bearbeitung in eine Rhapsody und das Spiel des Heeresmusikkorps in ein völlig neues Stück, ein Juwel, wenngleich der Höhepunkt erst am Ende folgte: "80er Kult(tour) 2" ist der Nachfolger eines Hit-Medleys, das die Musiker ihrem Lieblings-Musikverlag zuliebe als Demo-CD eingespielt hatten – und das zum Verkaufs- und Youtube-Schlager wurde. Im Sequel versteckten sich "Dein ist mein ganzes Herz", "Wunder gescheh’n", "Verdammt lang her" und "Major Tom", weich fließend miteinander verwoben, die das Orchester in einer originellen Folge der Stilrichtungen servierte.

Vinzentinische Ersthelfer helfen und bekommen Hilfe

Das Rote Kreuz Laufen-Lautlingen servierte hingegen – auch weit nach dem anhaltenden Applaus und der Zugabe "Danubia" und unterstützt von den Vinzentinischen Ersthelfern Albstadt – Essen und Getränke. Der Vinz-Gruppe um Gründer Michael Weimer kommt die Hälfte des Konzerterlöses zugute, während sich die "Soldaten und Veteranen Stiftung" und das Bundeswehr-Sozialwerk den Rest teilen, wie Oberbürgermeister Klaus Konzelmann erklärte. Er freute sich sichtlich über das Ereignis, für das es "keinen besseren Ort" gebe, während Oberst Jochen Gumprich, Standortältester der Bundeswehr in Stetten am kalten Markt, auch ernste Worte fand – zum Angriffskrieg gegen die Ukraine und dem Stellenwert der Bundeswehr.