Personalmangel zwingt den Abfallwirtschaftsbetrieb zu kurzfristigen Schließungen. Das Landratsamt erklärt, warum sich die Lage in den kommenden Wochen kaum entspannen wird.
Die wiederholten kurzfristigen Schließungen der Entsorgungsanlagen Horb-Rexingen und Bengelbruck Freudenstadt und weiteren Recyclinghöfen haben in den vergangenen Wochen für Verwunderung gesorgt.
Auf Anfrage erklärt das Landratsamt Freudenstadt nun die Hintergründe – und macht deutlich, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt, sondern um ein strukturelles Problem im gesamten Abfallwirtschaftsbetrieb.
Pressesprecherin Sabine Matt beschreibt die Lage klar: Die Ursache liege „sowohl in personellen Veränderungen als auch in überdurchschnittlich langen Ausfallzeiten aufgrund von Erkrankungen“. Über längere Zeit habe man die Ausfälle durch Mehrarbeit abgefedert, „das ist im bisherigen Umfang nicht mehr möglich“.
Alle Standorte betroffen – weitere Einschränkungen erwartet Der Personalmangel wirkt sich bereits jetzt auf den gesamten Landkreis aus. „Faktisch betrifft der Personalmangel alle Standorte“, so Matt. Daher sei auch in den kommenden Wochen mit Einschränkungen zu rechnen – sowohl bei den Recyclingcentern als auch bei den Entsorgungsanlagen.
Nicht alle Stellen sind besetzt
Während in den Recyclingcentern seit zwei Jahren zu keinem Zeitpunkt alle Stellen besetzt werden konnten, mache sich der Engpass in den Entsorgungsanlagen besonders in den vergangenen Monaten bemerkbar. Die aktuell geschlossenen Anlagen Rexingen und Bengelbruck seien damit keine Sonderfälle.
Fachkräfte kaum verfügbar – hoher Bedarf an Qualifizierung Ein Kernproblem ist der Arbeitsmarkt. Laut Matt gebe es „faktisch keine Fachkräfte mit einer Ausbildung zur Fachkraft für Kreislaufwirtschaft“ – heute Umwelttechnologe für Kreislauf- und Abfallwirtschaft. Deshalb setze der Betrieb verstärkt auf Quereinsteiger, was wiederum einen hohen Qualifizierungsbedarf mit sich bringe.
Kurzfristige Lösungen Um die Auswirkungen für die Bürgerinnen und Bürger möglichst gering zu halten, organisiert der Abfallwirtschaftsbetrieb die Schließungen rotierend. „Es ist stets ein Wertstoffhof oder eine Entsorgungsanlage in zumutbarer Entfernung geöffnet“, betont Matt. Ziel sei es, die Einschränkungen so gering wie möglich zu halten.
Langfristige Strategien Bereits in den vergangenen Jahren habe der Abfallwirtschaftsbetrieb seine Personalgewinnung modernisiert.
Das sind die Perspektiven
Stellenausschreibungen wurden überarbeitet, soziale Medien stärker genutzt. 2024 wurden laut Matt sogar zusätzliche Stellen geschaffen – allerdings bislang ohne dauerhaften Erfolg, da passende Bewerber fehlen. Dennoch gibt es eine Perspektive, berichtet die Pressesprecherin: Bis zum ersten Quartal 2026 sollen alle offenen Stellen besetzt sein.
Wartezeiten meist unabhängig vom Personalmangel Zu Überlastungen vor Ort kommt es laut Landratsamt kaum aufgrund der personellen Situation. Mit 19 Recyclingcentern gebe es ausreichend Alternativen. Längere Wartezeiten entstünden eher dort, wo zwingend über die Waage abgewickelt werden müsse. „Die Dauer eines Wiegevorgangs ist unabhängig vom eingesetzten Personal“, erklärt Matt. In Rexingen erschwere zudem den Verkehrsfluss, dass es nur eine Waage gebe. Man arbeite allerdings „intensiv an Optimierungen des Anlagenbetriebs“.
Fazit: Mit Blick auf die kommenden Monate bleibt die Situation angespannt. Der Abfallwirtschaftsbetrieb setzt auf Übergangslösungen – und hofft darauf, dass die Personaldecke spätestens 2026 wieder stabil ist.